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Cerasella

Italien, 1959

Inhalt

Cerasella (Claudia Mori) und Giuseppe (Carlo Croccolo) sind nach dem Krieg als Waisenkinder bei ihrem Nicht-Onkel Salvatore in Vietri sul Mare aufgewachsen. Giuseppe ist in der Armee und will die gutherzige Nannina (Piera Farfarella) heiraten, doch vorher will er noch seine kleine Schwester Cerasella unter die Haube bringen. Die ist jedoch etwas eigen und an dem Tag, an dem sie Alfredo (Luigi De Filippo) ehelichen soll, hat sie diese Stimme im Kopf, die ihr sagt, lauf weg.

 

Das tut sie dann auch, flüchtet schließlich im Brautkleid ins Meer, wo sie auf dem Boot des Industriellen-Sohns Bruno (Terence Hill) landet, der selbst im Begriff ist, bald seine Verlobte Nora (Alessandra Panaro) zu heiraten. Brunos Vater (Mario Carotenuto) traut Nora allerdings nicht, und so stellt er den Sohn vor die Wahl – entweder begleitet er ihn für ein Jahr nach Brasilien oder er dreht ihm den Geldhahn zu. Das lässt sich Bruno nicht gefallen und will seinem Vater beweisen, dass er auf eigenen Füßen stehen kann.

 

Nur wenige Zeit später fällt Bruno hungernd Cerasella vor die Füße, die ihm ein Jobangebot macht. Er kann in ihrer Strandbar als Bademeister anfangen, muss zusätzlich aber für einen Monat ihren Verlobten mimen, damit sie sich ihren eigenen Verehrer Alfredo und ihren auf Hochzeit mit diesem drängenden Bruder vom Hals halten kann. Widerwillig lässt sich Bruno darauf ein, verliebt sich aber durchaus willig in Cerasella. Auch die glaubt nun, den richtigen Mann gefunden zu haben und wacht über ihn, da er als Bademeister nicht nur Noras weiteren Avancen ausgesetzt ist.

 

Das ruft Noras Mutter (Lia Zoppelli) auf den Plan, die auf einem Haufen unbezahlter Rechnungen sitzt und sich den guten Fang, den ihre Tochter da gemacht hat, nicht entgehen lassen will. Gemeinsam mit Nora und Cerasellas Verehrer Alfredo ersinnt sie eine böse Intrige, um Bruno und Cerasella wieder zu trennen. Fast scheint die perfide Intrige, mit der Cerasella kompromittiert werden soll, zu gelingen, doch dann trifft Brunos Vater auf die junge Frau und erkennt, dass Bruno einen großen Fehler begehen würde, sich diese kluge und selbstbewusste junge Frau durch die Lappen gehen zu lassen.

 

Als Nora schließlich Bruno ihr Hochzeitskleid vorführt, hat nun er eine Stimme in seinem Kopf, und die sagt: Renn weg. Verhindere Cerasellas Hochzeit mit Alfredo.

 

Review

Ich war wirklich gespannt, wie sich Melodramatiker Raffaello Matarazzo im Bereich der leichtherzigen Liebeskomödie schlagen würde und war mehr als angenehm überrascht. Der 1959 on Location in Vietri sul Mare an der Amalfi-Küste entstandene CERASELLA bietet dem Zuschauer eine sommerfrische Komödie fürs Herz und eine überaus amüsante Geschichte, die von Kritikern als dem Musicarello verwandt betrachtet wird. Da der musikalische Anteil eher gering ist, geht es wohl mehr um die ähnlichen Inhalte.

 

Während Terence Hill im zwei Jahre zuvor entstandenen LAZZARELLA (1957) noch um die Liebe von Alessandra Panaro buhlte, ist diese in CERASELLA samt Mutter auf Jagd nach einem reichen Erben, und Mario Girotti muss als Bruno nun anderweitig unter die Haube gebracht werden. Und so trifft er die von Claudia Mori gespielte Cerasella, welche süß wie eine Kirsche und sauer wie eine Zitrone sei. Claudia Mori verkörpert diese Rolle in ihrem Filmdebut äußerst liebenswert und man merkt ihr die zum Zeitpunkt des Drehs kaum 15 Lebensjahre nicht an. Sie ist wirklich gut und kann neben dem bereits 20-jährigen Terence Hill die Dominanz bewahren. 1964 würde Claudia Mori Adriano Celentano heiraten, die beiden sind bis heute zusammen, und sie war auch in einigen seiner Filme zu sehen.

 

Die Geschichte ist Matarazzo-typisch verzwickt, sture Väter und böse Mütter dürfen freilich ebenso wenig fehlen, wie die obligatorische sexuelle Belästigung. Das tut der Leichtherzigkeit aber keinen Abbruch, eine Gratwanderung, die Matarazzo ausgezeichnet gelingt. Der Film ist bis in die kleinste Nebenrolle gut und charmant besetzt, und freilich darf in einem solchen Sommerfilm auch gesungen werden. Neben dem Score des Sängers und mehrfachen San Remo-Gewinners Fausto Cigliano gibt es vier Songs, die aus neapolitanischen Melodien bestehen, die mitunter textlich leicht abgewandelt wurden. Neben dem Titelsong fällt besonders ein humoristisches Schmählied auf die Ehe auf.

 

Als Regie-Assistent fungierte Roberto Pariante, die Kameraarbeit stammt von Veteran Václav Vích. Der in Österreich-Ungarn geborene DOP war international tätig, in den 20er und 30er Jahren in der Tschechoslowakei, bevor er Ende der 30er Jahre erstmals in Italien auftauchte. So filmte er etwa Amleto Palermis DER SCHWARZE KORSAR (Il corsaro nero, 1938) oder Alessandro Blasettis STÜRME ÜBER MORREALE (Ettore Fieramosca, 1938) und DER GEHEIMNISVOLLE RÄCHER (Un'avventura di Salvator Rosa, 1940). Ab Anfang der 50er Jahre war er oft bei Produktionen mit deutscher Beteiligung Kameramann. Etwa bei Andrew Martons DES TEUFELS ERBE (The Devil Makes Three, 1952), Willi Forsts DIE SÜNDERIN (1951) oder Peter Lorres DER VERLORENE (1951). Seine letzte Arbeit war der 1962 gedrehte ROMANZE IN VENEDIG von Eduard von Borsody, bevor er 1966 im Alter von 68 Jahren verstarb.

 

CERASELLA war bis jetzt der schönste Film aus Terence Hills Frühwerk, den ich gesehen habe. Sehr sehenswert.

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