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SS Hell Camp

Italien, 1977

  • Originaltitel: La bestia in calore
  • Alternativtitel:

    La bestia en calor (ESP)

    Quand explose la dernière grenade (FRA)

    The Beast in Heat (USA)

  • Regisseur: Luigi Batzella
  • Kamera: Ugo Brunelli
  • Musik: Giuliano Sorgini
  • Drehbuch: Lorenzo Artale, Luigi Batzella
  • Inhalt:

    Der zweite Weltkrieg neigt sich dem Ende, doch Dr. Ellen Kratsch lässt sich nicht unterkriegen und experimentiert weiterhin emsig für den Führer. Um den perfekten Menschen für das Dritte Reich zu schaffen, züchtete der weibliche Mengele eine Kreatur halb Mensch/halb Tier. Ihre (Frau Dr. Kratschs) Folgeforschungen beschränken sich nun darauf, den Affenmenschen mit Drogen voll zu pumpen, um dessen Sexualtrieb zu steigern. Als Gespielinnen führt man dem Monster die weiblichen Gefangenen des Konzentrationslagers zu…

     

    …und wer diese unsagbar stumpfsinnige sowie extrem geschmacklose Idee überbieten kann, der darf im Bundestagsgebäude gemeinsam mit Fips Asmussen „Dirty deeds done dirt cheap" singen.

  • Autor: Frank Faltin
  • Review:

    Die gesamte Nazi(s)ploitation als einen geschmacklosen und hirnverbrannten Distrikt abzuhandeln, wird dem Genre mit Sicherheit nicht gerecht. Natürlich ist es verständlich, dass dieses subkulturelle Areal bei einigen Filmkonsumenten diverse Berührungsängste auslöst, was sie allerdings nicht berechtigt, ein Genre abzuwerten, welches ihnen vollkommen unbekannt ist. Ungeachtet dessen macht sich bei einigen Rezipienten gar ein verpeilter Blick bemerkbar (was den Regisseuren der entsprechenden Vehikel geschuldet ist), der Film und historische Wahrheit gewaltig durcheinander wirbelt und zweifelhafte Interpretationen beziehungsweise Résumés resultieren lässt.

     

    Das innert dieser Filme oftmals präsentierte Verkehren von SS-Leuten mit weiblichen jüdischen Gefangenen ist nicht mehr als eine exploitative Legende, die absolut nichts mit der Realität zu tun hat. Robert Sommer behandelt diese Materie ausführlich in seinem Buch „Das KZ-Bordell“ und offeriert dem Interessenten ein reales Geschichtsbild, das dem Leser und Filmkonsumenten hilfreich zur Seite steht, um seinen Blick zu korrigieren respektive zu schärfen. Den SS-Mann, wie er in diversen SadicoNazista-Vehikeln dargestellt wird, hat es allein wegen der Nationalsozialistischen Rassenideologie niemals gegeben. Infolgedessen möchte ich den cineatischen Faden auch auf die richtige Spule verfrachten und behaupte, dass an die Stelle der Psychopathen und Sadisten des Exploitationfilms schwarz uniformierte SS-Leute des Zweiten Weltkrieges getreten sind, welche das Konzentrationslager als Bühne für Terror und Perversion nutzen und sich von der historischen Wahrheit deutlich entfernen.

     

    Das Filme wie „SS Hell Camp“, „SS Experiment Love Camp“ und „SS Camp: Women's Hell“ keine Chance besitzen den deutschen Markt zu erreichen, konfrontiert mich zudem mit einem Rätsel, denn das Gezeigte ist ungeachtet seiner exploitativen Ambitionen und seines Selbstzwecks fortwährend abschreckend. Den Filmkonsumenten wird somit die bestialische Vorgangsweise von SS-Leuten vorenthalten, was einhergehend die zuvor erwähnte Abschreckung durch das Abjekte verschenkt. Im Prinzip spielt man anhand dieser Vorenthaltung gar dem Lieblingsmotiv innert neonazistischer Distrikte, dem Leugnen des Holocaust, in die Karten.  

     

    Nazi(s)politation hatte seine Blütezeit in den späten 1960ern und den 1970er Jahren. Lee Frosts „Love Camp 7“ sowie Don Edmonds „Ilsa: She Wolf of the SS” zeigen sich als (ge)wichtige Paten für die italienische SadicoNazista. Gerade Zweitgenannter versorgte die italienischen Filmemacher mit einem guten Nährboden, um mindestens gleichermaßen geschmacklos zuwerke zu gehen. Dabei gilt es zu beachten, dass die dargestellten Nazibösewichte meist einer karikaturhaften Färbung unterzogen wurden. Richtig derbe Nazis offeriert „Gestapos last Orgy“, da dieser Film wirklich keine Gefangenen macht, auf eine Überspitzung seiner Figuren beziehungsweise Charaktere verzichtet und diese als extrem bösartige Individuen transportiert, die den Zuschauer - ähnlich wie es die Faschisten in „Salò“ erreichen - mit Unbehagen, Angst und Ekel befallen.

     

    Doch bevor ich nun zu weit vom Thema abweiche, zurück zu „SS Hell Camp“, dessen Regisseur, Luigi Batzella, der amerikanischen „Ilsa“ folgend, eine weibliche Figur in den Fokus rückt. Die lesbisch veranlagte KZ-Ärztin, Dr. Ellen Kratsch, die sich an den Liebesspielen ihres gezüchteten Affenmenschen aufgeilt, was dem Zuschauer anhand von widerwärtigen Kameranahaufnahmen serviert wird. Man darf deren Darstellerin, Macha Magall, übrigens mit einem ordentlichen Zeugnis bewerten, denn ihr strenges Erscheinungsbild passt bestens ins exploitative Hitlerdeutschland. Im selben Jahr (1977) agierte Magall übrigens als Madame Eva in Bruno Matteis „Private House of the SS Girls“.  Die Rolle des Affenmenschen ist mit Salvatore Baccaro ebenfalls gut besetzt, denn Baccaros Spiel ist einfach nur - und das ist nicht nur ein blöder Spruch - extrem ekelhaft.

     

    Die Story, die uns Batzella mit „SS Hell Camp” lanciert, ist hauchdünn und Genretypisch. Mehrere KZ-Insassen werden gefoltert sowie erniedrigt und hoffen auf den Einmarsch der Befreier. Bis es soweit ist, muss sich das Publikum allerdings einigen Leerlauf gefallen lassen. Zudem zeigt sich das verwendete Archivmaterial als - ich sage mal - unglücklich gewählt. Was jedoch im letzten Drittel an Sadismen geboten wird, ist nicht einfach zu durchleben und hinterlässt ein äußerst mulmiges Gefühl in der Magengegend, denn der Aufenthalt im Folterlabor demonstriert sich (auch wenn nicht alle Sadismen deutlich ausgespielt werden) als ausgesprochen heftig.

     

    Fazit: „SS Hell Camp” ist absolut nicht für jeden Filmfan geeignet, folglich sollte man bezüglich der Risiken und Nebenwirkungen den Klappentext lesen und gegebenenfalls vor (!) der Sichtung den Psychiater oder Psychotherapeuten checken lassen, ob sich eine Sichtung mit der seelischen Verfassung arrangieren lässt. Also „genießen“ Sie dieses Vehikel mit äußerster Vorsicht, denn die Folgen können ein unangenehmes Ausmaß annehmen.

  • Autor: Frank Faltin
  • Veröffentlichungen:

    Der Film wurde (auf europäischer Ebene) einzig in Schweden und Dänemark auf DVD veröffentlicht. Die dänische DVD ist um ca. 15 Sekunden (Dialog) gekürzt. Beide Auswertungen enthalten den italienischen sowie den englischen (teils asynchronen) Ton.

     

    Die Screenshots wurden von der dänischen DVD erstellt. 

  • Autor: Frank Faltin
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