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Einer nach dem anderen, ohne Erbarmen

Italien | Spanien, 1968

Originaltitel:

Uno a uno, sin piedad

Alternativtitel:

La salvaje venganza de Gringo (ARG)

Matarei Um Por Um (BRA)

Dios del cielo, acoge a todos (ESP)

Tuez-les tous sans pitié (FRA)

Ad uno ad uno... spietatamente (ITA)

Um a Um Sem Piedade (PRT)

One by One

Inhalt

Als Bill Grayson in einem kleinen Westernstädtchen eintrifft, verschlägt es ihn postwendend dahin, wo im Western nahezu jeder Neuankömmling aufschlägt, der etwas erfahren, sich mitteilen oder einfach nur auf die Pauke hauen will, in den ortsansässigen Saloon. Dort wo mit Wonne gelogen, geprahlt, geboxt und gesoffen wird, posaunt Bill aus voller Kehle, dass er der Sprössling von Colonel Greyson ist. Schlagartig verstummt der Saloon und die Floskel von der purzelnden Stecknadel pocht energisch auf ihr dramaturgisches Recht augenblicklich zitiert zu werden. Doch Stille wie kollektives Erstaunen legen sich ebenso schnell wie sie emporstiegen und erfahren ihre Ablösung durch einen unbändigen Zorn, der Bills Milchgesicht mit dem ein oder anderen kräftigen Faustschlag Bekanntschaft schließen lässt. Der Grund der nonverbalen Kommunikation bzw. der Grund für den urplötzlichen Gewaltausbruch: Colonel Greyson, der mittlerweile verstorben ist, steht unter dem dringenden Verdacht das kostbare Edelmetall eines Goldtransports veruntreut und seine begleitenden vier Kameraden ermordet zu haben. Bill mag sich mit dieser Geschichte freilich nicht anfreunden und will nun gemeinsam mit dem Mexikaner Charro die Wahrheit ergründen. Schnell entdeckt das Ermittlerteam, dass sich die angeblich ermordeten Transportbegleiter bester Gesundheit erfreuen und ihren gesellschaftlichen Ruf deutlich aufpoliert haben. Wurde Colonel Greyson das Opfer einer hundsgemeinen Verschwörung?

Review

EINER NACH DEM ANDEREN, OHNE ERBARMEN ist ein weiterer Western von Rafael Romero Marchent, der nicht in den Ost- wie Westdeutschen Kino- und späteren Video-Verleih aufgenommen wurde. Der Film entstand nach Marchents großartigen TWO CROSSES AT DANGER PASS. Da TWO CROSSES die Messlatte in hohen Regionen positioniert, war mir bereits vor der Sichtung klar, dass EINER NACH DEM ANDEREN, OHNE ERBARMEN nicht mit Marchents Glanzstück konkurrieren kann. In diesem Kontext kann einzig GARRINGO – DER HENKER ins Rennen geschickt werden. Ein mit Peter Lee Lawrence besetztes Vehikel, das wie TWO CROSSES die Psychologisierung des Antihelden in seine Gestaltung einbringt.

 

Der innert EINER NACH DEM ANDEREN, OHNE ERBARMEN agierende Hauptcharakter, Bill Grayson, ist ebenfalls mit Peter Lee Lawrence besetzt. Dereinst 24 Lenze jung und über die Jahre in drei RRM-Western aktiv. Ein per Postkutsche einreisender Antiheld, der mittels seines feinen Zwirns und seines Milchgesichts einige Fehlinterpretationen sowie Ärger, Ärger und nochmals Ärger evoziert.

 

Die gemeinsame Ankunft lässt uns zwar nicht den Namen der Ortschaft, aber kraft der anschließend in Erscheinung tretenden, trinkfesten wie schmerzfreien Saloonbesucher einiges über die Epoche, in der sich der Film ansiedelt, erfahren. Ergo befördert uns unsere heimische Zeitmaschine in das im Italo-Western gern zitierte Jahr 1868. Drei Jahre nachdem der Sezessionskrieg vom Winde verweht wurde und die Zivilisierung ein boomendes Comeback feierte. In dem umrissenen historischen Rahmen stellt uns Marchent den Marktschreier der Eisenbahngesellschaft vor, der die Farmer dazu bewegen will oder muss, dass sie benötigte Landwirtschaftsgeräte ausschließlich bei der „Iron Company“ (mit großer Wahrscheinlichkeit eine Zweigstelle der Eisenbahngesellschaft) erwerben. Vor der Saloontür baumelt ein Gesetzesbrecher und PLL bekommt, nachdem er sich als Colonel Greysons Sohn zu erkennen gab, postwendend und ausgiebig die Schnauze. Gleich hier sticht das erste Filmmanko heraus, nämlich die mit der Prügelei einhergehende Slapstickmusik. Auch wenn Bill mit seinem Gebaren respektive seinen gekünstelten Boxerstellungen einige Lacher provoziert, halte ich die musikalische Begleitung für deplatziert. Hierfür trägt übrigens nicht die DEFA, die den Film in den 1980ern fürs Fernsehen synchronisierte, sondern ein italienisches Tonstudio die Verantwortung oder besser gesagt die Schuld, da ein solcher Musiktransfer innerhalb eines ernsthaft konstruierten IW m. E. nichts verloren und demgemäß auch nichts zu suchen hat. Denn mittels dieser Methode wird der Rezipient auf abseitige Bahnen manövriert, die ihn vorübergehend aus dem Thema oder - wie in diesem speziellen Fall - aus der Exposition herausreißen.

 

Die Filmhandlung definiert sich im Wesentlichen über Suche und Ermittlung. Die Suche nach den Mördern und die Ermittlung des Tathergangs. Zu diesem Gespann gesellen sich Racheambitionen sowie die intendierte Aufhellung des Geheimnisses um Colonel Greyson und der damit gekoppelte Verbleib der Kriegskasse, das polyvalent begehrte Gold.

 

Die dazu benötigten Infos werden uns nach und nach gesteckt, die vier gesuchten Mörder wie Diebe jedoch uns nur sporadisch vorgestellt. Mit Jacques Latour (gespielt von Charlie Chaplins Sohn Sydney) begegnet uns beispielsweise ein suspekter wie gesinnungsloser Bankier, der mehr Spielzeit verdient hätte, da er gute Vorraussetzungen für den zentralisierten Bösewicht liefert. Aber warum eine gut gewürzte Currywurst genüsslich verzehren, wenn eine halbgare Extrawurst dito ungeduldig darauf wartet, vertilgt zu werden? Der Film gibt einfach zu wenig über seine Schufte preis und bietet im Gegenzug einfach zu viele unausgegoren wirkende set-pieces. Ergo mag auch keine wirkliche Spannung aufkommen und die gesuchten Galgenstricke wirken wässrig und ohne Leben, als seien sie die Produkte der ersten Fingerfertigkeitsübungen von zwei linken Händen.

 

Die mit der Aufhellung des Geheimnisses (das schnell gelüftet wird) verbundene Architektur eines Kriminalfilms hinterlässt in Marchents Konstruktionsplänen notabene kein pompöses Bild und weißt nach der Fertigstellung des Konstrukts gar deutliche Risse im Mauerwerk auf. Somit verschenkt der Film mittels der bereits kritisierten Vielzahl von set-pieces sowie den flankierenden Sprüngen von einem zum nächsten Bösewicht das Potential, welches in der Vorgeschichte steckt und eigentlich darauf wartet, sich zu entfalten und mit dem weiteren Handlungsverlauf zu verbünden.

 

 

Fazit: EINER NACH DEM ANDEREN, OHNE ERBARMEN legt gut los und lässt eine gelungene Genremixtur aus Western und Kriminalfilm erhoffen. Aufgrund seiner halbherzigen Herangehensweise und der ebenso halbherzigen Vorstellung der Goldräuber können die Anforderungen der zweiten Sparte nicht wirklich erfüllt werden. Lässt man jedoch Toleranz walten und schaut über dieses Manko hinweg, bleibt dank seiner ordentlichen Fotografie wie Montage ein trotzdem noch durchschnittlicher IW, der vornehmlich von dem etwas an ZWEI GLORREICHE HALUNKEN angelehnten Zusammenspiel (Vergleich gibt es keine, denn die Bekanntgabe würde Sie Ihrer Entdeckungsreise berauben) seiner beiden Hauptcharaktere profitiert.

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