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Toto in Color

Italien, 1952

Originaltitel:

Totò a colori

Alternativtitel:

Totó a Cores (PRT)

Тото в цвете (RUS)

Toto w kolorze (POL)

Regisseur:

Steno

Inhalt

Komponist Antonio Scannagatti (Totò) hält sich für ein musikalisches Genie, doch er lebt bei seiner Schwester und seinem Schwager in dem kleinen Dorf Caianello auf Kosten seine Familie. Allerdings kostet er sie nicht nur Geld, sondern auch viel Nerven.

 

Anlässlich der Ausweisung des amerikanischen Mafiosi Joe Pellechia (Bruno Corelli) aus den USA, will sein Heimatdorf Caianello ein Fest für diesen ausrichten, doch der Kapellmeister erleidet einen Schlaganfall, woraufhin Antonio für ihn einspringt, obwohl dies unter seiner Würde ist. Man trickst ihn jedoch aus, indem der Neffe des Bürgermeisters ihm verspricht, ihn dem berühmten Klassik-Musikverleger Tiscordi (Luigi Pavese) zu empfehlen. Das Fest endet in einem Fiasko.

 

Das hält Antonio freilich nicht davon ab, gemachte Versprechen einzufordern. Er reist dem Neffen des Bürgermeisters und dessen Verlobter Poppy (Fulvia Franco) nach Capri hinterher, wo diese ihm vorgaukeln, eine Verabredung zwischen Antonio und Tiscordi in Mailand, dem Sitz des Musikverlages und der Scala, arrangiert zu haben.

 

Antonio reist mit dem Schlafwagen von Neapel nach Mailand, wo er sich ein Abteil mit dem Abgeordneten Trombetta (Mario Castellani) teilt. Es kommt zu einem ausgedehnten Disput zwischen den beiden, bis sie von einer Dame unterbrochen werden, die sie um Unterschlupf bittet, nur um sie anschließend zu bestehlen.

 

In Mailand angekommen, sucht Antonio den nichtsahnenden Tiscordi auf. Jener wartet eigentlich auf eine männliche Krankenschwester, die ihm eine Spritze in den Hintern geben soll. So ist Antonio nicht wenig verwundert, als der Verleger, der ihm nach seinem Glauben eine Chance als Komponist und Dirigent geben soll, ihm als vermeintliche Gegenleistung sein Hinterteil offeriert.

Review

TOTÒ A COLORI war nicht der erste italienische Spielfilm in Farbe, wie man desöfteren zu lesen bekommt, aber der erste Film mit Schauspielern gedreht im heimischen Ferraniacolor. Neben Carlo Ponti, Dino de Laurentiis und Giovanni Amati beteiligte sich die Firma FILM Ferrania auch an den Herstellungskosten. Diese Premiere brachte einige Probleme mit sich.

 

Auch für Regisseur Steno (Stefano Vanzina) war es eine Premiere, denn erstmals drehte er einen eigenen Film ohne die Teamarbeit mit Mario Monicelli. Da er mit der neuen Farbtechnik alle Hände voll zu tun hatte, räumte er später ein, die Regie der Darsteller weitgehend Hauptdarsteller Totò überlassen zu haben. Obwohl während der Dreharbeiten Berater von Ferrania vor Ort waren, erwies es sich als schwierig, deren Anweisungen zu befolgen. Die Arbeit mit dieser neuen, auf AGFA-Technik basierenden Art von Film erforderte viel Licht und aus heißen Schweinwerfern und blendenden Reflektoren. Totò hatte große Probleme mit seinem ohnehin geschädigten linken Auge und musste gegen Ohnmachten ankämpfen.

 

Doch es gab einen Plan B, falls das Drehen in Farbe scheiterte, nämlich alles nochmal in s/w zu filmen. Doch das erwies sich nicht als nötig. Da die Crew weniger Licht verwendete als nötig gewesen wäre, erschien auf dem fertigen Film ein seltsamer Bühnen-Effekt, der sich angesichts des Inhalts als nicht unpassend erwies. Das Drehbuch von Steno, Monicelli, Age & Acapelli verband klassische Sketche von Totò, die dieser bereits im Theater oder in früheren Filmen gespielt hatte. Zu dieser Mischung aus Vaudeville und Commedia dell’arte passte der entstandene Look ausgezeichnet.

 

Totò wurde komplett von der Leine gelassen, denn wie gesagt war Steno anderweitig ausgelastet. Der Film kann mit einer Reihe von amüsanten Kabinettstückchen aufwarten, die bisweilen erstaunlich schlüpfrig sind. Vor Ort bastelte Totò seine Set-Pieces um, wurde lediglich von gelegentlicher Zensur dabei ausgebremst. So wurde es ihm nicht gestattet, die Sequenz im Schlafwagen damit zu beenden, wie er den Abgeordneten (nach dessen Gepäck und Schuhen) aus dem Zugfenster wirft. Insbesondere diese herrliche Schlafwagensequenz ist ausgesprochen lang und mit nicht wenig schlüpfrigem Dialog ausgestattet. Der Name des Abgeordneten, Trombetta, veranlasst Totò zu einer Reihe von Wortspielen über kleine Trompeten und über Trombettas Schwester, die wohl Trompeten und Posaunen in den Mund nimmt, wie er selbst es häufig im Krieg gesehen habe - in einem Film von 1952! In dieser Sequenz hat auch Stenos Regie-Assistenz Lucio Fulci ein Cameo, der sich aus dem Nachbarabteil über den Lärm der Beiden beschwert. Manchmal stockt einem angesichts der Art des Humors der Atem. Ein komödiantisch dargestellter Schlaganfall? Nicht jedermanns Geschmack.

 

TOTÒ A COLORI erfreute sich in Italien großer Beliebtheit, doch Zuschauer von heute seien gewarnt. Wer mit dieser Art von Komödie nicht vertraut ist oder wenig damit anfangen kann, für den wird es anstrengend. Ich selbst hatte Spaß, erlebte aber auch Momente, wo ich dachte, okay es reicht, jetzt kann die nächste Szene kommen. Dennoch – ein wichtiger Film für die Historie des italienischen Films, weshalb er auch in die „100 film italiani da salvare“ schaffte. Aber ehrlich, Steno hat bessere Komödien gemacht und Totò ebenso.

Links

OFDb

IMDb

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