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Wendekreis der Angst

Italien, 1992

Originaltitel

Alibi perfetto

Alternativtitel

Jugando con fuego (ESP)

Circle of Fear

Regisseur

Aldo Lado

Inhalt

Den beiden Drogencops Tony und Lisa gelingt ein Schlag gegen das Syndikat: Heroin im Wert von vielen Hunderttausend Dollar, ein toter Gangster und ein süchtiger Chinese gehen ihnen ins Netz. Der Obermotz des Syndikats, Manzini, der seinerseits unter erheblichem Druck steht die beschlagnahmte Ware wieder zu beschaffen, ist ob dieses Verlusts ziemlich genervt, und will sich rächen: Ein Profilkiller schießt Tony und seine Ex-Frau Elvie nieder: Sie ist tot, er an Leib und Seele schwer verletzt. Als Tony versucht Manzini zu fassen stellt er fest, dass Elvie vor ihrem Tod Fotos einer alten Villa gemacht hat. und auf einem dieser Fotos ein Mann zu sehen ist, der dort eigentlich nicht hingehört. Der Verdacht wächst, dass der Anschlag gar nicht ihm gegolten hat, sondern dass Elvie Dinge gesehen hat die sie nicht hätte sehen dürfen. Die Spur führt zu dem längst abgelegten Fall des sogenannten Vollmondmörders, der rothaarigen Frauen bei Vollmond die Köpfe abgeschnitten hat. Wurde damals vielleicht der Falsche verhaftet?

Autor

Maulwurf

Review

Softe Keyboards quälen die Gehörgänge, die schönen Männer haben breite Schultern und fühlen sich als rechtmäßige Nachfolger von Sonny Crockett, und wunderschöne Frauen in engen Kleidern und High Heels john-waynen mit sexy erhobenen Pistolen im Anschlag Türen: Willkommen in der wunderbaren Welt der schnell und günstig produzierten 90er-Krimis.

 

Soll heißen: Im Prinzip wirkt WENDEKREIS DER ANGST erstmal wie ein TV-Schnellschuss fürs amerikanische oder italienische Fernsehen, und die Klasse der früheren Arbeiten Aldo Lados (MÄDCHEN IN DEN KRALLEN TEUFLISCHER BESTIEN, THE CHILD – DIE STADT WIRD ZUM ALPTRAUM) ist auf den ersten Blick nicht wirklich zu bemerken.

 

Aber der Film hat so ein paar Eigenheiten, die ihn aus der Masse dann doch herausheben. Der alte Drehbuchhase Dardano Sacchetti (u.a. DER NEW YORK RIPPER, JÄGER DER APOKALYPSE) hat hier drei Handlungsstränge miteinander verwoben, die erstmal nichts miteinander zu tun zu haben scheinen. Da aber nie so richtig klar ist, mit welchem der Stränge wir es gerade zu tun haben, und wie diese Stränge miteinander verknüpft sind, entsteht das, was einen Film sehenswert macht: Spannung!

Da ist die Story um den Drogenboss Manzini, dessen Organisation gewaltig zusammengedampft wurde, der das beschlagnahmte Heroin wiederbeschaffen soll, und der auch noch den Auftrag hat Tony umzulegen. Dann ist da die mysteriöse Countess, die einen gewissen Hang zur Grausamkeit hat, die in der Klapse einsitzt, dort Wärter blutig drangsaliert, und der unter anderem eine alte Villa gehört. Und just in dieser Villa wird eine verweste Leiche gefunden und der Handlungsstrang mit dem Vollmondmörder wird eingeführt. Sowohl Tony wie auch der Zuschauer rätseln nun, ob der Mörder vielleicht wieder arbeitet (und unglücklicherweise haben viele Frauen in Tonys Umgebung rote Haare), ob der Mordanschlag Tony oder Elvie gegolten hat, und welche Rolle die Countess spielt. Vor allem ab dem Augenblick, in dem diese aus der Psychiatrie flüchten kann, dreht die Spannungsschraube merklich an …

 

Die Verknüddelung dieser einzelnen Handlungen ist für ein Billigprodukt dieser Zeit überraschend gelungen. Doch mit der Besetzung ist der Produktion dann sogar noch ein echtes Sahnehäubchen geglückt.

Da wäre einmal Burt Young als Manzini. Burt Young kennt man als Schwager von Rocky und als Paten aus vielen besseren und schlechteren Mafiafilmen. Der Mann hat einfach eine richtige miese Ausstrahlung, und mit seinen kalten und fischigen Augen stellt er den Prototypen des Killerschweins per se dar. Ich vermute mal schwer, dass Young in Italien auf Urlaub war, und mit einem Drehtag seine Urlaubskasse aufgebessert hat, anders kann ich mir seine Mitwirkung nicht erklären. Also liegt er barfuss(!) in seiner Luxuslimousine, lässt sich von seinem Hasen die Füße mit einem Hut bedecken und scheucht seine Handlanger durch die Gegend. Komplett aufwandsarm gespielt, und mit maximalem Effekt. Gigantisch!

 

Philippe Leroy gibt den Chef von Tony und Lisa, und glänzt mit einem Wutausbruch, wie ihn Film-Cop-Vorgesetzte in dieser Zeit regelmäßig hatten. Dabei wirkt er richtiggehend knuffig, und beim Überrumpeln der bösen Buben im Polizeihauptquartier(?) darf er endlich mal wieder seine Agilität beweisen. Auch hier gilt: Wenig Einsatz, maximaler Erfolg. Der Mann ist als Schauspieler ein alter Profi, und das merkt man einfach. Jede seiner Szenen ist Gold wert.

 

Kay Sandvik, die eigentlich Kay Rush heißt, sieht aus wie eine Mischung aus Björk, Michelle Yeoh und meiner Jugendliebe, und beherrscht den Bildschirm in jeder ihrer Szenen. Die wunderschöne Amerikanerin, die heute beim italienischen Radio als DJane arbeitet, CD-Kompilationen mit House-Musik veröffentlicht und Bücher schreibt, überzeugt mit vollem Körpereinsatz, ordentlicher schauspielerischer Leistung, und rockt den Film einfach ungemein. Schade dass ihre Filmographie so übersichtlich ist, aber wenn ich mir ihre Homepage so anschaue, dann wollte sie im Leben wahrscheinlich sicher mehr erreichen als nur im italienischen TV ihre Brüste zu präsentieren. Allein Kay Rush macht diesen Film sehenswert!!

 

Dann gibt es da noch einen Gerichtsmediziner, einen Schwarzen, der ausschaut wie aus der damaligen Cointreau-Werbung entlaufen (“You got Cointreau, I got the ice“). Annie Girardot, die ebenfalls mit wenig Einsatz maximale Wirkung erzeugt, und in einigen Szenen echte Angst erzeugen kann. Und zu guter Letzt kann Kameramann Luigi Kuveiller, der zu den Großen seiner Gattung gehört (ROSSO – DIE FARBE DES TODES, DAS VERFLUCHTE HAUS), einige Male sehr gelungene Bilder des Schreckens erzeugen, und auch die Actionszenen sind überzeugend inszeniert.

 

Jetzt fällt mir nichts mehr ein. WENDEKREIS DER ANGST ist entschieden besser als erwartet. Die typischen 90-er Zutaten wie schlechte Musik oder unüberzeugende Synchro kennt man zur Genüge, und da ist einfach zu vieles was diese kleinen Ekeligkeiten mehr als aufwiegen kann. Empfehlung für alle Freunde nicht übertriebener Krimikost. Und Aldo Lado hatte es dann ganz offensichtlich doch noch drauf …!

Autor

Maulwurf

Links

OFDb
IMDb

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