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Die grosse Schlacht des Don Camillo

Frankreich | Italien, 1955

Originaltitel:

Don Camillo e l'on. Peppone

Alternativtitel:

La revancha de Don Camilo (ARG)

Don Camillo und seine Herde (AUT)

Don Camilo e o Deputado Peppone (BRA)

Don Camilo y el honorable Peppone (ESP)

La grande bagarre de Don Camillo (FRA)

Don Camillo e l'onorevole Peppone (ITA)

D. Camilo e as Eleições (PRT)

Don Camillo's Last Round

Deutsche Erstaufführung:

30. September 1955

Regisseur:

Carmine Gallone

Inhalt

Giuseppe „Peppone“ Bottazzi (Gino Cervi) kandidiert im Jahr 1948 für das Parlament, was seinem Gegenspieler Don Camillo (Fernandel) ebenso ein Dorn im Auge ist, wie das Denkmal mit der Friedenstaube, das die Kommunisten auf dem Marktplatz aufgestellt haben. Doch zunächst hat Peppone noch eine Hürde zu meistern, denn für den Posten eines Abgeordneten benötigt er einen gültigen Schulabschluss, über den er nicht verfügt, was ihm im Heimatort Brescello einigen Spott einbringt. Während Don Camillo anfangs noch vorhat, sich an Peppones Scheitern bei der Schulabschlussprüfung zu ergötzen, lässt sein Gewissen dies aber nicht zu. Er hilft seinem Widersacher, aber wie gewohnt nicht ohne Gegenleistung.

 

Verwundert über Peppones Weigerung einem Bauern zu seinem Recht zu verhelfen, der den Pächter, der sich derzeit auf seinem Land befindet, trotz Ende des Pachtvertrags nicht loswerden kann, findet Don Camillo den Grund für Peppones Verhalten heraus: ein Panzer, den die Kommunisten nach Ende des 2. Weltkriegs auf besagtem Grundstück versteckten und der sich noch immer dort befindet.

 

Als Don Camillo Wahlplakate Peppones mit Teufelshörnern versieht, schwört Peppone „physische Vernichtung“. Diese richtet sich jedoch nicht gegen den Priester persönlich, sondern gegen seine Hühner, welche Peppone genüsslich mit seinen Genossen verzehrt. Doch er wird erwischt und muss wegen Diebstahls vor Gericht. Und wieder ist es Don Camillo, der ihm aus der Patsche hilft.

 

Indessen bahnt sich eine Affäre zwischen Peppone und seiner jungen Wahlhelferin Clotilde (Claude Sylvain) an, was dessen Frau bemerkt. Sie will Peppone verlassen, und erneut wendet sich Peppone hilfesuchend an Don Camillo. Schließlich ist Wahltag, und als Camillo versucht, Peppones Abschlussrede zu sabotieren, geht dieser Schuss nach Hinten los. Peppone gewinnt, doch plötzlich wird ihm klar, was das bedeutet: er müsste Brescello verlassen und nach Rom ziehen, ohne seine Familie, die die Heimat nicht verlassen will.

Review

Im dritten Film um das streitbare Duo Don Camillo und Peppone führte mit Carmine Gallone nun erstmals ein Italiener Regie. Gallone ist ein Urgestein des italienischen Films, seine Karriere umfasst die Zeit von 1914 bis 1962. Während es ihm nicht gelingt, die düster-romantischen Elemente Julien Duviviers zu wiederholen, ist DIE GROSSE SCHLACHT DES DON CAMILLO dafür noch schwungvoller geraten als die beiden Vorgänger. Leider gelang dies Gallone im nachfolgenden HOCHWÜRDEN DON CAMILLO nicht mehr so recht.

 

Das Drehbuch von DIE GROSSE SCHLACHT DES DON CAMILLO ist in diesem dritten Beitrag ein Mix aus neun Originalgeschichten des Autors Giovanni Guareschi, sowie einigen neuen Begebenheiten, die Guareschi als Co-Autor beitrug. Für bereits erwähnten Schwung sorgte das Duo Age & Scarpelli als Dialogautoren. Während große Teile des Vorgängers DON CAMILLOS RÜCKKEHR in römischen Studios entstand, griff man nun wieder auf den Originaldrehort Brescello zurück, dem Wunsch Guareschis entsprechend. Wie in vorherigen Reviews bereits erwähnt, ist in Brescello heute noch viel von den damaligen Dreharbeiten sichtbar, Orte, Gedenktafeln und ein Museum. Bei dem auf dem Marktplatz ausgestellten US-Panzer handelt es sich allerdings nicht um das Original aus dem Film, sondern um ein anderes restauriertes Modell.

 

Die Handlung um Peppones Kandidatur als Abgeordneter nimmt Bezug auf die Parlamentswahlen vom 18. April 1948, die ersten Wahlen nach neuem Verfassungsrecht, an dem Männer und Frauen teilnehmen dürften. Die Wahlen waren geprägt von den Auseinandersetzungen zwischen Kommunisten und Christdemokraten und dem aufkommenden Kalten Krieg. Während die CIA die Democrazia Cristiana finanziell unterstütze, gelang dem Wahlbündnis aus Partito Comunista Italiano und Partito Socialista Italiano dennoch ein furioser zweiter Platz mit einer Mehrheit in immerhin 21 Provinzen. Vor allem in den Industriegebieten der Toskana und der Emilia-Romagna – wo sich auch der Filmhandlungsort Brescello befindet – gewannen die Kommunisten. Die in dieser Wahl manifestierte Kräfteverteilung – Christdemokraten gegen Kommunisten, beide an vorderster Front – änderte sich bis zum Ende des Kalten Krieges kaum.

 

DIE GROSSE SCHLACHT DES DON CAMILLO knüpft nahtlos an DON CAMILLO UND PEPPONE und DON CAMILLOS RÜCKKEHR an. In episodenartiger Struktur werden dörflich, leicht politisch angehauchte Begebenheiten erzählt, die die Rivalität zwischen Kirche und Kommunismus reflektieren. Carmine Gallone zeichnet die beiden Hauptcharaktere weit versöhnlicher als Duvivier, hier im Handlungsjahr 1948 haben sich Camillo und Peppone längst damit abgefunden, dass sie trotz aller Rivalität eigentlich Freunde sind.

 

Ein Höhepunkt des Films ist zweifellos die Geschichte, wie Camillo und Peppone erstmals – während des Krieges – aufeinandertrafen. Peppone schreibt hier während seiner Schulabschlussprüfung als Aufsatz seine eigene verklärte Version der Ereignisse, während die Kamera dem Zuschauer zeigt, wie es tatsächlich abgelaufen ist. Für Heimatatmosphäre sorgt ein schmalziges Ende, das Gallone im Nachfolger HOCHWÜRDEN DON CAMILLO jedoch ignoriert.

 

Wieder gibt es ein paar Fassungsunterschiede zwischen italienischer und französischer Fassung, siehe den Link zum Schnittbericht unten. Die frühere deutsche Kinofassung basierte hierbei auf der französischen Version, die Blu-ray auf der Italienischen.

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