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Blood Calls to Blood

Italien, 1968

Originaltitel:

Sangue chiama sangue

Alternativtitel:

El sancho... c'est le temps de mourir (FRA)

La sangre llama a la sangre (ESP)

Sangue Chama Sangue (PRT)

Regisseur:

Luigi Capuano

Kamera:

Tino Santoni

Inhalt

Es war einmal in einem weit entfernten Land, irgendwo an der Grenze zwischen Mexiko und jenem Fleckchen Erde auf dem alsbald alle Karrieremenschen als Tellerwäscher anheuerten, um in naher Zukunft mit dem Millionärsstatus gesegnet zu werden. Es war einmal in einem Grenzgebiet, das von El Sancho und seiner Bande tyrannisiert wurde. Eine Zusammenrottung von Halsabschneidern, die vor nichts und niemand zurückschreckten und mit Wonne den Tod verbreiteten. Nun hat es die Teufelstruppe auf das Kloster Virgen de la Luz abgesehen, um dort ein Diamantendiadem zu rauben. Der Raubzug endet in einem blutigen Massaker. Unter den Toten befindet sich der Mönch Louis Willoughby, der Bruder eines Revolverhelden namens Andrew. Andrew (im Original Andrej) hält seine Rachegedanken vorerst hinter dem Berg und macht sich an El Sanchos Konkubine Carmen ran, was einerseits El Sanchos Eifersucht weckt und andererseits Carmen zu heimtückischen Aktionen anspornt, die stets den Tod im Schlepptau haben. Will Andrew die Bitch für sich gewinnen, damit er seinen Bruder rächen kann? Oder ist er einzig auf materiellen Gewinn (die Erbeutung des Diamantendiadems) aus?

Review

Nach der Filmsichtung sind wir schlauer. Aber ist diese Sichtung überhaupt lohnenswert? Nun, ich denke schon. SANGUE CHIAMA SANGUE ist zwar kein Überflieger, aber nach meinem Dafürhalten besser als es ihm sein bescheidener Ruf nachsagt.

 

SANGUE CHIAMA SANGUE betitelt Luigi Capuanos zweite Westerninszenierung und zugleich seine letzte Arbeit als Filmregisseur. Wer in Capuanos Œuvre stöbert, der wird einige interessante Piratenfilme (TIGER DER MEERE, DER LÖWE VON SAN MARCO, DER ABENTEURER VON TORTUGA) entdecken, deren Sichtungen durchaus lohnenswert sind und sei es, um den oft zitierten verregneten Sonntagnachmittag bei Kaffee und Kuchen additional zu versüßen. Die beiden Lex Barker-Vehikel DAS GEHEIMNIS DER ROTEN MASKE und DER HENKER VON VENEDIG kann man sich auch ganz gut geben. Und sein 1961 entstandener Ritterfilm, TÖDLICHE RACHE, birgt bereits einige Westernelemente - was für das Genre nicht wirklich ungewöhnlich ist. So werden beispielsweise Zigeuner zu symbolischen Indianern. Und eine Familienfehde rückt dito ins Zentrale wie das akribisch eingezäunte Land als auch das einhergehende Verbot der Grenzüberschreitung. So wie man es halt aus jenen Western kennt, die das Thema Weidekrieg zentralisieren.

 

SANGUE CHIAMA SANGUE startet in einem Saloon. Eine Tänzerin macht mit Hüftschwüngen und Handbewegungen, die man gemeinhin aus orientalischen Tanzdarbietungen kennt, die versoffenen Saloongäste erwartungskonform ganz wibbelig. Die Tänzerin ist eine Mexikanerin und trägt jenen Namen, den eine Vielzahl mexikanischer Tänzerinnen in den Westernlichtspielen tragen: Juanita? Nein, Lupe. Es folgen die üblichen Pistolenabschüsse, welche die Kugeln emporschnellen lassen. Um die ausgelassene Stimmung auf den Höhepunkt zu treiben, organisiert El Sancho anschließend eine Art Squaredance, an dem sich nahezu alle Saloongäste beteiligen. Hier wird (wie in einem populären Polselli-Film) wild getanzt, aber irgendwann muss auch Schluss sein. Schluss mit meinem Geschwafel und Schluss mit der Tanzstunde, denn es muss asap das thematisiert werden, was dem Film ein Ziel zuschreibt und die Straßenlaternen aktiviert, damit der Weg beleuchtet und die Marschroute des Films in ein besseres Licht gerückt wird.

 

Bei seinem nun folgenden Reiseantritt wird der Zuschauer mit einigen Fragezeichen konfrontiert, die alsbald (dem Kausalprinzip folgend) mittels entsprechender Antworten aufgehoben werden, sodass die Gesamtlage ihre benötigte Aufhellung erfährt. Denn mit dem Start des zweiten Drittels sind die Karten endlich wie endgültig verteilt. Alles ist eindeutig definiert und der Film zentralisiert die Ambition zur Rache, welche einem Mord geschuldet ist. Der Rächer nennt sich Andrew, jedenfalls nennt die englische Synchronisation ihn so. Sein Gegner ist El Sancho, der freilich nichts von Andrews Ambitionen weiß. Für flankierenden Ärger sorgt Carmen, eine rothaarige Bitch, die sich, wenn es ihr Vorteile bringt, jedem Kerl an den Hals schmeißt. Carmen ist es einerlei, auf welcher Seite sie steht. Sofern sie reichhaltig profitieren und emsig integrieren kann, dann passt das schon - eine solche Person könnte notabene in der bundesdeutschen Politiklandschaft eine großartige Karriere nach dem gelbbraunen CL-Vorbild anpeilen. Eigentlich bekommen jene aufmuckenden Mädels im Italo-Western umgehend was auf die Schnauze, damit sie dieselbe dito umgehend schließen. Eine sehr erfolgreiche Erziehungsmethode, die im Fall Carmen jedoch sträflich versäumt wurde.

 

Es ist übrigens das erste wie auch einzige Mal, dass Carmen-Darstellerin Antonella Judica vor der Kamera stand. Eigentlich schade, denn nach meinem Dafürhalten hatte sie einen ordentlichen Einstand. Weitere feminine Parts sind mit Marisa Solinas, die eine knuffige Cat Ballou-Variante reflektiert, und Michala, Angelface´s dito rothaarige Schwester, besetzt. Drei Mädels in einem Italo-Western, dass klingt nach einer ungewöhnlich hohen Zahl. Das soll allerdings nicht bedeuten, dass die maskuline Herrschaft - auch wenn Carmen emsig daran arbeitet - gefährdet ist. Der Antiheld Andrew (der eine Pelzjacke trägt) und sein primärer Gegenspieler El Sancho spielen schlussendlich die Musik, zu der das Ensemble tanzen, steppen oder gar pogen muss, bis es schlussendlich kollektiv tot am Boden liegt, denn man gibt konträr zur Pollackschen Weisheit nicht nur Pferden den Gnadenschuss. Hier wird nämlich nicht nur wild getanzt, sondern auch emsig gekillt wird. So ballert beispielsweise El Sancho (Fernando Sanchos Darstellung schwingt wie so oft zwischen Begriffsstutzigkeit und Kaltblütigkeit) alles weg, was ihm nur andeutungsweise zu nahe tritt.

 

Stephen Forsyth macht seine Sache als Antiheld dito ordentlich wie Antonella Judica als Carmen. 80% der Filme in denen Forsyth mitwirkte sind mir übrigens bekannt und wer ihn mal in einem knallharten wie richtig guten Söldnerfilm sehen will, der sollte nach DIE SÖLDNER - TÖTEN WAR IHR JOB Ausschau halten.

 

Was gibt die Fotografie wieder? Eine Saloonprügelei wird phasenweise aus der Vogelperspektive gezeigt und einige Bildkompositionen erinnern an das Weimarer Kino, da die Beleuchtung für Schatten und eine unheimliche Atmosphäre sorgt. Zudem werden die Zuschauer mit den üblichen Klischees versorgt. Der Mönch Louis Willoughby kommt auf einem Esel angeritten, die Bitch hat rote Haare und der Antiheld versucht seine Gegner gegeneinander auszuspielen.

 

 

Fazit: SANGUE CHIAMA SANGUE reflektiert einen Western, der mit den Elementen des Caper-Movies sowie etwas Gothic-Horror-Flair (die Aufenthalte im Kloster) gespickt ist und dem Zuschauer die Rolle des stillen Beobachters zwischen den Fronten anbietet. Währenddessen bleibt das aufmerksame Publikum von Langeweile verschont, da SANGUE CHIAMA SANGUE eine gut konstruierte Story liefert, deren flankierende Defizite bei der Umsetzung wohlwollend tolerierbar sind.

Links

OFDb

IMDb

SWDb

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