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Murder Rock

Italien, 1984

Originaltitel

Murderock - Uccide a passo di danza

Alternativtitel

Danza mortal (ESP)

Giallo a disco

Slashdance

Dancing Death

Der Frauenmörder mit der Hutnadel

Der Todestanz

Regisseur

Lucio Fulci

Inhalt

An der New Yorker Künstler- und Tanzschule Arts for the Living Center unterrichtet Candice Norman (Olga Karlatos) nur die Besten. Als bekannt wird, dass die Produzenten Morris & Steiner für ihre Show aber nur drei der Tänzer brauchen, wird die Tänzerin Susan ermordet, erstochen mit einer Hutnadel. Das erinnert Candice an ihren schon seit ihrem Unfall als Teenagerin immer wiederkehrenden Alptraum von einem blonden Mann, der sie mit einer Hutnadel verfolgt, um sie zu töten. Und plötzlich sieht sie diesen Mann aus ihrem Traum auf einem Werbeplakat, der sich als der gescheiterte Schauspieler George Webb (Ray Lovelock) erweist. Ist er der Killer, der immer weitere Mädchen aus Candices Tanzgruppe ermordet?

Review

Ende 1983 ist Lucio Fulci zunächst guter Dinge, denn er hat eine Rückkehr zum Giallo geplant und das gleich als Trilogie. Drei Gialli mit Musik als Thema will er inszenieren, doch nach „Murder Rock“ macht ihm seine Gesundheit einen Strich durch die Rechnung – und der finanzielle Misserfolg von „Murder Rock“, welcher Fulcis erster Film der Achtziger wird, der außerhalb Italiens in keinem Kino zu sehen sein würde. Grund dafür war sicher auch seine Zusammenarbeit mit der relativ unerfahrenen Produktionsfirma Scena Film von Augusto Caminito und Gabriele Silvestri, welche einige Zeit später nur mit Mühe und Not die Produktion von „Nosferatu in Venedig“ überleben würde. Egal.

 

Fulci war in guter Stimmung, auch am Set. Zusammengefaltet wurde augenscheinlich nur Christian Borromeo, welcher neben ein paar Fragen zu seiner Rolle an Fulci auch sein Missfallen für Fulcis Art Regie zu führen zum Ausdruck brachte. Hat er sicher nur dieses eine Mal gemacht. Die Story von „Murder Rock“ ist original, nicht jedoch die Mordmethode, diese hat Fulci aus dem Roman „A Time of Predators“ von Joe Gores abgeschaut. Fulci macht daraus jedoch kein Geheimnis. In einer Szene des Films ist eine der Darstellerin mit ebendiesem Roman in der Hand zu sehen.

 

Immer wieder muss man lesen, die Darsteller dieses Films seien schlecht. Nein! Das Dubbing ist schlecht. Im italienischen Original entfaltet die wunderbare Olga Karlatos ihr Talent, und Cosimo Ranieri als Lt. Borges ist eh genial. Farblos kommt dagegen Ray Lovelock rüber, aber er spielt ja auch einen farblosen Charakter. Einen Mann, der einst große Ambitionen hatte, aber an seinen mannigfaltigen Schwächen gescheitert ist, zu denen Alkohol und eine Vorliebe für minderjährige Mädchen gehören. Apropos: Darstellerin Geretta Geretta hat sich gewundert, warum Fulci einen Film über eine Tanzgruppe macht („Ihr seid die Besten der Besten“), aber keine der Damen die er hierfür engagiert hat, wirklich tanzen konnte. Offenbar habe er sie wegen ihres Schauspieltalents ausgesucht, meint Geretta. Ernsthaft?

 

„Murder Rock“ genießt bei vielen Fulci-Fans einen eher schlechten Ruf. Doch warum eigentlich? Nun, Fulci wollte einen Neuanfang, bzw. wie oben schon geschrieben – eine Rückkehr zum Giallo. Die Zeichen für den ultraharten Horrorfilm standen 1984 schlecht. Somit kann man Fulci kaum zum Vorwurf machen, dass er etwas anderes versucht. Somit stellt sich am Ende also nur die Frage, ob „Murder Rock“ denn als Giallo funktioniert. Die Antwort darauf ist ein dickes, fettes JA. „Murder Rock“ ist einer der besten Spät-Gialli überhaupt und Fulci beweist sicheres Stilgefühl. Auch bin ich ein großer Fan des Soundtracks, welcher eben… zeitgemäß ist. Ein Wehrmutstropfen könnte vielleicht sein, dass die Auflösung doch recht vorhersehbar ist, nichtsdestotrotz funktioniert sie aber aufgrund einer gewissen Tragik. Der Täter tut einem wirklich leid, wenn er am Ende von Polizei und anderen als verrückt abgestempelt wird.

 

Was noch? Al Cliver und Fulci selbst sind in kleinen Nebenrollen zu sehen, ebenso Silvia Collatina, die hier ihren dritten (nach Sergio Martinos „Der Fluss der Mörderkrokodile“ (1979) und Lucio Fulcis „Das Haus an der Friedhofsmauer“ (1981)) und letzten Auftritt in einem Kinofilm hat.

Veröffentlichungen

Unlängst erschienen als Blu-ray unter dem Titel „Murderock“ von Scorpion Releasing, US. Die Disc bietet ein neues Re-Master mit zahlreichen Farbkorrekturen. Die englischsprachige Dubbing-Tonspur wurde aufgepeppt, vorzuziehen ist aber die italienische Tonspur mit (zumeist) korrekt übersetzten Untertiteln. Als Bonus gibt es einen Audiokommentar mit Troy Howarth, ein Interview mit Geretta Geretta und ein weiteres Interview mit Make up-Artist Franco Casagni, welches zudem zahlreiche Audio-Excerpts von Fulci selbst enthält. Weiterhin eine Trailershow mit (qualitativ leider eher unterirdischen) Trailern zu kommenden Scorpion Releases.

 

Eine deutsche Veröffentlichung scheint für 2019 geplant, ist aber wohl noch nicht offiziell bekannt gegeben, also mach ich das auch nicht.

Filmplakate

Kommentare (1)

  • Thomas Hortian

    Thomas Hortian

    19 Dezember 2018 um 18:38 |
    Ich konnte dem bisher nichts abgewinnen; öde wie spannungs- und überraschungsarm. Dabei müsste ich den lieben: Fulci, Karlatos, Lovelock, Casinelli, das verspricht einiges. Aber irgendwie ist es jedes Mal wieder mehr eine Qual den durchzustehen. Mal sehen, vielleicht gebe ich ihm noch einmal im O-Ton eine Chance...

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