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Die drei Unerbittlichen

Italien | Spanien, 1963

Originaltitel:

Tres hombres buenos

Alternativtitel:

3 Cavaliers noirs (FRA)

I tre implacabili (ITA)

Implacable Three (USA)

Magnificent Three (GBR)

Por um Punhado de Prata (BRA)

Tre uomini buoni (ITA)

Deutsche Erstaufführung:

28. März 1964

Inhalt

Als César Guzmán auf seine Hacienda zurückkehrt, erlebt er eine böse Überraschung. Seine Frau wurde ermordet! In ihrer zur Faust geballten Hand findet Guzmán eine Anstecknadel, die den Mörder entlarven könnte. Die Pferdespuren vor dem Wohnhaus lassen auf sieben Reiter schließen und eines ihrer Pferde hat ein Hufeisen verloren. Da Guzmán 1 und 1 zusammenzählen kann, gelingt es ihm, mithilfe des ortsansässigen Schmieds drei der Täter (im Saloon) ausfindig machen. Doch kraft seines überstürzten Handelns bringt sich der Rächer auch postwendend in derbe Gefahr, denn ohne die Unterstützung des Revolverhelden João Silveira bzw. Johnny Silvera wäre ihm der Tod gewiss gewesen. Da der wortkarge Lebensretter nichts Besseres zu tun hat, beschließt er sich César Guzmán anzuschließen, um die restlichen vier Täter zu stellen und den Mörder zu entlarven.

Review

Nach seinen beiden Zorro-Verfilmungen (ZORRO – DAS GEHEIMNIS VON ALAMOS und ZORRO, DER SCHWARZE RÄCHER) inszenierte Joaquín Luis Romero Marchent mit DIE DREI UNERBITTLICHEN seinen ersten reinrassigen Western. Da Produktions- wie Erscheinungsjahr mit 1963 beziffert sind, sollte es Sie nicht wirklich überraschen, dass der Film nicht mit den IW-typischen Ingredienzien ausgestattet ist und sich stattdessen am US-amerikanischen Westernkino orientiert.

 

Das Leitmotiv („Alone“), dessen Interpreten ich nicht eruieren konnte, erinnert an die Liedvorträge der singenden amerikanischen Leinwandcowboys wie Gene Autry, Tex Ritter und Roy Rogers als auch an die Gesangsstücke der „Sons Of The Pioneers“, mit denen Roy bekanntlich seine Karriere als zwitschernder wie kontinuierlich lächelnder Cowboy startete. Die „Sons“ werden wiederum gern mit John Fords DER SCHWARZE FALKE in Verbindung gebracht, was freilich dem musikalischen Leitmotiv „The Searchers“ geschuldet ist. Innerhalb der Cedits (DER SCHWARZE FALKE) wird übrigens Stan Jones als Interpret genannt, was ich nicht nachvollziehen kann, da Jones einen anderen Gesangsstil pflegte als es jene, die opening-credits begleitende Tonaufnahme reflektiert.

 

DER SCHWARZE FALKE ist vermutlich der Western, den sich JLR Marchent häufig angeschaut hat, um daraus seine Inspirationen zu ziehen und seinen Aufgaben als Westernregisseur gewachsen zu sein. So sind beispielsweise die Bildkompositionen - César Guzmán verlässt die Hacienda, seine Frau schaut im nach - eindeutig an die Auftaktsequenz aus John Fords Bravourstück angelehnt.

 

Wie DER SCHWARZE FALKE zentralisiert auch DIE DREI UNERBITTLICHEN die Suche. Mit dem Unterschied, dass es sich nicht um die Suche nach einer von Indianern geraubten Familienangehörigen handelt, sondern um die Suche nach sieben Dieben, von denen einer ein Mörder ist. Der Suchende schenkt der zuletzt genannten Tatsache wenig Beachtung. Denn er will jeden der sieben Personen töten. Doch bereits sein erster Auftritt in einem Saloon hätte ihn Kopf und Kragen kosten müssen, da César Guzmán durch und durch unachtsam agiert. So ist es letztendlich ein Unbeteiligter, ein zufällig anwesender Saloon-Gast (João Silveira), der dem Kamikaze-Rächer das Leben rettet. Da Silveira gemäß eigener Aussage eh nichts Besseres zu schaffen hat, wird er fortan zu Guzmáns Schutzengel wie treuem Begleiter. Um die unerbittlichen Drei zu komplettieren, stößt später Diego Abriles zu dem Team. Ein von Fernando Sancho verkörperter Pistolenschütze, dessen Kugeln niemals ihr Ziel verfehlen. Vermutlich handelt es sich hier um den treffsichersten aller IW-Sanchos.

 

Treffsicherheit und Geschwindigkeit erlangten in Amiland übrigens großen Ruhm, denn als der US-Western den schnellziehenden Revolverhelden einführte, entstanden in den USA so genannte „Quick-Draw-Clubs“. Dort konnten die Mitglieder mittels artistischer Trainingseinheiten das Ziehen aus der Hüfte perfektionieren. Zwischen Berührung des Revolvergriffs mit der Hand und dem Einschlagen des Geschosses im Ziel (eine Scheibe in 10 Meter Entfernung) lag bei einer Rekordmessung im Jahr 1968 gerade mal eine fünfhundertstel Sekunde. Wow!

 

Nicht ganz so fix, aber dennoch überaus rasch, spürt César Guzmán die Protagonisten der Todesnacht auf. In diesem Kontext läuft alles nach Schema F ab, denn Spannung mag einfach nicht aufkommen. Suche - Gegner gefunden - Shootout - der nächste bitte.

 

Die Gesuchten respektive Gefundenen werden demgemäß nicht (eine Ausnahme ist der Mörder) ausreichend vorgestellt. Was dafür sorgt, dass man keinen Bezug zu den Personen aufbauen kann und die folgenden Fragen nicht beantwortet werden: Was bewegte die Täter zu dem Einbruch? Wie gestaltet sich ihr Verhältnis zu ihrem Anführer (dem Mörder) und warum folgten sie ihm? Zumindest etwas Tiefgang wäre hier angebracht gewesen. Auch die an sich gute Idee des Drehbuchautoren, den Rächer wie seinen Begleiter nach einigen Schießereien mit Todesfolgen zu gesuchten Gesetzlosen, die auf den landesweit veröffentlichten Steckbriefen erscheinen, zu erklären, bleibt meilenweit hinter ihren Möglichkeiten und ist unbedeutend für den weiteren Handlungsverlauf.

 

Den genannten Defiziten stehen allerdings einige sympathische Darsteller gegenüber, die die Sache in angenehme Sektoren lenken. Fernando Sancho habe ich bereits genannt. Weiterhin erwähnenswert sind Paul Piaget als João Silveira, Raf Baldassarre als Molero und Robert Hundar als Niño (der Vorname ist dermaßen unpassend, dass es putzig wie knuffig zugleich tönt) McCoy. Egal, denn es ist immer wieder eine Freude Hundar zuzusehen. Ähnlich wie Bruno Corazzari oder Ernesto Colli ist er gleichermaßen Hackfresse wie Herzensgewinner.

 

DIE DREI UNERBITTLICHEN liefert keine Überraschungen. Auch Historisches, wie beispielsweise der in den US-Western noch und nöcher thematisierte frontier-Mythos, erhält keine Entfaltungschance. JLR Marchent gibt nicht den Historiker, der einen bestimmten Zeitabschnitt oder ein bestimmtes Ereignis aus den Analen des amerikanischen Westens darstellen oder ggf. zurechtrücken wollte. Er war ein gebürtiger Spanier, der DIE DREI UNERBITTLICHEN in einer Zeit inszenierte, als der Italo-Western, so wie wir ihn kennen und lieben gelernt haben, noch gar nicht geboren war. Es war die Zeit, in der Audie Murphy-Vehikel wie DIE GNADENLOSEN VIER, IM SATTEL RITT DER TOD als auch DER EISERNE KRAGEN in den Lichtspielhäusern liefen. Kleine Western, die man bevorzugt als B-Western oder Massenware für den Massenkonsum bezeichnet. Derartige Filme konnten, was viele Leute gar nicht wissen wollen, selbst mittels geringer Einspielergebnisse immer noch einen Gewinn einfahren und erfüllten, was ich für besonders wichtig halte, die Erwartungen des Publikums! Denn die genannten Murphy-Western finde ich zumindest richtig klasse.

 

Gemessen an seinem kleinen Budget wurde auch DIE DREI UNERBITTLICHEN so liebevoll wie möglich ausgestattet. Und sofern man die erwähnten Mankos außer Acht lässt, liefert der Film den IW-Fans, IW-Maniacs und IW-Experten im Großen und Ganzen das, was sie von einem italienischen respektive von einem italienisch/spanischen Western, der vor Leones erstem Dollar-Beitrag inszeniert wurde, erwarten.

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