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The Jukebox Kids

Italien, 1959

Originaltitel:

Ragazzi del Juke-Box

Alternativtitel:

Rock, Twist e Doce Vida (BRA)

Les mordus du juke-box (FRA)

Ti dirò... che tu mi piaci (ITA)

Os Rapazes da Jukebox (PRT)

Regisseur:

Lucio Fulci

Inhalt

Commendatore Cesari (Mario Carotenuto) besitzt ein eigenes Plattenstudio nebst Sender, bevorzugt als konservativer Christdemokrat jedoch klassische Sänger, die den Hörern die Tränen in die Augen treiben. Seine Tochter Giulia (Elke Sommer) wiederum hat eine Liebelei mit Paolo (Anthony Steffen), in dessen Club „The Sewer“ moderner Rock ‚n‘ Roll angesagt ist.

 

Paolo hat jedoch einen Vertrag mit Sänger Tony (Tony Dallara) unterzeichnet und muss überrascht feststellen, dass dessen Repertoire klassischer Natur ist. Mithilfe gemeinsamer Arrangements mit Sänger Adriano (Adriano Celentano) gelingt Tony mit „Il tuo bacio è come un rock“ (Text: Lucio Fulci, Piero Vivarelli) aber ein Juke-Box-Hit.

 

Commendatore Cesari sieht den Erfolg seines seinen eigenen Stars, den er gerade mithilfe von Mafia-Geldern promoted, kompromittiert und schickt ein paar Handlager in den „Sewer“, um dort eine Schlägerei zu provozieren. Paolo revanchiert sich, indem er bei einer Fernsehübertragung Cesaris eine Striptease-Tänzerin als Performerin einschmuggelt.

 

Cesari erleidet einen vorübergehenden Nervenzusammenbruch und seine Tochter Giulia vertritt ihn indessen in seinem Sender – und engagiert Musiker nach ihrem eigenen Geschmack.

Review

Nach dem finanziellen Misserfolg von Lucio Fulcis Regiedebut JEDER DIEB BRAUCHT EIN ALIBI (I Ladri, 1959) gelang ihm mit Unterstützung des befreundeten Musikjournalisten, Co-Autors und späteren Regisseurs Piero Vivarelli mit RAGAZZI DEL JUKE-BOX ein durchaus hastig inszenierter Handstreich. Im Vorübergehen nutzt er die gerade himmelwärts ansteigende Popularität der „Urlatori“, insbesondere Adriano Celentanos und erfindet nebenbei das moderne Musicarello.

 

In den Hauptrollen hat er mit Anthony Steffen, Elke Sommer und dem etablierten Publikumsliebling Mario Carotenuto eine gute Wahl getroffen, und ich weiß nicht, warum Anthony Steffen in späteren Western-Jahren behauptete, er könne keine Komödien. Klar kann er. Tanzen kann er obendrein.

 

Berücksichtigt man den großen Publikumserfolg des Films, der es immerhin auf ein Einspielergebnis von mehr als 400 Millionen Lire brachte, scheint alles im Lot. Dennoch ein paar kritische Anmerkungen. Natürlich war RAGAZZI DEL JUKE-BOX ein erster Versuch. Doch was hier noch hastig heruntergekurbelt wirkt, kommt erst mit dem anschließenden Film HOWLERS OF THE DOCK (Urlatori alla sbarra, 1960) zur Formvollendung. RAGAZZI fehlen wirkliche musikalische Höhepunkte, die man auch heute noch genießen kann. Ebenso fehlen sorgfältig inszenierte „Videos“, doch die „Scopitones“ waren auch erst im Kommen.

 

Lucio Fulci geizt mal wieder nicht mit beißendem Spott gegenüber Konservatismus und Christdemokraten. Der Commendatore Cesari ist keine gänzlich unsympathische Figur, doch er ist nur oberflächlich ein Saubermann, dahinter verbirgt sich ein Schürzenjäger. Fulci selbst hat eine Sprechrolle als Musikjournalist (eine augenzwinkernde Persiflage auf Piero Vivarelli?), der deutlich macht, was ihn an moderner Musik wirklich interessiert – weibliche Musikfans in engen Klamotten.

 

Noch eine kleine Warnung. RAGAZZI DEL JUKE-BOX ist sehr musiklastig. Es gibt ganze Szenenblöcke, in denen sich ein Song an den nächsten reiht. Zu den Interpreten der im Film auftretenden Sänger gehören Adriano Celentano, Tony Dallara, Betty Curtis, Fred Buscaglione, I Campioni und der in den Titelcredits ungenannte aber damals noch sehr populäre Sänger Gianni Meccia. In den kommenden Jahren fiel Meccia bei seinem vornehmlich weiblichen Publikum zunehmend in Ungnade, nicht zuletzt wegen weiteren Songs im Stil wie dem in RAGAZZI DEL JUKE-BOX dargebotenen „Odio tutte le vecchie signore“ (Ich hasse alle alten Frauen).

 

Unter den Statisten gibt es für Italo-Fans einige bekannte Gesichter zu entdecken: Lars Bloch, Ornella Vanoni, Gianni Dei, Karin Well oder Gloria Milland. Und habe ich schon erwähnt, wie schön die junge Elke Sommer ist? Aber auch deren Präsenz wird in Fulcis HOWLERS AT THE DOCK durch sorgfältigere Inszenierung nochmal getoppt. Trotzdem sehenswert.

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