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Die Mörderbestien

Italien, 1973

  • Originaltitel: La morte ha sorriso all'assassino
  • Alternativtitel:

    La muerte sonríe al asesino (ESP)

    La mort a souri à l'assassin (FRA)

    A Máscara da Mulher Fantasma (POR)

    Death Smiles on a Murderer (USA)

    Death Smiles at Murder

  • Regisseur: Joe D'Amato
  • Kamera: Joe D'Amato
  • Musik: Berto Pisano
  • Drehbuch: Claudio Bernabei, Joe D'Amato, Romano Scandariato
  • Inhalt:

    Die junge Greta von Holstein (Ewa Aulin) hat eine nicht ganz freiwillige Affäre mit ihrem buckligen Bruder Franz (Luciano Rossi). Als Dr. von Ravensbrück (Giacomo Rossi-Stuart) in ihr Leben tritt, nutzt sie die Gelegenheit von ihrem Bruder wegzukommen, doch sie stirbt bei der Geburt ihres gemeinsamen Kindes. Drei Jahre später verunglückt eine Kutsche vor dem Anwesen der von Ravensbrück, und Walter (Enzo Doria) und seine Frau Eva (Angela Bo) retten eine junge Frau aus dem Gefährt, die künftig bei ihnen lebt. Beide fühlen sich jedoch von der Unbekannten angezogen, und als diese nicht nur mit Eva sondern auch mit Walter schläft, mauert Eva sie aus Eifersucht im Keller ein. Bei einem Maskenball taucht die Totgeglaubte aber plötzlich wieder auf und übt Rache an Eva. Zu deren Beerdigung reist auch Dr. von Ravensbrück an, der nach dem Tod seiner Geliebten und ihrem ungeborenen Kind den Landsitz verließ. Auf dem Friedhof entdeckt er Walters Unbekannte – es ist seine Frau Greta.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Eine Inhaltsangabe zu diesem Film zu schreiben, ist gar nicht so einfach, denn eine der großen Faszinationen dieser Regiearbeit von Joe D’Amato – die er unter seinem richtigen Namen Aristide Massaccesi inszenierte – ist seine geheimnisvolle Aura, die mit Mysterien zu überzeugen versteht, diese aber nur mangelhaft erklärt. Als Background-Story dient ein Amulett, welches Greta nach ihrem ersten Tod um den Hals trägt, und das eine geheimnisvolle Inka-Formel zur Unsterblichkeit eingraviert hat. Das erklärt aber noch lange nicht alles – und ich werde es gar nicht erst versuchen. Lange Zeit dachte man auch, „Die Mörderbestien" wäre D’Amatos erste Regiearbeit gewesen, tatsächlich drehte hatte er bereits fünf Filme als Regisseur gedreht, lehnte bis dahin einen Regie-Credit allerdings ab, da er befürchtete, diese ersten eher durchwachsenen Arbeiten könnten seiner Karriere als Kameramann schaden.

     

    Nach einer Idee von Joe D’Amato (1 Seite) verfasste er das endgültige Drehbuch unter dem Arbeitstitel „Sette strani cadaveri“ mit Romano Scandariato, Claudio Bernabei tippte das Ganze anscheinend nur ab, wurde aber trotzdem als Co-Autor genannt. Während in den Credits der Kinofassung nur Oscar Santaniello als Supervising Producer genannt ist, war der eigentliche Geldgeber Franco Gaudenzi, für den D’Amato nur kurze Zeit später auch zusammen mit Luigi Batzella „The Devils Wedding Night“ (Il plenilunio delle vergini, 1973) drehte. Es sei nicht zuletzt die Verlockung der damals recht bekannten Namen Klaus Kinski und Ewa Aulin gewesen, die D‘Amato dazu brachten, seine erste Horror-Regiearbeit unter seinem richtigen Namen zu veröffentlichen. Gedreht wurde von November bis Dezember 1972, Claudio Bernabei behauptet gar, die Dreharbeiten hätten nur 8 Tage gedauert, was nicht sehr wahrscheinlich ist, da allein schon die Szenen mit Kinski zwei Tage in Anspruch nahmen. Die Außenaufnahmen entstanden im Palazzo Patrizi in Castel Giuliano nahe Bracciano, die Innenräume zeigen dagegen die Villa Parisi in Frascati.

     

    Klaus Kinskis war nicht der einzige Exzentriker am Set. Luciano Rossi soll damals ein sehr lieber Mensch gewesen sein, der aber seine Macken hatte, welche sich mit fortschreitendem Alter verstärkten. Nach seiner Filmkarriere steigerten sich sowohl seine physischen als auch seine psychischen Probleme, zeitweilig lebte er freiwillig in einer psychiatrischen Klinik. Er starb im Jahr 2005 in seinem Geburtsort, den er in seinen letzten Jahren als eine Art Landstreicher heimsuchte. Eine bekannte Anekdote zu den Dreharbeiten von „Die Mörderbestien“ platziert die Exzentrizität allerdings eher auf D’Amatos Seite, denn nachdem die Szenen, in der Rossis Figur von einer Katze angegriffen wird, wiederholt fehlschlug, warf er die Katze einfach in Rossis Gesicht. Auch sonst wurde aus verschiedensten Gründen am Set improvisiert. Die beiden erotischen Szenen mit Ewa Aulin standen keineswegs im Drehbuch, andere unheimliche Szenen aus dem Skript wurden aus Kostengründen fallengelassen. Luciano Rossis Agent bekam eine Nebenrolle, die des wiedererweckten Toten auf Kinskis Operationstisch. Der Titel „Sette strani cadaveri“ wurde schließlich vom Vertrieb geändert und den zu der Zeit recht erfolgreichen Luciano Ercoli-Gialli nachempfunden.

     

    Inhaltlich ist D’Amatos „Die Mörderbestien“ stark an die italienischen Gothic-Horrorfilme angelehnt, auch Poe-Referenzen fehlen nicht. Bei der Umsetzung erinnert er zeitweilig eher an einige amerikanische Grindhouse-Horrorfilme der Siebziger, zeigt dem Zuschauer unheimliche Begebenheiten, weitgehend ohne diese durch unglaubwürdige Erklärungen zu trüben. Man denke da an Filme wie Robert Voskanians „Tochter des Bösen“ (The Child, 1977) oder S. F. Brownriggs „The Forgotten“ (Don‘t look in the Basement, 1973). Das liegt nicht zuletzt an dieser seltsam lebensfernen depressiv-düsteren Aura, die von dem einzigartigen Berto Pisano-Soundtrack unterstrichen wird. Kameratechnisch könnte man „Die Mörderbestien“ eine gewisse Willkür unterstellen, denn so sorgfältig manche Szenen von Massaccesi selbst gefilmt wurden, so schlampig wirken dagegen andere. Das Geheimnis dieses wechselhaften Eindrucks liegt in D’Amatos Vorliebe für Handheld-Shots. Die Gewaltausbrüche des Films sind ebenfalls recht krude umgesetzt, doch all dies trägt zur Atmosphäre bei, von der dieser Film lebt. In den Kinos war dieser erste Horrorfilm D’Amatos allerdings nicht sehr erfolgreich.

     

    Bei der Darstellerauswahl finden sich ebenfalls Gegensätze. Kinski in einer kurzen, nicht sehr vielsagenden Rolle, aber das schadet ihm natürlich nicht, seine Präsenz bleibt im Gedächtnis, wie immer. Ewa Aulin ist schlichtweg wundervoll, und Angela Bo als ihre von Eifersucht geplagte Geliebte fügt sich gut neben ihr ein. Giacomo Rossi-Stuart ist in die Jahre gekommen, erwähnenswert ist noch der diesmal etwas längere Part von Carla Mancini als Hausangestellte Gertrude, der von einem unbekannten Mörder mit einer Schrotflinte das Gesicht zerschossen wird. Als Inspektor Dannick das Charaktergesicht von Attelio Dottesio, dessen Namen ich jedes Mal erst googlen muss, wenn ich ihn in einem Film sehe – der hätte sich ein Pseudonym zulegen sollen, damit man sich besser an ihn erinnert. Kinskis stummer Assistent wird von Pietro Torrisi dargestellt. Eine absolut grässliche Fehlbesetzung ist der farblos-wellhaarige Schnurrbartträger Sergio Doria als männlicher Hauptpart. Sollte ich den je in einem anderen Film gesehen haben, erinnere ich mich nicht.

     

    „Die Mörderbestien“ ist sicher nicht Joe D’Amatos unterhaltsamster Film, aber eine seiner eindrucksvollsten Regiearbeiten.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Veröffentlichungen:

    „Die Mörderbestien“ erschien im Mai 2018 unter dem Titel „Death smiles on a Murderer“ auf Blu-ray bei Arrow Video in einer 2K-Abtastung, die nichts zu wünschen lässt. Neben englischsprachigem Dubbing ist italienischer Ton vorhanden, hierzu wurden Untertitel erstellt, die auch dem italienischen Original entsprechen – also kein Dubtitles. Neben einem Audiokommentar von Kritiker und Autor Tim Lucas gibt es im Bonusmaterial einen kurzen Interviewausschnitt mit Joe D’Amato von 1999, welcher ausschließlich seine Schilderungen zur Arbeit an „Die Mörderbestien“ enthält. In dem neu gefilmten Beitrag „All About Ewa“ erzählt Ewa Aulin von ihrer gesamten Filmkarriere. Das Video-Essay „Smiling on the Taboo: Sex, Death and Transgression“ von Kat Ellinger beschäftigt sich mit D’Amatos Arbeit an Horrorfilmen. Die Erstpressung der Blu-ray enthält zudem ein Booklet mit neuen Texten von Stephen Thrower und Roberto Curti zu „Die Mörderbestien.“ Was noch? Trailer zum Film und eine Bildergalerie. Insgesamt eine sehr gelungene Veröffentlichung.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Filmplakate

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