Suchen

Don Camillos Rückkehr

Frankreich | Italien, 1953

Originaltitel:

Le retour de Don Camillo

Alternativtitel:

El regreso de Don Camilo (ARG)

Don Camillo vender tilbage (DNK)

Il ritorno di Don Camillo (ITA)

Powrót Don Camilla (POL)

O Regresso de D. Camilo (PRT)

Don Camillos återkomst (SWE)

The Return of Don Camillo (USA)

Deutsche Erstaufführung:

14. August 1953

Regisseur:

Julien Duvivier

Inhalt

Wegen der Prügelei auf dem Dorffest (siehe DON CAMILLO UND PEPPONE, 1952) wurde Don Camillo (Fernandel) in die Pfarrei des Bergdorfes Montenara versetzt, wo ihm sein Ruf vorauseilte. Die Haushälterin dort hält ihn für eine wüste Schlägertype, und die Kirche bleibt leer.

 

Unterdessen bemüht sich Giuseppe „Peppone“ Bottazzi (Gino Cervi) in seiner Funktion als Bürgermeister um die Errichtung eines Dammes, der sein Dorf Brescello vor Überschwemmungen schützen soll. Hierfür benötigt er jedoch einen Teil der Weinhänge des Gutsbesitzers Cagnola (Thomy Bourdelle), der jedoch keinen Meter von seinem Land hergeben will.

 

Der neue Pfarrer von Brescello nötigt Peppone wenig Respekt ab, weshalb dessen Bemühungen, Geld für die Restauration des von einem Riss befallenen Kirchturms zu bekommen, fruchtlos bleiben. Da der Bürgermeister mit Cagnola nicht weiterkommt, freut er sich über den unerwarteten Besuchs Don Camillos, der ihm verspricht, Cagnola zur Zustimmung des Dammbaus auf seinem Besitz zu überreden.

 

Aus Dankbarkeit begeben Bottazzi und Genossen sich zum Bischof und überreden diesen, Don Camillo die Rückkehr in die Pfarrei von Brescello zu gestatten. Allerdings gelingt es erst dem alten Doktor Spiletti (Edouard Delmont), Camillo zur Rückkehr zu bewegen. Doch die Dinge laufen nicht wie geplant, denn Cagnola hält sein Versprechen nicht.

 

Schließlich kommt es so zur Katastrophe. Die Frühjahrsflut überschwemmt Brescello, der Kirchturm stürzt teilweise ein und reißt Camillo hinab in die Fluten.

Review

DIE RÜCKKEHR DES DON CAMILLO, wieder unter der Regie von Julien Duvivier gedreht, wirkt im Zusammenspiel mit dem Vorgänger wie aus einem Guss. Schon hier zeigt sich die gleichbleibende Qualität, die die Don Camillo-Filmreihe auszeichnet, auch wenn es diesmal Probleme gab. Die Überschwemmung im November 1951, die schon Teil des Drehbuchs war und im fertigen Film gezeigt wird, fiel in diesem Jahr deutlich stärker aus als erwartet, was zur Folge hatte, dass weniger Außenaufnahmen in Brescello möglich waren. So musste man in Sachen Locations improvisieren und auch Teile in den Cinecitta-Studios drehen.

 

Im Drehbuch von Julien Duvivier und René Barjavel wurden erneut ganze 16 Geschichten des Autors Giovannino Guareschi aus den Jahren 1947 bis 1952 untergebracht, der selbst am Drehbuch nicht beteiligt war, da er gerade wegen einer Schmähkarikatur des Staatspräsidenten in Untersuchungshaft saß. Von dort soll er der Produktion jedoch einen Brief geschrieben haben, in dem er seinen Wunsch zum Ausdruck brachte, im geplanten dritten Teil der Filmsaga auf „römisches Pappmaché“ zu verzichten und stattdessen wieder mehr in Brescello zu filmen. Insgesamt verfasste Guareschi wohl 346 Geschichten um Don Camillo und Peppone, von denen viele erst posthum in den 70er Jahren veröffentlicht wurden.

 

Die zeitlichen Abläufe sind mir ein wenig rätselhaft. Der Film verwendet Szenen, die während der Überschwemmung der Polesine (Venetien) im November 1951 gedreht wurden, die bis nach Brescello (Emilia-Romagna) reichte. Das Drehbuch wiederum nimmt, wie bereits erwähnt, auch Geschichten auf, die erst im Jahr 1952 entstanden, bzw. veröffentlicht wurden. Lag hier doch eine heimliche Drehbuchbeteiligung Guareschis vor, der die Einzelgeschichten dann erst später veröffentlichte? Ich weiß es nicht. Beim dritten Teil, DIE GROSSE SCHLACHT DES DON CAMILLO, war er definitiv am Drehbuch beteiligt.

 

Eine besonders amüsante Nebenhandlung betrifft den in der Inhaltsangabe erwähnten Doktor Spiletti. Der alte Dorfarzt, von Kommunisten und Christdemokarten des Ortes gleichermaßen respektiert, ist ein Schlitzohr, welches Don Camillo gar das Wasser reichen kann. Er überredet einen von Peppones Schergen, ihm seine Seele für eine symbolische Summe von 1.000 Lire zu verkaufen, denn die Seele habe für einen Kommunisten ja eh keine Bedeutung. Der Betroffene wird im Laufe des Films mehrfach wieder auftauchen und sein Unbehagen seine Seele verkauft zu haben, trotz seines zur Schau getragenen Atheismus, ist köstlich. Da schlägt dann wohl die frühe Erziehung im katholischen Umfeld durch.

 

Wieder gibt es Unterschiede zwischen französischer und italienischer Filmfassung und wie schon im ersten Teil betreffen diese ausgerechnet einige von Duviviers schönsten Szenen, welche die italienische Version leider verkürzt. Unter anderem betreffen diese Don Camillos Aufstieg zur Pfarrei von Montenara bei Nacht und Schneegestöber, mit seinem geliebten Kruzifix auf den Schultern. Weiterhin fehlt komplett die Szene, in der sich Spiletti während der Überschwemmung weigert, Brescello zu verlassen und hierfür gar Peppone und seine eignen Verwandten mit dem Gewehr bedroht. Die deutsche Blu-ray enthält die italienische Fassung.

 

Die Einnahmen von DON CAMILLOS RÜCKKEHR blieben mit etwa 1 Milliarde Lire etwas hinter dem Vorgänger zurück. Dennoch war IL RITORNO DI DON CAMILLO der zweiterfolgreichste Film des Jahres in Italien, nach Luigi Comencinis BROT, LIEBE UND FANTASIE (Pane, amore e fantasia, 1953). Die Musik stammte erneut von Alessandro Cicognini, hinter der Kamera war jedoch diesmal Anchise Brizzi (ORSON WELLES‘ OTELLO, FÜR DICH HABE ICH GESÜNDIGT, etc.).

 

In Zusammenhang mit Autor Giovannini Guareschi sei auch mal erwähnt, dass er „mit“ Pier Paolo Pasolini 1963 den Dokumentarfilm LA RABBIA inszenierte. Dieser in zwei Parts unterteilte Dokumentarfilm zeigt Szenen aus den 50er und frühen 60er Jahren, welche einmal aus Sicht eines Linken (Pasolini) und aus der Sicht eines Konservativen (Guareschi) kommentiert werden. Pasolini kritisiert hierbei unter anderem die aggressiven Kolonisationsversuche der Dritten Welt durch westliche Wohlstandsländer und deren eigene verzerrte Sicht auf das eigene Vorgehen. Guareschi vertritt hingegen die Position, dass die Verbreitung jener westlichen christlichen Werte für diese Länder eine Hoffnung darstellen.

 

LA RABBIA’s zweiter Teil entstand ohne Wissen von Pasolini, der den Produzenten für die Anfügung des zweiten Teils scharf kritisierte. Alberto Moravia bescheinigte jenem zweiten Teil gar faschistische Tendenzen. Der Verleiher nahm den Film daraufhin selbst nach wenigen Tagen aus dem Programm. Da hatte der Produzent wohl eine eigene Peppone/Camillo-Situation kreiert, die bei Kritik und Publikum gnadenlos durchfiel. Interessant finde ich, dass Guareschi, bei allem selbstinszenierten christdemokratischen Konservatismus, erstaunlicherweise gerade mit seinen eigenen Leuten nicht selten Ärger bekam. Denn es waren nicht die Kommunisten, die ihn 1952 in den Knast gesteckt haben.

Bitte Kommentar schreiben

Sie kommentieren als Gast.