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Zwei durch dick und dünn

Deutschland | Italien, 1975

Originaltitel:

Che botte ragazzi!

Alternativtitel:

Shangai Joe no Território Inimigo (BRA)

El Regreso de Shangai Joe (ESP)

Return of Shanghai Joe

Deutsche Erstaufführung:

27. Mai 1977

Regisseur:

Bitto Albertini

Inhalt

Das kleine Städtchen Glenwood, nahe der mexikanischen Grenze, wird von Angst und Schrecken heimgesucht, da die Bevölkerung von dem skrupellosen Großgrundbesitzer Barnes (Klaus Kinski) unterjocht wird. Plötzlichen Gegenwind bekommt er von dem unbestechlichen Richter Finney (Tom Felleghy) sowie den beiden Freunden Shanghai Joe (Chen Lie) und Bill Cannon (Tommy Polgár), die den Bewohnern helfen wollen, sich zur Wehr gegen das Ausbeutertum zu setzen, zumal sie vor nicht allzu langer Zeit auf ein Ölvorkommen gestoßen sind. Um die Einwohner Glenwoods zu vertreiben, werden drastische Mittel wie Mordanschläge verübt. Werden die beiden Kumpanen die Stadt von der Tyrannei befreien können..?

Autor

Prisma

Review

Bei Bitto Albertinis ZWEI DURCH DICK UND DÜNN handelt es sich um eine Italowestern-Spätlese mit Eastern-Anleihen, die in der Bundesrepublik im Jahr 1977 uraufgeführt wurde. Die Tatsache, dass dieses bereits 1974 hergestellte Hybrid mehrere Jahre auf Eis gelegen hat, gibt Aufschluss darüber, auf welche qualitative Ebene man sich hier einstellen darf. Regisseur Albertinis Expertise beschränkte sich seinerzeit auf das Inszenieren billiger Massenware, innerhalb derer sich viel Genre-Zuschnitt aufspüren lässt. Da sich die glorreichen Zeiten des Spaghettiwestern langsam aber sicher dem Ende zuneigten, waren vermehrt Filme zu finden, die mit einem komödiantischen Einschlag versehen wurden, was aufgrund zahlreicher Erfolge anderer Produktionen verständlich ist. Doch auch hier gibt es massenhaft Beiträge, die sowohl thematisch als auch inszenatorisch nicht annähernd an das Niveau ihrer großen und kleinen Vorbilder heran reichen, und schlussendlich genauso aussehen, wie ZWEI DURCH DICK UND DÜNN. Im Grunde genommen versucht die Produktion in gewollt aber nicht gekonnter Manier auf Algorithmen abzuzielen, die so viele treue und nicht zu erschreckende Zuschauer rekrutieren soll, was bei diesem Angebot allerdings vollkommen misslingt, da sich hier kaum Lichtblicke ausfindig machen lassen. Unter Adalberto Albertini erlebt man das nicht seltene Phänomen, dass ein Film serviert wird, der in kurzen Intervallen plötzlich alles Mögliche sein möchte: Western, Eastern, Komödie, Persiflage, Klamauk, Posse, Slapstick, vielleicht sogar Drama und im Mindesten aber leichte Unterhaltung.

 

Für den rätselhafterweise interessierten Zuschauer wird es in absehbarster Zeit sichtlich schwer, dieses Konglomerat inszenatorischer Holprigkeit zu ordnen, sodass es aller Wahrscheinlichkeit zu einem schnellen Abwinken oder sogar Abschalten kommt. Die Frage, ob die komplette Angelegenheit nicht doch gezieltere Blicke verdient hat, wird in den wenigen gelungenen Momenten beinahe rhetorisch, bis sich die tatsächliche hässliche Fratze einer buchstäblichen Billig-Produktion wieder hervorhebt. Es kommt zu diversen Auflockerungsversuchen im Rahmen der Dialoge, doch man wird schwerlich einen flotten Spruch finden, der zündet. So bleibt die essentielle Situationskomik beinahe vollkommen aus, was überaus fatal ist, da man die gelungenen Fragmente der Geschichte somit kaum noch wahrnimmt. Doch was ist unter Albertinis Regie eigentlich gelungen, oder sollte man gleich Shakespeare zitieren? Mit Schweigen hat der Verlauf faktisch wenig zu tun, da er geschwätzig und ungenügend dosiert wirkt. Ein paar nette Szenen entstehen vor allem mit Hauptdarsteller Tommy Polgár als Bill Cannon, dem man sicherlich viel mehr verzeihen würde, wenn er nicht so offensichtlich zu einem Bud-Spencer-Verschnitt degradiert würde. Der Schauspieler ist hier in seinem erst vierten Film zu sehen, was sich bei einem Blick auf seine Filmografie allerdings schnell relativiert, da er zwischen 1971 und 1979 nur neun Auftritte als Darsteller zu verzeichnen hat. In der Zwischenzeit fallen immer wieder ein paar extravagante Kamera-Perspektiven auf, die für ein wenig Dynamik sorgen können.

 

Auch ein paar Choreografien oder Prügeleien etablieren sich als annehmbar, wenngleich man von keiner Tendenz sprechen kann, denn dafür lässt sich auf der anderen Seite zu viel Statik finden, und ein globales Verweigern, wenigstens Durchschnitt produzieren zu wollen. Für diese Produktion gab es bajuwarisches Klimpergeld der Divina Film, was erfreulicherweise die Mitwirkung zweier deutscher Stars bescherte, doch wenn man ganz ehrlich ist, kann von richtiger Freude keine Rede sein. Dies bezieht sich vor allem auf einen dem Empfinden nach nur physisch anwesenden Klaus Kinski, der ein Programm im Halbschlaf abspult, welches keinen Erinnerungs- beziehungsweise Mehrwert mit sich bringt. Von ihm geht weder die gewünschte Vehemenz noch die anvisierte Bedrohlichkeit aus, was gerade bei ihm sehr schade ist, schließlich konnte er im Handumdrehen für Szenen sorgen, die ein derartiger Film braucht, wie der Hirsch das Wasser. Derartige Patzer kann sich dieser Beitrag eigentlich nicht erlauben, zumal es in dieser Manier munter weitergeht. Als Shanghai Joe ist Chen Lie, Cheen Lie oder Wayne in seinem cineastischen Gastspiel zu sehen, aber nicht zu begreifen. So sorgt Choreo-Joe zwischenzeitlich für einige akrobatische Einlagen und schnelle Fäuste, allerdings ist das Ganze nicht besonders leidenschaftlich dargeboten oder gar gut gespielt, sodass sich dieser ausgewiesene Sympathieträger in die Bedeutungslosigkeit verabschiedet. Eine guten Eindruck hinterlässt wie gewöhnlich Abo-Darsteller Tom Felleghy als Richter Finney, der die Gerechtigkeit patent und nachdrücklich im Visier hat, was ihn bei Gangstern aller Art unbeliebt macht.

 

Als seine Tochter Carol ist Karin Field in einem ihrer bereits letzten Filme mit von der Partie, was eigentlich pauschal eine Festivität darstellt, wenn man von der schwachen Konturierung dieser Rolle einmal absehen möchte. Da ein Karin-Field-Film stets ein guter Film zu sein hat, kommt es aus rein persönlicher Sicht vielleicht nicht zu dem vollkommen desaströsen Urteil, das dieses letztlich schwer bekömmliche Western-Gebräu vielleicht verdient hätte, aber es bleibt auch keine Möglichkeit für irgendwelche Lobpreisungen, denn dafür ist das Meiste hier hoffnungslos aus dem Ruder gelaufen. Es fehlt an Ambition und wichtigen Grundvoraussetzungen, die Filme des Genres zu Hinguckern haben werden lassen. Schlussendlich wäre eine thematisch ernsthaftere Abhandlung sicherlich wünschenswert gewesen, alleine schon, um etwas mehr aus den Bösewichten heraus zu kitzeln, die phasenweise eigenartig stumpfsinnig agieren und lahm wirken. Nur als Klaus Kinski die arme Karin Field in die Fänge bekommt, ist etwas von seiner zumindest üblichen Freakshow zu spüren, denn es wirkt tatsächlich so, als wolle er Field eine Glatze verpassen. So bleiben lediglich ein paar gute Momente, die man in anderen (durchschnittlichen) Beiträgen aber zuhauf finden kann, sodass dieser Vertreter zurecht als vergessenswürdig eingestuft werden darf. Bitto Albertini setzt insgesamt gesehen keine neuen Akzente, gefällt sich darin, in inszenatorischer Starre zu verweilen und scheitert insgesamt kläglich am kleinen Western-ABC, was nach so vielen Vorbildern schon eine Leitung ist.

Autor

Prisma

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