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Ein Loch im Dollar

Frankreich | Italien, 1965

Originaltitel:

Un dollaro bucato

Alternativtitel:

Un dólar agujereado (ESP)

Le dollar troué (FRA)

One Silver Dollar (SWE)

Blood for a Silver Dollar (USA)

Deutsche Erstaufführung:

16. März 1966

Regisseur:

Giorgio Ferroni

Inhalt

Nach dem Ende des Bürgerkrieges wird der Offizier der Südstaaten Gary O’Hara ehrenhaft aus der Gefangenschaft entlassen. Zusammen mit seinem Kumpel macht er sich auf den Weg nach Hause. Stopp, stimmt nicht, das war DER MANN AUS VIRGINIA. In diesem hier Film trennt er sich von seinem Bruder und reitet allein nach Hause, nach Virginia. Doch zuhause terrorisieren Gangster den Ort und … Stopp, stimmt nicht, das war RINGO KEHRT ZURÜCK. Hier findet er zuhause seine hübsche Frau, verlässt diese aber alsbald wieder, um nach Yellowstone zu seinem Bruder zu reiten, wo er auf einer Bande trifft die den Ort terrorisiert undsoweiterundsofort … Mit einem Unterschied: Hier wird ihm der Anführer der Gangster als Bösewicht vorgestellt, und für 500 Dollar darf er diesen Anführer erschießen. Erst im letzten Augenblick merkt er, dass dieser Mann sein Bruder ist, doch zu spät: Ein paar Kugeln später sind beide tot. Die Gangster schmeißen die beiden Leichen auf den Wagen einer vorbeikommenden Siedlerfamilie, und diese sollen die beiden Toten begraben. Im letzten Augenblick bemerken sie, dass der eine der beiden noch lebt und päppeln ihn wieder hoch. Gary will jetzt Rache, hat dabei aber das Problem, dass seine Frau in vier Tagen aus Virginia kommen wird, und bis dahin muss der Ort befriedet sein damit seiner Holden nichts passiert. Normalerweise hat Wells Fargo & Co. auch immer Verspätung, aber dieses Mal leider nicht. Gary schmuggelt sich bei den Banditen ein und ahnt nicht, dass seine Frau gleichzeitig den Chefs der Bösewichter in die Hände fällt und abgerichtet werden soll.

Autor

Maulwurf

Review

Hm, eigentlich fand ich den nett. So mit guter Action, und gerne gesehenen Darstellern, und schmissiger Musik, und allem was so dazugehört. Kein Highlight unter den Italo-Western, man beachte immerhin das Entstehungsjahr, aber nett. Jetzt beim Schreiben merke ich aber, dass EIN LOCH IM DOLLAR durchaus mehr zu bieten hat als nur das Adjektiv nett. Da wäre zum Beispiel Tullio Altamura, der als rechte Hand des Oberbösewichts Pierre Cressoy eine dermaßen miese und schmierige Type gibt, dass man sich hinterher ausgiebig waschen möchte. Teilweise ist die angewendete Gewalt gar nicht so ohne, vom psychologischen Aspekt her gesehen. Da werden die beiden Brüder aufeinandergehetzt (und sterben gemeinsam in einer hinreißend choreografierten Szene: Demofilo Fidani meets John Woo), und die Leichen werden bei den vorbeikommenden Siedlern mal eben auf den Wagen geworfen. Auch ist die Action gut gemeint inszeniert, wenngleich da nicht immer alles passt: Wenn Giuliano Gemma und Nello Pazzafini als Sportler und Ex-Stuntman sich prügeln, dann kann man schon was erwarten. Dummerweise macht die Kameraführung da nicht mit, die zeigt nämlich statisch und langweilig die Fußsohlen der Kontrahenten und wirft sich so gar nicht ins Geschehen. Schade drum …

 

Womit wir bereits zu den typischen Charakteristika eines Ferroni-Films kommen. Die Figuren sind gut gezeichnet und lebensecht, aber sie kommen leider nicht richtig plastisch rüber. Die Geschichte wirkt uninteressant, auch wenn sie das gar nicht ist, die Regie ist leidenschafts- und die Kamera einfallslos. So leid es mir tut, aber die gleiche Story mit denselben Darstellern, inszeniert von einem Sergio Corbucci und mit Bildern von Tonino Delli Colli, wäre ein absoluter Klassiker geworden. So aber sehen wir an verschiedenen Eckpunkten der Geschichte die immergleiche Landschaft aus den immergleichen Perspektiven, was dann schnell zu gewissen Abnützungserscheinungen führt. EIN LOCH IM DOLLAR ist nicht schlecht, aber wirklich gut geht eben auch anders. Im Booklet der VZ-Blu-ray wird der Film als Hybrid zwischen dem US- und dem Italo-Western beschrieben, und das trifft es sehr gut. Auf der einen Seite haben wir geschwätzige Szenen in traditionellen Umgebungen wie einem Saloon oder einer Farm welche mühsam die Handlung voranbringen, auf der anderen Seite auch mal die Andeutung einer brutalen Folterung eines Farmers. Kleidung und Ausstattung sind eher altbacken, dafür bekommt der Held auch mal ganz schön was in die Fresse. Na gut, das ist bei den US-Western auch nicht anders, aber dass Gemma das letzte Drittel komplett mit sehr hässlichen Wunden im Gesicht herumläuft, zeigt doch eher die beginnende Tendenz zur ausgeprägten Brutalität. Ehre im Leib haben hier jedenfalls die wenigsten …

 

EIN LOCH IM DOLLAR ist Massenware mit gut aufgelegten Schauspielern, und dürfte auf der großen Leinwand wahrscheinlich erheblich besser wirken als auf der kleinen Glotze. Also warten wir mal auf das nächste große Western-Festival im Kino, und machen uns bis dahin Gedanken darüber, dass man, wenn man die Reihenfolge beachtet in der Filme gedreht wurden, zwischen EIN LOCH IM DOLLAR und DER MANN AUS VIRGINIA die ein oder andere spannende Parallele findet. Und mit diesen beiden Eckpunkten den Werdegang des Kinos im Allgemeinen und des Italo-Westerns im Besonderen ziemlich gut beschreiben kann …

Autor

Maulwurf

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