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Leise töten die Spione

Italien | Spanien, 1966

Originaltitel:

Le spie uccidono in silenzio

Alternativtitel:

Os Espiões Matam em Silêncio (BRA)

Djævlebanden i Beirut (DNK)

Los espías matan en silencio (ESP)

Ombres sur le Liban (FRA)

Spionnen doden in Stilte (NLD)

Os Espiões Matam em Silêncio (PRT)

Spies Strike Silently (USA)

Spies Kill Silently

Deutsche Erstaufführung:

24. November 1966

Regisseur:

Mario Caiano

Kamera:

Julio Ortas

Inhalt

Die Ermordung von Professor Freemans Tochter gibt der Polizei von Beirut ein bislang unlösbares Rätsel auf. Nun soll der eben von einem Spezialauftrag aus Tokio zurückgekehrte Geheimagent Michael Drum mittels seiner Scharfsinnigkeit endlich die ins Stocken geratenen Glühbirnen reaktivieren und Licht ins Dunkel bringen. Drums direkte Kontaktmänner sind Craig, seines Zeichens Polizeiinspektor der Botschaft ihrer Majestät Königin Elizabeth II. von England, und Sergeant Henry Brook. Craig klärt Drum darüber auf, dass Professor Freeman seit geraumer Zeit mit Drohbriefen (welche Freeman auffordern, umgehend seine Versuche auf dem Gebiet der Krebsforschung einzustellen) traktiert wird. Das Freeman die Drohbriefe allesamt missachtete und weiterforschte, kostete seiner Tochter das Leben. Doch wer sind die Täter? Wer kann ein Interesse daran haben, dass die Krebsforschung eingestellt wird? Aus Drums Ermittlungen kristallisiert sich schnell heraus, dass die britische Botschaft nicht mit offenen Karten spielt, denn schlussendlich ist nicht nur Professor Freeman in Gefahr, sondern…

Review

LEISE TÖTEN DIE SPIONE ist die erste wie einzige Eurospy-Inszenierung unter der künstlerischen Leitung von Mario Caiano. Der Film erreichte 1966 die italienischen wie bundesrepublikanischen Lichtspielhäuser. Ergo in einer Zeit als dem Kinopublikum bereits vier Bond-Filme (NO, MOSKAU, FINGER, BALL) bekannt waren. Warum ich das schreibe? Weil je nach Kameraperspektive und Beleuchtung das Profil von Agent (diesmal nicht mit der individuellen Agentennummer ausgestattet) Michael Drum (gespielt von Lang Jeffries) dem von Sean Connery ähnelt. Connery war seit jeher in den europäischen Agentenfilmen bzw. kostengünstigen Bond-Adaptionen ein über die Maßen geschätztes Vorbild - auch wenn seine Nachahmer freilich nicht einmal annährend Connerys Klasse erreichen konnten. Die Italiener überredeten 1966 oder 1967 gar Seans acht Jahre jüngeren Bruder Neil Connery in Alberto De Martinos OPERATION KLEINER BRUDER mitzuwirken. Die Gage betrug ein Fünfzigstel von dem, was der große Bruder einstrich. Der Name Connery war halt Programm wie Zuschauermagnet, und der vormals in Edinburg als Stuckateur und Fotograf werkende Neil Connery trat im genannten Film unter eben diesem, seinem bürgerlichen Namen auf. OPERATION KLEINER BRUDER macht übrigens viel Freude und ist nicht allein wegen Daniela Bianchi, die ich ganz toll finde, eine empfehlenswerte Veranstaltung.

 

Zu einer derartigen Sause (wie sie OPERATION KLEINER BRUDER begeht) kann LEISE TÖTEN DIE SPIONE zwar nicht aufspielen, aber der Film geht mit einem recht schmissigen Leitmotiv an die Startlinie, welches den Glauben wie die Hoffnung an bzw. auf ein ordentliches wie unterhaltsames Agentenvehikel stärkt. Einhergehend führt uns das Auge der Kamera durch die Straßen von Beirut. Hierbei wird es sich allerdings um Archivmaterial handeln, denn ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Caiano die Szenen tatsächlich on location fotografieren ließ, da das meines Erachtens eher geringe Filmbudget so einen Trip nicht wirklich zugelassen hätte.

 

Inmitten des propagierten Beirut kommt es zu der Ermordung von Professor Freemans Tochter. Simultan erlangt die Zeitschrift Spiegel die Eigenschaft als Informationsübermittler. Das mag sich jetzt panne anhören, aber so ist nun mal der Filmauftakt gestrickt, denn es werden Fragen aufgeworfen, die auf den ersten Blick keinen gemeinsamen Terminus erkennen lassen. Eine fürs Genre übliche nebulöse Konstellation, die innert der Exposition mittels der üblich simplen Erläuterungen aufgehellt wird. Währenddessen lernen wir unsere Identifikationsfigur (der Spezialagent Michael Drum) kennen, dessen deutsche Stimme Heinz Drache geschuldet ist. Draches markante wie unverkennbare Art zu reden inkludiert auch diesmal jene Klugscheißereien mit denen er uns in den Edgar Wallace-Filmen, im Besonderen DAS INDISCHE TUCH, so manch amüsante Momente spendierte. Weitere Sprecherrollen besetzte die Berliner Union Film GmbH & CO. KG mit Marquis, Draeger, Brunnemann wie auch Petruo.

 

Der dank Drache nicht auf den Mund gefallene Geheimagent Michael Drum ermittelt in einen kniffligen Fall, der den Body Count sukzessive ansteigen lässt. Auch angesehene Wissenschaftler wie der russische Physiker Dalinow und der amerikanische Forscher Clark mussten bereits ihr Leben lassen. Nun gilt es zu verhindern, dass Professor Freeman ein ähnliches Schicksal erleidet. Freeman agiert als eine Koryphäe innert der Krebsforschung, ergo als jemand, der der Menschheit helfen will. Doch eben diese Arbeit soll der Gelehrte wie Lehrende nun unterbinden, ansonsten will man ihm - wie zuvor seiner Tochter - das Lebenslicht aushauchen.

 

Die deutsche Nachkriegsgeschichte wird von drei Themen dominiert. Man spricht von den drei zeitgeschichtlichen „W“: Wirtschaftswunder, Wiederaufrüstung, Wiedervereinigung. Klammern wir das Wirtschaftwunder und die Wiedervereinigung aus und lassen an deren Stelle den Weltfrieden treten, so erhalten wir die zwei wichtigen „W“, welche die Eurospy-Filme mit italienischer Beteiligung prägen und welche freilich vor der Wiedervereinigung spielen und - wie z. B. DAS VERRÄTERISCHE AUGE - hin und wieder ins dereinst noch geteilte Berlin einzogen. Ungeachtet einer italienischen Beteiligung möchte ich Ihnen in diesem Kontext (Agentenfilme in der Mauerstadt) die Sichtung des düsteren wie schwarzhumorigen mit psychoanalytischen Maschen gestrickten TODESTANZ EINES KILLERS (GB, 1968) ans Herz legen.

 

Dass aus den zumeist brenzligen Grundkonstellationen der Eurospy-Filme eine Gefahr für den Weltfrieden entstehen kann und wird, ist uns allesamt bekannt. Denn der Weltfrieden bekleidet in den Agentenfilmen ein ebenso gewichtige Rolle wie der Kalte Krieg, der eben jenen Weltfrieden gefährdet. LEISE TÖTEN DIE SPIONE konfrontiert uns jedoch nicht mit den beiden aufrüstenden Supermächten oder der gelben Gefahr. LEISE TÖTEN DIE SPIONE lässt die Bedrohung von einem Supervillain ausgehen. Einem cleveren Schurken, der die Weltherrschaft anpeilt. Sie sollten in diesem Zusammenhang allerdings Fünfe gerade sein lassen und nicht hinterfragen, was die Entwicklung eines Krebs bekämpfenden Heilmittels so gefährlich für die angestrebte Weltherrschaft macht. Der Weg zum anvisiertem Ziel des Superschurken führt uns - wenn auch per Archivmaterial - nach Beirut, Oslo und London. Während dieser Visiten wird uns herzlich wenig Action (Ausnahmen: Einige wenige Schusswechsel, eine Verfolgungsjagd, eine Explosion) geboten. Überdies erhält Michael Drum keine Spezialwaffen oder sonstige Gadgets.

 

Die weiblichen Parts, die Mädels die dem Agenten in mehrerlei Hinsicht gefährlich werden könnten, sind mit Emma Danieli als Grace Holt und Erika Blanc als Pamela Kohler besetzt. Beide weichen vom stereotypen Bild eines Pin Up-Girls respektive von jenen mit dem Hintern wackelnden Dummerchen mit den gepushten Oberweiten deutlich ab. Man kann sie stattdessen als die Brave (Grace) und die Geheimnisvolle (Pamela) einordnen. Wobei die Geheimnisvolle freilich das wesentlich aufregendere love interest reflektiert. Erica tauchte in den 1970ern ja in einigen Gialli auf, die ich jetzt allerdings nicht aufzählen mag. Mein Ziel war es eine halbwegs gescheite Überleitung zu finden, um Ihnen mitzuteilen, dass der 66er Agenten-Caiano Szenen inkludiert, die kraft ihrer Farbgebung sowie der begleitenden Beleuchtungstechnik äußerst gialloesk wirken. Mir haben die jeweiligen Bildkompositionen durchaus zugesagt.

 

 

Fazit: LEISE TÖTEN DIE SPIONE stellt sich als ein gut fotografiertes, allerdings actionarmes Eurospy-Vehikel vor, bei dem man die Ohren hin und wieder auf Durchzug stellen, also nicht alles und jedes hinterfragen oder gar auf Onkel Dagoberts Goldwaage legen sollte. Sollte Ihnen das gelingen, dann steht einem entspannten wie unterhaltsamen Agentenabend im Heimkino nichts im Wege.

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