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God in Heaven... Arizona on Earth

Italien | Spanien, 1972

Originaltitel:

Una bala marcada

Alternativtitel:

Arizona Kid (BRA)

Je signe avec du plomb... Garringo (FRA)

Dio in cielo... Arizona in terra (ITA)

Me firmo con plomo, me llamo Arizona (MEX)

Deus no Céu... Arizona na Terra (PRT)

Arizona on Earth (SWE)

Regisseur:

Juan Bosch

Inhalt

Mit seinem Eintreffen in einer Kleinstadt evoziert der Kopfgeldjäger Arizona auch gleich die Missbilligung seitens einiger schräger Typen und passionierter Schläger. Sie sind die Häscher von Austin Styles, der die alleinige Macht über die Stadt besitzt. Dieses Monopol will der Machtmensch nun auf eine Minengesellschaft übertragen. Zu diesem Zweck bietet sich eine Heirat mit Catherine an, denn Catherines Vater, dereinst von Styles erschossen, war Teilhaber an dem begehrten Bergwerk. Ergo würden nach der Eheschließung die vererbten Anteile auf Austins Konto gutgeschrieben. Arizona interessiert Styles unstrittige Herrschaft herzlich wenig und er lässt sich schon gar nicht von dessen Kettenhunden in die Suppe rotzen. Der Kopfgeldjäger stellt stattdessen postwendend und kraft diverser Faustschläge unmissverständlich klar, bei welchem Bienenzüchter der Geisbock den besten Honig organisiert. Ein derart respektloses wie trotziges Verhalten kann der Tyrann Styles freilich nicht gutheißen und da seine Leute nicht fähig sind Arizona Mundtod zu machen, arrangiert er einen ominösen Fremden, der den aufsässigen Arizona zum Schweigen bringen soll. Ist der Streit zwischen den Kontrahenten Styles und Arizona wirklich Arizonas Gerechtigkeitssinn geschuldet oder liegt der Ursprung in einer denkbar dunklen Vergangenheit?

Review

Nach EINER NACH DEM ANDEREN, OHNE ERBARMEN folgt nun ein weiteres, mit Peter Lee Lawrence besetztes Western-Vehikel: DIO IN CIELO… ARIZONA IN TERRA. Dieser Titel, zu Deutsch GOTT IM HIMMEL… ARIZONA AUF ERDEN, weist auf die mögliche Omnipotenz seines Antihelden hin, der also auf Erden im Stile eines überirdischen Wesens walten und werken könnte? Titelvergaben im Italo-Western reflektieren eher selten den Inhalt des beworbenen Vehikels. Sie sind in diesem Zusammenhang der Bild-Zeitung nicht unähnlich. Was die Headline verspricht, wird vom Inhalt zumeist nicht bestätigt. Denn obgleich der Antiheld seinen Gegnern kognitiv überlegen ist, sein Colt die sechs Strophen des Todes aus dem Effeff beherrscht und seine Fäuste ein triumphales Ständchen trommeln, dass seine Kontrahenten spielend leicht zu Boden wirft, ist er (der Antiheld) entgegen des anmaßenden Filmtitels nicht unverwundbar und primär somit auf seine zuvor erwähnten kognitiven Fähigkeiten angewiesen, um viele Gefährten auf seine Seite zu ziehen und die einhergehende Schlacht gegen den Tyrannen und dessen Gefolgschaft erfolgreich zu schlagen.

 

Auch wenn sich die von Peter Lee Lawrence verkörperte Hauptfigur Arizona nennt, hat diese mit der von Michele Lupo eingeführten und Sergio Martino weitergeführten Figur „Arizona Colt“ nichts zu schaffen. Was zugleich belegt, warum DIO IN CIELO… ARIZONA IN TERRA nicht gemeinsam mit ARIZONA COLT und DER TOD SAGT AMEN eine Arizona-Trilogie begründet. Die OFDb sowie die IMDb zünden übrigens noch ein weiteres Verwirrungsraketchen und schustern PLL den Namen Garringo zu. Ich habe in diesem Zusammenhang noch die italienische Tonspur zurate gezogen - und siehe da, PLL stellt sich bereits in der Anfangsphase als Arizona vor, was ich demgemäß auch so stehen lasse. Darüber hinaus teilte mir die emsige Gialli-Zerstörerin Frau Logik nahezu gleichlaufend mit, dass der Name Garringo höchstwahrscheinlich dem spanischen Dialogbuch verpflichtet ist.

 

Arizonas Filmeintritt wird von einer unheilschwangeren Musik begleitet und der Weg des Prämienjägers führt zu einem Halunken namens Will, der es sich mit einer käuflichen Schönheit im ramponierten Bett gemütlich macht. Es ist wieder mal beeindruckend, dass Will die Zunft der Westernbordellbesucher vortrefflich vertritt und dementsprechend in den obligatorischen rosafarbenen Einteiler mit der durchgehenden Knopfleiste gehüllt ist. Ein im globalen Westernkino stets wiederkehrendes Kleidungsstück, das von den echten Cowboys als Unterwäsche wie Schlafanzug genutzt wurde. Und das zumeist für sehr lange Zeit, denn echte Cowboys waren nicht gerade wohlhabend, badeten nur ganz selten und besaßen normalerweise nur das, was sie am Körper trugen. Damit ist das Geheimnis um den sagenumwobenen Strampelanzug, der in etlichen Western seinen Kurzauftritt hat und jegliche Vorstellungen von einem guten Modegeschmack in die Frühverentung schickt, gelüftet.

 

Konträr zu dieser Feststellung lässt sich das Geheimnis um das (der erwähnten unheilschwangeren Musik folgende) Leitmotiv, dass praktisch jeder IW-Fan kennen und vermutlich vor dem Einschlafen (im rosafarbenen Einteiler oder auch nicht) vor sich hin summen wird, nicht lüften. Ich kann nämlich nicht eruieren, warum jene von Bruno Nicolai komponierte Tondichtung in gleich drei zwischen 1970 und 1972 entstandenen Western (DIO IN CIELO… ARIZONA IN TERRA, KARATE JACK aka DER MANN MIT DER KUGELPEITSCHE und SARTANA – NOCH WARM UND SCHON SAND DRAUF) eingesetzt wird. Die nahe liegende Begründung, dass es sich jeweils um dasselbe Produzententeam handelt, ist jedenfalls nicht zutreffend. Aber das soll uns jetzt auch nicht weiter interessieren, sodass ich nun zur Tagesordnung übergehen kann.

 

DIO IN CIELO… ARIZONA IN TERRA ist einer von insgesamt 17 Western in denen Peter Lee Lawrence mitgewirkt hat. Der Film wurde wie PREY FOR VULTURES (1972) fertig gestellt. PLL, einst 28 Jahre jung, macht in der Rolle des Kopfgeldjägers Arizona eine gute Figur. Arizona ist nicht auf den Mund gefallen und läuft aufgrund seiner Cleverness erst recht nicht Gefahr auf die symbolische Schnauze zu fallen. Er gibt, wie eingangs angerissen, einen raffinierten Revolverhelden wie Kopfgeldjäger, der obendrein eine offene Rechung, die wie in den meisten Fällen durch Verlust aufgerufen wurde, begleichen will. Unterdessen zieht PLL keine Ein-Mann-Show ab, da auch die weiteren Darsteller prächtig auf die Pauke kloppen. So haben mir seine Gegenspieler Frank Braña als Austin Styles sowie Carlo Gaddi als Jim Towers (ein schwarz gekleideter Profikiller, der Milch trinkt und dem Antihelden schon mal aus der Patsche hilft) gut in ihren Rollen gefallen. Auch die femininen Parts sind mit den charismatischen Mädels Dada Gallotti und Maria Pia Conte in der Rolle von Nora Stevens respektive Catherine gut besetzt, auf dass die beidseitige Eifersucht erfolgreich zu einem nicht unerheblichen Filmbestandteil reifen kann.

 

Hinlänglich der Fotografie kann ich auch nichts Negatives registrieren wie berichten. So wird beispielsweise ein Pistolenduell aus mehreren Blickwinkeln präsentiert und dem Zuschauer als induzierte Bewegung vermittelt. Zudem wurden die vornehmlich in der Einstellung Halbnah fotografierten Prügeleien einer für den IW typischen, rasanten Montage, die ebenso rasante Zooms inkludiert, unterzogen.

 

Styles dicide, chi deve morire!

(Styles)

 

Italienische Antihelden wie amerikanische Helden die als Fremde in eine Westernstadt eintreten und Kontakte wie Informationen suchen, führt ihr Weg häufig zu den stadtbekannten Narren oder Trunkenbolden. Schauen Sie sich zum Abgleich den vierten und fünften Sartana-Film oder EIN FREMDER OHNE NAMEN an. Als Arizonas Ansprechpartner fungiert die Schnapsdrossel Duffy, der Onkel von Catherine, Styles angehender Lebensgefährtin. Duffy hat Arizona einiges zu berichten und der Bounty Hunter ist alsbald bestens mit der Gesamtlage vertraut, um zu taktieren und Styles Schreckensherrschaft womöglich zu beenden. Styles, der Mann, der entscheidet, wer stirbt! Womit das eben angeführte Zitat auch seine erforderliche Übersetzung erhält.

 

In diesem Kontext, also im Kontext der Tyrannei, möchte ich noch eine Szene ansprechen, in der die Farmer (die Arizona zum Aufstand mobilisieren konnte) Firmenschilder und Weidezäune, ergo alles was mit Styles zu schaffen hat, niederreißen. Hier lässt sich eine Parallele zum Ende des NS-Regimes lesen. Die Sieger demontierten dereinst die Versatzstücke und die Symbole der Nazis. Denn als Hitlers Macht verging, verging auch das Regime und nichts sollte davon erhalten bleiben.

 

 

Fazit: Manche loben den Tag vor dem Abend, andere haben den Abend hingegen gänzlich ausgeknipst. Was ich damit sagen will: Es lassen sich auch in den 1970ern - inmitten „humoresker“ IW-Totalausfälle - einige Perlen ausmachen. Freilich kann DIO IN CIELO… ARIZONA IN TERRA nicht mit Hausnummern wie beispielsweise KEOMA oder MANNAJA konkurrieren, aber Boschs Inszenierung konnte mich trotzdem bestens unterhalten. Denn geliefert werden eine ordentliche Story, einige interessante Bildkompositionen, charismatische Ladies, ein fieser Bösewicht, ein cooler Berufskiller sowie ein ebenso cooler Peter Lee Lawrence. Und somit posaune ich die alterprobte Abschlussfloskel raus:

 

Genrefans können hier absolut nichts verkehrt machen.

 


PS: Ich bin mir übrigens sicher, dass Sie mir - wenn ich Ihnen eine Liste mit den Darstellern vorlege - umgehend beantworten können, wer in DIO IN CIELO… ARIZONA IN TERRA den Sheriff gibt. Der Gesuchte hatte sozusagen ein Sheriff-Abo, denn er war Sheriff Simpson, Sheriff Luke, Sheriff Appleton, Sheriff Laughton…

Veröffentlichungen

DIO IN CIELO… ARIZONA IN TERRA ist weder in West- wie Ostdeutschland veröffentlicht geschweige denn im TV ausgestrahlt worden. Den Gringos und Compañeros die keine Fankontakte besitzen und trotzdem ihren IW-Horizont erweitern wollen, wird diese Chance in Form einer italienischen (Titel: DIO IN CIELO… ARIZONA IN TERRA) sowie einer spanischen (Titel: UNA BALA MARCADA) DVD-Veröffentlichung geboten.

Links

OFDb

IMDb

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