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Spaghetti House

Italien, 1982

Originaltitel:

Spaghetti House

Alternativtitel:

Spagetti-ház (HUN)

Regisseur:

Giulio Paradisi

Inhalt

Domenico Ceccacci (Nino Manfredi) arbeitet als Angestellter der Londoner Restaurantkette „Spaghetti House“, wo es Fertignudeln mit Fertigsauce, serviert von italienisch-stämmigem Aushilfspersonal, gibt. Er will ein eigenes Restaurant eröffnen, in dem richtiges italienisches Essen gekocht wird und versucht hierzu vier seiner Kollegen zu überreden, sich an dem geplanten Kauf zu beteiligen. Doch seine Kollegen sind zögerlich, und gerade da sie sich endlich entschieden haben, wird das „Spaghetti House“ Opfer eines dilettantischen Überfalls. Domenico und seine Kollegen werden im von der Polizei belagerten Vorratsraum zu Geiseln dreier Farbiger, die sich als Aktivisten ausgeben, weil sie sich so geringere Haftstrafen erhoffen. Doch die Rechnung geht nicht auf.

Review

SPAGHETTI HOUSE ist eine italienische Komödie nach einem Drehbuch von Age & Scarpelli, welches auf dem sogenannten „Spaghetti House Siege“ beruht. Am 28. September 1975 stürmten drei Farbige ein Restaurant der Kette Spaghetti House, um dieses auszurauben. Doch der Manager, welcher gerade die Tageseinnahmen abholt, versteckt den Geldkoffer, ihm gelingt die Flucht, und die Polizei ist im Nu vor Ort. Die Täter und ihre Geiseln sind vom 28. September bis zum 3. Oktober 1975 in einem Lagerraum verschanzt, ohne jede Aussicht auf Entkommen. Von nun an ist Vorsicht geboten, was die Tatsachen des Falls betrifft. Denn die britische Justiz verhängte am Ende der Geiselnahme drakonische Gefängnisstrafen für die drei Täter und zwei weitere angebliche Komplizen von Außen, und Giulio Paradisis Film erzählt die Geschichte etwas anders als Justiz und englische Presse.

 

Dem Film gelingt eine geschickte Gradwanderung zwischen Comedy, Krimi und Drama. Trotz scherzhafter Dialoge und einer aufkeimenden Sympathie zwischen Geisel Ceccacci und dem Anführer der Geiselnehmer Martin (Rudolph Walker) ist die Ausweglosigkeit der Situation greifbar. Zunächst ist es nur ein Überfall. Erst als die Gangster im Lagerraum gefangen sind, fassen sie den Plan, sich als Aktivisten auszugeben, welche für die englische Polizei freilich Terroristen sind. Aus Martin wird Commander Martin, die Justiz würde die Sympathie zwischen ihm und der Geisel Ceccacci später dem Stockholm-Syndrom zuschreiben. Wie Martin auf die Idee kommt, als Aktivist/Terrorist eine geringere Strafe zu erhalten, ist schwer nachvollziehbar, scheint den Bedrängten in ihrer verzweifelten Lage allerdings plausibel.

 

Fakt ist, dass das Verhältnis zwischen Geiselnehmern und Polizei ebenso entspannt verlief wie zwischen Geiselnehmern und Geiseln. Der Einsatzleiter würde später vor Gericht zugunsten Martins aussagen, der dennoch eine Gefängnisstrafe von 22 Jahren erhielt, seine Mittäter je 18 und 17 Jahre. Im Film besucht Ceccacci, hervorragend gespielt von Nino Manfredi, „Commander“ Martin vor der Urteileverkündung im Gefängnis, um ihm für die Zeit nach seiner Entlassung einen Job anzubieten. Tatsächlich – im Film wie in der Realität – kam es zu diesem Überfall, weil Martin inmitten einer Arbeitslosenkrise vergeblich nach Beschäftigung suchte.

 

Am Ende wird es keine Toten geben. Am 3. Oktober werden die Geiseln unverletzt freigelassen, und die Täter stellen sich. Der einzige Verletzte wird Martin sein, der sich selbst einen Bauchschuss zugefügt haben soll. Stark sind die schauspielerischen Leistungen der vier Hauptakteure. Neben Nino Manfredi können Rudolph Walker, Eddie Tagoe und Elvis Payne als Geiselnehmer punkten, die übrigen italienischen Darsteller, welche die weiteren Geiseln verkörpern, sind so lala. In einer Nebenrolle ist Rita Tushingham als Ceccaccis Ehefrau Kathy zu sehen.

 

Ebenso eigenwillig wie passend ist die Musik von Gianfranco Plenizio, welche aus gewollt schäbig klingenden Verdi-Adaptionen besteht. Der Film ist halt auch ein wenig Italo-Satire. Produzent war Fernando Ghia für Vides, Verleiher Titanus Film.

 

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