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Schlager mit Caterina

Italien, 1966

Originaltitel:

Perdono

Deutsche Erstaufführung:

9. August 1968

Inhalt

Federico (Fabrizio Moroni) und Laura (Laura Efrikian) arbeiten nach wie vor im Kaufhaus La Standa und sind nun verlobt. Während Nachtwächter Antonio (Nino Taranto) und Chefsekretärin Adelina (Clelia Matania) auf Hochzeitsreise quer durch Italien sind, vertritt Laura diese im Sekretariat, wodurch sie nur wenig Zeit für Federico hat. Der bessert derweil seine Englischkenntnisse auf, gemeinsam mit Lauras Cousine Caterina (Caterina Caselli), deren Karriere als Sängerin Fortschritte macht. Da Caterina ihm mehr Aufmerksamkeit schenkt, beginnt sich Federico in sie zu verlieben. Laura ahnt nicht, dass sie im Begriff ist, Federico zu verlieren.

Review

SCHLAGER MIT CATERINA (Perdono, 1966) ist eine Produktion der Mondial Televisione Film und die Fortsetzung von NO ONE CAN JUDGE ME (Nessuno mi può giudicare, 1966). Regie führte erneut Ettore Maria Fizzarotti, die Besetzung blieb nahezu gleich (einige Rollen wurden verkleinert), und so erwartet man als Zuschauer noch mal das Gleiche in Grün – was gut wäre. Doch bei dem Versuch des konservativen Studios, die Dreiecks-Geschichte für den Zuschauer plausibel zu machen, führt man Charakteränderungen durch, die das Gesamtergebnis mitunter problematisch machen.

 

Zuerst zum Positiven. Laura Efrikian hat sich vom unnatürlichen Blond verabschiedet, trägt brünett und sieht so viel erwachsener aus. Caterina Caselli singt nach wie vor ein paar schöne Songs, doch – bedingt durch genannte Charakteränderung – leider auch ein paar Belanglosigkeiten. Milena Vukotic hat einen Gastauftritt als ebenso strenge wie begehrenswerte Englischlehrerin. Die Sideline um die Fahrprobleme des Kaufhaus-Managers (Gino Bramieri) wird in amüsanter Weise fortgesetzt. Nach dem Verlust seines Führerscheins steigt er zunächst auf Pferdekutschen um, versucht sich schließlich gar als Fußgänger, doch seine Neigung zu Unfällen will nicht abreißen.

 

Das frischgebackene Ehepaar Antonio und Adelina hat nach der Hochzeitsreise seine Problemchen. Antonio zieht bei seiner Frau ein, und in jeder Ecke lauern die Erinnerungen an Adelinas verstorbenen Ex-Gatten. Ein ähnliches Desaster entfaltet sich um den Standa-Manager und seiner Angebeteten Tilde (Marisa del Frate). Genannte Ereignisse sind zunächst überaus komisch für den Zuschauer, die Botschaft dahinter allerdings fragwürdig: Vorsicht vor Witwen? Lasst Euch nicht mit einer Witwe ein? Egal, nehmen wir das nicht ernst.

 

Kommen wir nun zur Dreiecksgeschichte. Erinnern wir uns an den Vorgänger NESSUNO MI PUÒ GIUDICARE: Federico ist ein sehr Netter, hat Verständnis für alles und jeden, ist stets hilfsbereit und scheint frei von Egoismus. Laura ist jung, unschuldig und konservativ, legt großen Wert auf ihre Arbeit, geht darin auf. Lauras Cousine Caterina will Sängerin werden, ist rebellisch und hat ein loses Mundwerk. Nun ist das eine perfekte Ausgangssituation für eine Dreiecksgeschichte. Federico könnte sich von dem lebhafteren und rebellischen Charakter Caterinas angezogen fühlen, während sein graues Mäuschen vorläufig auf der Strecke bleibt. Doch die Story geht andere Wege, wohl um bestimmten Klischees zu folgen, und dadurch werden ein paar Einzelheiten uncharmant.

 

Federico: sein Motiv sich in eine Andere zu verlieben ist ein rein Altruistisches. Laura arbeitet während ihrer Urlaubsvertretung Adelinas zu viel, Federico steht nicht im Mittelpunkt und fühlt sich zurückgesetzt. Ein rein egoistisches Motiv also. Das macht den netten Federico plötzlich sehr unsympathisch. Dies setzt sich später fort, als Caterina plötzlich einmal von Fans umringt wird, denn Federico will sich umgehend aus dem Staub machen, da er mal wieder nicht im Mittelpunkt steht. Caterina: doch wie kann sich so ein Netter wie Federico in die rebellische, schnoddrige Caterina verlieben? Gar nicht. Und so wird sie in dieser Fortsetzung einer ordentlichen Verbravung ausgesetzt. Auch einige ihrer Lieder zollen dem Tribut. Stark sind jedoch die tragischen Momente. Denn um die Situation schließlich zu lösen, verzichtet sie auf ihr eigenes Liebesglück, was dem Titelsong „Perdono“ diesmal dramatische Züge verleiht. Während im Vorgänger selbiges Lied zu einem uneingeschränkten Happy End führte, wird diesmal deutlich, dass Caterina – trotz Entschuldigung - als Leidtragende einsam zurückbleibt.

 

Und Laura? Während der Versöhnung möchte man ihr als Zuschauer der Gegenwart zurufen, um Gottes Willen, mache es ihm doch nicht so leicht, lass ihn ein paar Tage zappeln, denn er hat sich falsch verhalten. Doch wenn ein Mann sich zurückgesetzt fühlt, hatte in jenen Tagen eben die Frau Schuld.

 

Trotzdem ist PERDONO ein sehr sehenswertes Musicarello, dass seinerzeit in der DDR gar im Kino gezeigt wurde – wobei ich mir die Verwirrung der Zuschauer vorstellen kann, die eben den ersten Teil nicht kannten und sich über das zügige Tempo gewundert haben dürften, mit denen die Charaktere wie selbstverständlich Handlungen fortsetzten, die auf den Vorgänger zurückgehen. In Italien kursierte sowohl im TV als auch auf DVD eine auf 90 Minuten heruntergekürzte Version des fast zweistündigen Films. Das könnte auch die Erklärung für einige Tonprobleme der auf Netflix gezeigten Uncut-Fassung sein, bei der einige Szenen – leider gerade an musikalischen Stellen – durch minderwertigere Tonqualität auffallen. Hat man da was zusammengebastelt?

 

Caterina Caselli performt acht Songs. Eher schwächlich kommen dabei „Kicks“, Oh no“, „Cantastorie“ und „Puoi farmi piangere“ daher. Ganz stark: „Tutto nero“ (Paint it Black), „L’uomo d‘oro“ und meine Favoriten „Cento giorni“ und „Perdono“. Letzteren gab es bereits in NESSUNO MI PUÒ GIUDICARE zu hören, ein Wiedersehen und – hören mit „Cento giorni“ erfolgte ein Jahr später in Ferdinando Baldis ICH PROTESTIERE NICHT, ICH LIEBE (Io non protesto, io amo, 1967).

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