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Il signor Diavolo

Italien, 2019

Alternativtitel:

Pan Diabeł (POL)

Regisseur:

Pupi Avati

Inhalt

Italien 1952:

Furio Momenté (Gabriel Lo Giudice) vom Ministero di Grazia e Giustizia wird mit einem heiklen Auftrag bedacht. In der kleinen Inselsammlung Lio Piccolo nahe Venedig hat der 14-jährige Carlo den deformierten Gleichaltrigen Emilio getötet, welchem man in der Gemeinde nachsagt, er sei ein Kind des Teufels gewesen. Emilio wiederum soll nämlich nur einige Jahre zuvor seine kleine Babyschwester mit seinem schweinsähnlichen Gebiss zerfleischt haben.

 

Der Auftrag erweist sich als deshalb so heikel, weil christdemokratische Regierung und auch die katholische Kirche nur ungern mit einem Fall konfrontiert werden möchten, in welchem sie sich offen gegen abergläubische Machenschaften eines katholischen Seitenarms stellen müssten, auch wenn der derzeitige Papst sich offiziell von solchen Unterarten des Katholizismus lossagen möchte.

 

Nicht zu Unrecht fragt sich also Furio Momenté, warum man ausgerechnet ihn mit den Ermittlungen betraut, obwohl seine Vorgesetzten bisher nur wenig Vertrauen in seine Fähigkeiten gezeigt haben. In Venedig angekommen, beginnt er mit seinen Recherchen, die er absolut anonym betreiben soll, doch schon nach zwei Tagen fliegt er auf. Den Rückruf seiner Vorgesetzen ignoriert er jedoch.

 

Momenté ist entschlossen, dem Geheimnis auf den Grund zu kommen, selbst wenn es ihn seine Karriere kostet – oder das Leben.

Review

„Warum nennst Du ihn „Signor“ Diavolo?“

„Weil man dem Bösen mit Respekt begegnen muss“

 

2019 kehrte Regisseur Pupi Avati mit diesem Film zur Horror-Thematik zurück. Mehr oder weniger. Produziert von der Avati-eigenen Duea Film in Zusammenarbeit mit RAI Cinema entstand IL SIGNOR DIAVOLO, basierend auf einem Roman von Pupi Avati, welchen er zusammen mit seinem Sohn Tommaso und seinem Bruder Antonio zu einem Drehbuch gestaltete.

 

Wer Avatis Filme mit Thriller-Thematik kennt, weiß ungefähr, was ihn erwartet. Ein unheimlicher Film, mit einer Story voller Geheimnisse und Aberglauben. Viele Fragen und wenig Antworten. Verlegen wir also das Fazit vor und fragen, ist IL SIGNOR DIAVOLO denn nun wirklich ein Horrorfilm? Das liegt im Auge des Betrachters, Die entsprechenden Stilmittel werden genutzt, und wenn man bedenkt, das Avati angekündigt hat, IL SIGNOR DIAVOLO sei nur der Beginn ganzen Zyklus mit ähnlicher Thematik (nun befinden sich allerdings zwei andere Avati-Projekte in der Post-Produktion), war er sich dieses Potenzials bewusst. Seine Intention – vor allem als Autor des Romans – scheint jedoch eine andere gewesen zu sein. Es geht um Aberglauben, angeheizt durch die Lügen einer Person, die mit diesen Geschichten das Leben anderer zerstört. Aber was solls – wenn man dies wie einen Horrorfilm erzählt, dann ist es ein Horrorfilm.

 

Stilistisch knüpft Pupi Avati schier nahtlos an DAS HAUS DER LACHENDEN FENSTER (La casa dalle finestre che ridono, 1976) an. Ein Außenseiter ist in ihm fremder Umgebung einem Geheimnis auf der Spur, das ihn seinem unausweichlichen Ende zuführt. Das Motiv des Hauptprotagonisten Furio Momenté wird dabei vage angedeutet. Er will seinen Vater mit Stolz erfüllen, auch wenn der schwer demente Mann den erhofften Erfolg seines Sohnes nicht mehr wahrnehmen wird. Doch Furio möchte natürlich auch sich selbst beweisen, denn wie der Zuschauer in einer Rückblende erfährt, war diese Vater/Sohn-Beziehung nicht von Liebe und Zuneigung geprägt. Momentés Ermittlungen rahmt Avati in verstörende Rückblenden, schöne aber einsame Landschaftsaufnahmen, untermalt von bedrückender Musik aus der Feder von Amedeo Tommasi (1935 – 2021).

 

Die Leistungen der Darsteller sind allesamt überzeugend. Neben den Hauptdarstellern Gabriel Lo Giudice und dem 13-jährigen Filippo Franchini als Carlo gibt es unter anderem ein Wiedersehen mit Ciara Caselli als einflussreiche Mutter des deformierten Emilio, Lino Capolicchio als Gemeindepriester und Alessandro Haber als Pater Amedeo. Die wichtige Rolle des Mesners Gino wurde mit Gianni Cavina besetzt, der ebenso wie Lino Capolicchio schon in Avatis DAS HAUS DER LACHENDEN FENSTER dabei war. Die Spezial-Effekte stammen von Sergio Stivaletti, das Editing übernahm Ivan Zuccon.

 

Wie bereits erwähnt, knüpfte Pupi Avati mit IL SIGNOR DIAVOLO stilistisch an frühere Achtungserfolge an. Das bedeutet, dass Fans seiner Klassiker ihre Freude haben werden, Zuschauer mit modernen Sehgewohnheiten werden dagegen wohl einnicken. Aber ich bin alter Sack, und so ist IL SIGNOR DIAVOLO für mich der beste Film, den ich diesen Monat gesehen habe.

 

An seinem Debütwochenende am 22. August 2019 belegte IL SIGNOR DIAVOLO den dritten Platz an den italienischen Kinokassen und brachte es insgesamt immerhin auf Einnahmen von 1.075.486 Euro. Und während die Kritik seinerzeit DAS HAUS DER LACHENDEN FENSTER noch verschlafen und erst später für sich entdeckt hat, dürfte sich Avati bei IL SIGNOR DIAVOLO von Anfang an über weitgehend positive Reviews freuen.

Links

OFDb

IMDb

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