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4 Halleluja für Dynamit-Joe

Italien | Spanien, 1967

Originaltitel:

Joe l'implacabile

Alternativtitel:

Der Tod reitet mit (BRD)

Dynamit-Joe (BRD)

Deutsche Erstaufführung:

30. November 1972

Inhalt

Joe Fox hat einen schweren Hang zu den drei großen Ds: Dollars, Damen und Dynamit. Dollars verdient er damit, dass er als Spezialagent für die Regierung unterwegs ist, dabei kann er dann Dynamit einsetzen und währenddessen Damen vernaschen. James Bond im Wilden Westen? Hm, eher Agent 077 in Almería, und in dieser Eigenschaft muss er im Auftrag eines Senators dafür sorgen, dass die großen Goldtransporte in Arizona nicht dauernd von Räubern geklaut werden. Sein Plan ist ein ganz einfacher: Er lässt aus dem Gold eine Postkutsche gießen und diese dann anmalen. Sein Buddy Buddel, der so heißt weil er, wer hätte es gedacht, an keiner Whiskyflasche vorbeigehen kann, darf das Ding dann fahren, und er selber wirft das Dynamit auf die hinterherreitenden Bösewichter. Zumindest stellt Joe sich das so vor, aber in Wirklichkeit ist das alles dann nicht nur etwas anders im Ablauf, sondern vor allem auch erheblich anstrengender. Insbesondere für den Zuschauer.

Autor

Maulwurf

Review

Denn der kann höchstens anhand des achsolustigen deutschen Titels im Vorfeld erahnen, dass „Joe der Unerbittliche“ (wie der Originaltitel lautet) alles andere als ein harter Italo-Western ist. Antonio Margheriti hat mit SATAN DER RACHE und mit FÜNF BLUTIGE STRICKE zwei herausragende und knallharte Western gedreht, da sollte man doch meinen dass er das auch kann.

 

Kann er auch, allerdings muss man da die Reihenfolge der Drehs beachten, und da kam DYNAMIT-JOE eindeutig zuerst, kann also eher als ein Hineintasten Margheritis in das ihm fremde Genre des Western verstanden werden. Vielleicht mag das auch ein Grund sein, dass der Film zwar prinzipiell ein Western ist, inhaltlich aber einem ganz anderen Genre angehört.

 

Denn in der zweiten Hälfte der 60er-Jahre des letzten Jahrhunderts gab es neben dem Italo-Western noch ein anderes Genre, das in dieser Zeit die Lichtspielhäuser rockte: Den, auf den Spuren von James Bond wandelnden, Eurospy. Smarte und männliche Männer im Einsatz für Volk und Vaterland, immer mit entsicherten Fäusten, Pistole und Schniedelwutz vorwiegend in Europa und Nahost unterwegs, die freie Welt zu retten. Und genauso so ist DYNAMIT-JOE auch zu verstehen. Hat Joe in der Eröffnungssequenz zwar noch den Poncho aus der Asservatenkammer von Clint Eastwood an, so zieht er sich dann aber spätestens zur Titelmelodie um und läuft den Rest des Films im feinen Zwirn umher. Was ihm auch zugegeben recht gut steht. Der Mann schaut gut aus, hat einen gewissen Charme, und wickelt die Mädels alle nur so um den kleinen Finger, insofern es der Arbeit dient.

 

Der allgemeine Ton ist dabei eher derjenige der dann in den frühen 70ern in den Westernkomödien vorherrschte. So etwa im Stil von Mario Bavas 3 HALUNKEN UND EIN HALLELUJA – Ein bisschen Komödie, viel Action, ein wenig Western-Atmosphäre, aber eine Mischung aus diesen drei Zutaten, die irgendwie recht eigen schmeckt, und aus heutiger Sicht eine hohe Affinität sowohl zu Western, wie auch zu Komödien UND zu Eurospy voraussetzt.

 

Die Schwierigkeiten fangen dann an, wenn man sich vergegenwärtigt, dass der Eurospy zwar einiges an tollen und flotten Agentenabenteuern im Gepäck hatte, aber eben auch aus einer Menge Rohrkrepieren bestand. Und auch wenn DYNAMIT-JOE einigermaßen unterhält, mehr als einigermaßen ist es irgendwie nicht. Härte und Stimmung eines „klassischen“ Italo-Westerns gehen ihm ab, und Eleganz und Gewitztheit eines Eurospy passen nur bedingt in das Setting aus herabgekommener Kleinstadt und staubiger Wüste. Die Witze sind ungeheuer witzig (Vorsicht: Ironie), und eine Spannungskurve findet gleich gar nicht statt. Inhaltlich passt das Ganze aus heutiger Sicht eher in das Kinderprogramm, wobei sich die Kleinen dann wahrscheinlich eher wundern ob der unschuldigen und hanebüchenen Story und der harmlosen Umsetzung. Dass Joe aus jeder noch so gefährlich aussehenden Situation herauskommt, ohne dass sein Stutzeranzug auch nur eine Blessur davonträgt, ist im Prinzip sehr schnell abzusehen und wird damit auch schnell langweilig. Der Film rutscht damit auch schnell in Richtung Komödie, wo so ein Setting ja auch in Ordnung ist, ohne dabei aber dummerweise irgendwie besonders lustig oder gar komödiantisch zu sein. Die Ironie und Leichtigkeit eines, sagen wir, IN MEINER WUT WIEG' ICH VIER ZENTNER geht ihm dabei völlig ab, und ich glaube, dass ist auch das Problem: Dass DYNAMIT-JOE sich selber ernst nimmt, obwohl er doch eigentlich nur leichtfüßige 95 Minuten bieten möchte, und dass dieser Spagat einfach nicht gelingt.


Westernkomödien sind sowieso immer eine rechte Ansichts- und Geschmackssache, und da macht DYNAMIT-JOE keine Ausnahme. Wer auf sowas steht dürfte hier seine helle Freude haben, und wird meine skeptischen Worte überhaupt nicht nachvollziehen können. Das gleiche gilt für Freunde des heiteren Agentenfilms, aber alle anderen seien darauf hingewiesen, dass unter den Zigtausenden von ungesehenen Filmen da draußen deutlich lohnendere sind …

Autor

Maulwurf

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