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Totò, Fabrizi und die Jugend von heute

Italien, 1960

Originaltitel:

Totò, Fabrizi e i giovani d'oggi

Alternativtitel:

Totó, Fabrizi y los jóvenes de hoy (ESP)

Regisseur:

Mario Mattoli

Inhalt

Der Architekturstudent Carlo D’Amore (Geronimo Meynier) und die angehende Übersetzerin Gabriella Cocozza (Christine Kaufmann) lieben sich, haben sich verlobt und wollen heiraten. Nun ist nur noch eines zu tun: es den Eltern beizubringen. Das gestaltet sich schwieriger als gedacht. Denn die Väter der Beiden, der Beamte Giuseppe D’Amore (Aldo Fabrizio) und der Pasticciere Antonio Cocozza (Totò), sind Sturköpfe, die sich von Beginn an nur streiten. Außerdem wird Cocozza den Gedanken nicht los, dass er diesem Giuseppe D’Amore irgendwo schon einmal begegnet ist.

Review

TOTÒ, FABRIZI UND DIE JUGEND VON HEUTE ist ein weiteres erfolgreiches Team-up des Komikers Totò mit dem Schwergewicht Aldo Fabrizi, diesmal unter der Regie von Mario Mattoli. Bereits in RÄUBER UND GENDARM (Guardie e ladri, 1951) und in I TARTASSATI (1959) standen sich die zwei als unnachgiebige Sturköpfe gegenüber, und dieses Konzept setzt man in TOTÒ, FABRIZI UND DIE JUGEND VON HEUTE nach einem Drehbuch von Franco Castellano und Giuseppe Moccia (Castellano e Pipolo) fort.

 

Der Film erzählt eine Geschichte, mit der sich nicht nur Zuschauer der damaligen Zeit identifizieren können. Ein junges Paar will heiraten, die Eltern werden informiert…und beginnen zu streiten. Um Kosten, Termine, gesellschaftliche Standesunterschiede, etc. TOTÒ, FABRIZI UND DIE JUGEND VON HEUTE geht dabei einen interessanten Weg, denn am Ende wird geschehen, was geschehen wird, und die streitlustigen Väter bleiben schließlich außen vor. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg, und der ist gepflastert mit amüsanten Momenten.

 

Nicht nur der Zuschauer durfte sich amüsieren. Beim Ansehen des Films fallen ein paar hastig beendete Einstellungen auf. Hier handelt es sich diesmal weder um Zensur noch um Rollenrisse, sondern um Szenen, die man abrupt abbrechen musste, weil Darsteller in Gelächter ausbrachen, vornehmlich Aldo Fabrizi. Die Inszenierung ist leichtfüßig, ein Familienfilm, und damit unterliegt er im Vergleich mit den zuvor genannten Totò/Fabrizi Team-ups.

 

Zu den amüsantesten Szenen gehört ein Moment mit Aldo Fabrizi und seiner Film-Frau Rina Morelli. Sie liest ihm einen vermeintlichen Brief des Sohnes vor, der sich über die unglückliche Situation und seinen hartherzigen Vater auslässt und droht, mit seiner Verlobten durchzubrennen. Wütend springt Giuseppe D’Amore auf, stürmt ins Arbeitszimmer seines ahnungslosen Sohnes, um diesen heftig zu ohrfeigen. Allerdings hat er dabei vergessen, dass er selbst es war, der besagten Brief einst über seinen eigenen Vater geschrieben hat.

 

Der Film ist recht prominent besetzt. Neben den beiden Komikern in den Hauptrollen, wird etwa Teresa D’Amore, die Mutter des angehenden Bräutigams, von Rina Morelli verkörpert, die auf einige Visconti-Erfahrung zurückblicken kann. So war sie in SEHNSUCHT (Senso, 1954), DER LEOPARD (Il Gattopardo, 1964) und in ihrer letzten Rolle in DIE UNSCHULD (L’Innocente, 1976) zu sehen, bevor sie im Juli 1976 im Alter von 67 Jahren verstarb. Die Mutter der Braut, Matilde Cocozza, wird von Franca Marzi dargestellt, bekannt aus Roberto Bianchi Monteros THE ISLAND MONSTER (Il mostro dell'isola, 1954) oder Federico Fellinis DIE NÄCHTE DER CABIRIA (Le notti di Cabiria, 1957).

 

Die Rollen des angehenden Brautpaars gingen an Geronimo Meynier, der nur eine kurze Filmkarriere aufweisen kann und an Christine Kaufmann. Meynier spielte in 18 Filmen mit, letztmalig in Riccardo Fredas Romeo & Julia-Adaption LIEBE IN VERONA (Romeo e Giulietta, 1964). Er galt als einer der vielversprechendsten Jungdarsteller seiner Zeit, warum er seine Filmkarriere dann aber so früh beendete, ist nicht bekannt. Er verstarb am 23. Januar 2021 im Alter von 79 Jahren an den Folgen von Covid-19.

 

Christine Kaufmann wiederum hatte 1959 ihre Zelte vorübergehend nach Italien verlegt, wo sie etwa in Mario Camerinis JUNGE LEUTE VON HEUTE (Primo amore, 1959, auch mit Geronimo Meynier), Camillo Mastrocinques VACANZE D'INVERNO (1959) und natürlich in DIE LETZTEN TAGE VON POMPEJI (Gli ultimi giorni di Pompei, 1959) von Mario Bonnard zu sehen war.

 

Wie in den meisten Totò-Filmen gibt es Anspielungen auf zeitgenössische Ereignisse. So etwa die Vergabe von Wohnungen in Neubauten ausschließlich an Familien von Staatsbediensteten, sowie das Geklüngel zwischen Behördenmitarbeitern mit örtlichen Unternehmern. Wobei die Küchlein Cocozzas, die dieser für die gesamte Behörde mit bulgarischen Eiern zubereitet hat, niemandem bekommen werden. TOTÒ, FABRIZI UND DIE JUGEND VON HEUTE soll außerdem der einzige Film sein, in dem man die Originalstimme von Carlo Pisacane hört. Im Finale, wenn die Väter des Brautpaars im Taxi ihre verwechselten Tuxedos tauschen, ist Totòs langjähriges Double Dino Valdi als Taxifahrer zu sehen.

 

Ein schöner Film, seichte Nachmittagsunterhaltung.

Links

OFDb

IMDb

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