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Die Schlacht der Centurions

Italien, 1984

Originaltitel:

I guerrieri dell'anno 2072

Alternativtitel:

Roma, año 2072 D.C.: los gladiadores (ESP)

Rome 2033 - The Fighter Centurions (GBR)

The New Gladiators (USA)

Deutsche Erstaufführung:

10. Februar 1982

Regisseur:

Lucio Fulci

Inhalt

Rom, A. D. 2072: TV-Programmdirektor Cortez (Claudio Cassinelli) will der Konkurrenz die hohen Einschaltquoten streitig machen, indem er futuristische Gladiatorenkämpfe inszeniert. Alles was ihm fehlt ist ein Held fürs Publikum. Als der Heroe des Konkurrenzsenders, Drake (Jared Martin), wegen Mordes verurteilt wird, steckt Cortez ihn mit anderen Gewalttätern zusammen, die in seiner Show gegeneinander kämpfen sollen. Dem Sieger winkt die Freiheit, den Verlierern nur der Tod.

Review

Über Lucio Fulcis DIE SCHLACHT DER CENTURIONS wollte ich schon lange schreiben, und nun, da es erste Blu-ray Veröffentlichungen in Frankreich und den USA gab, ist eine schöne Gelegenheit. Dabei bereue ich es schon jetzt, denn das Ansehen des Films macht deutlich mehr Spaß als über ihn zu schreiben, denn die Defizite sind groß.

 

Im Kino war DIE SCHLACHT DER CENTURIONS mit Sicherheit ein Knaller. Auch auf VHS – unter Berücksichtigung vergangener Sehgewohnheiten - konnte er überzeugen. In hoher Auflösung wird es schwierig, und da ist dieses Problem, das ich mit verschenktem Potenzial habe. Der Film hätte so viel mehr werden können, mit etwas mehr Budget und einer weniger verquasten Story. Was die Gladiatorenkämpfe betrifft, so wäre dann sicher mehr drin gewesen als alle Action – und davon gibt es nicht wirklich viel – nur auf Motorrädern stattfinden zu lassen, die nachlässig mit wackelndem Blech beklebt wurden.

 

Als wären die Urheberrechtsquellen nicht schon kompliziert genug, folgte dem Werk dann noch ein Streit zwischen den Drehbuchautoren Dardano Sacchetti und Elisa Briganti, sowie auf der Gegenseite Lucio Fulci und Cesare Frugoni. Es ging wohl darum, wer was erfunden hat, und nennen wir es beim Namen, der eigentliche Erfinder hieß Robert Sheckley. Also viel Streit um Nichts. Zudem könnte man die Streiterei endlos fortsetzen mit ENDGAME (1983), RUNNING MAN (weniger das Buch von 1982, mehr der Film von 1987), etc. Auch ein bisschen ROLLERBALL (1975) und A CLOCKWORK ORANGE (1971) sind in Fulcis Film zu finden. Das soll Zuschauer der Gegenwart aber nicht interessieren, das verdirbt nur den Spaß.

 

Grund für die vielen Elemente, aus denen dieser Film zusammengesetzt ist, waren zahlreiche Drehbuchänderungen. Die Grundidee stammte wohl tatsächlich von ROLLERBALL. In Dardano Sacchettis erstem Drehbuch ging es wohl vordergründig um die Gladiatorenkämpfe, welche finanziert und ausgerichtet von Werbefirmen wurden. Dem Amati-Produzentengespann war dies aber zu teuer. So kam Fulci ins Spiel, der stattdessen die Giallo-Elemente in den Vordergrund rücken sollte, was er aber nicht bzw. nur wenig tat. Stattdessen war Fulci wohl die Story um die Rolle der TV-Produzenten und deren Einfluss in der Zukunft wichtig, die er selbst in Interviews als bahnbrechend und ihrer Zeit weit voraus beschrieb. Sacchetti sagt dasselbe über seinen ursprünglichen Ansatz mit den Werbefirmen.

 

Kameramann Giuseppe Pinori kam auf Fulcis Wunsch zu dem Projekt. Pinori vermutet, dass der Grund dafür mehr seine Arbeit als Werbefilmer als dessen Arbeit als DOP für De Angelis‘ Fulvia-Produktionen war. Giuseppe Pinori widerspricht auch Sacchettis Behauptung, DIE SCHLACHT DER CENTURIONS sei billig gewesen. Für die Kampfszenen in der Arena war eine sehr große Crew nötig. Die Arena selbst wurde auf dem Studiogelände der Cinecitta errichtet, dahinter sah man jedoch zahlreiche Gebäude. Um zu verhindern, dass auch der Zuschauer diese zu sehen bekommt, errichtete man rund um die Arena mehr als 200 Scheinwerfer, deren grelles Licht den Blick auf den Hintergrund verhinderte. Die Stromkosten hierfür waren enorm. Pinori wurde anschließend auch Kameramann bei Fulcis MURDER ROCK (Murderock - Uccide a passo di danza, 1984).

 

Dass Fulci beim Dreh von DIE SCHLACHT DER CENTURIONS nicht ganz so sorgfältig vorging wie gewohnt, hatte zahlreiche Gründe. Einer davon war die psychische Belastung aufgrund einer Klage von Luciano Martino, denn Fulci hatte – warum auch immer – zwei Verträge unterschrieben mit zeitgleichem Drehbeginn: BLASTFIGHTER für Luciano Martino und DIE SCHLACHT DER CENTURIONS für die Amatis. Zudem sagt Antonella Fulci, dass ihr Vater kein großer Science Fiction-Fan war. Fakt ist auch, dass die Amatis im Begriff waren, sich aus dem Filmgeschäft zurückzuziehen. Und so wurde nach Fertigstellung nur wenig in die Promotion von DIE SCHLACHT DER CENTURIONS investiert, sehr zu Fulcis Ärger. Aus BLASTFIGHTER wurde dann ein völlig anderes Projekt, das mit Dardano Sacchettis Originaldrehbuch (eher eine Endzeit-Story) nichts mehr gemein hatte, lediglich der Titel – der von Luciano Martino stammte – blieb.

 

Natürlich ist DIE SCHLACHT DER CENTURIONS hervorragend besetzt. Jared Martin bestreitet seine Hauptrolle souverän, auch wenn er gegen seine Mitstreiter physisch etwas schwächlich anmutet. Fred Williamson, Al Cliver, Hal Yamanouchi, und Howard Ross als sadistischer Trainer der Gladiatoren, machen eine ausgezeichnete Figur. Lucio Fulci darf hingegen mal wieder eine schöne Meuchelszene an Cinzia Monreale verüben. Die übrigen weiblichen Darsteller des Films bilden eher ein Vakuum, für das sich Fulci diesmal nicht sonderlich interessiert zu haben scheint.

 

Apropos Vakuum. Da gibt es diese Neben- oder eigentlich Hauptgeschichte um einen Supercomputer namens Junior, der wiederum einen bösen Zwilling namens Sam (nein, nicht HAL, Ähnlichkeiten sind reiner Zufall) kreiert hat, der schließlich explodiert. Im Weltraum. Aber da es ein billiger Film ist, fällt das Teil in HD deutlich sichtbar runter – was im Vakuum eigentlich nicht passieren sollte.

 

Und deshalb, so ungern ich das eingestehe, ist DIE SCHLACHT DER CENTURIONS insgesamt eher schlecht gealtert und leidlich spannend – macht aber dennoch Spaß. Vergnügen bereitet auch die Musik von Riz Ortolani, der hier zwar ebenso auf Sparflamme aber sehr eingänglich kocht.

Veröffentlichungen

Die im August 2021 veröffentlichte Blu-ray von Severin Films präsentiert den Film unter dem Titel WARRIORS OF THE YEAR 2072 in englischer Sprache im Format 1.85:1 und ausschließlich in Region Code A. Das Bonusmaterial ist dagegen dick:

 

- The Fulci Tapes: eine Unterhaltung zwischen Lucio Fulci and Michele Romagnoli

- Unloved: ein Interview mit Drehbuchautor Dardano Sacchetti

- The Nicest Villain: ein Interview mit Howard Ross

- The Good-Hearted Gladiator: ein Interview mit Al Cliver

- My Father, The Hero: ein Interview mit Antonella Fulci

- Photographing the Future: Interview mit DOP Giuseppe Pinori

- Four Times Lucio: ein Interview mit Cinzia Monreale

- Audiokommentar mit Nathaniel Thompson (Mondo Digital) und Troy Howarth, dem Autor von „Splintered Visions – Lucio Fulci & His Films“

- Trailer

- Bonus: CD Soundtrack

 

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