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John the Bastard

Italien, 1967

Originaltitel:

John il bastardo

Alternativtitel:

Fattyú John (HUN)

Jo, o bastardos (GRL)

John Bastardo (BRA)

John, el bastardo (ESP)

Johnny le bâtard (FRA)

Regisseur:

Armando Crispino

Inhalt

John Donald ist Vagabund wie passionierter Schürzenjäger, der nun genötigt wird eine seiner vielzähligen Eroberungen zu ehelichen. Nachdem John trotz massiver Drohungen das geforderte Ja-Wort verweigert, sind die Angehörigen der rothaarigen Braut außer sich vor Wut. So einfach lässt sich die Sippschaft freilich nicht abspeisen. Folglich fesselt man den Schürzenjäger, um ihn auf die harte Tour, ergo kraft der Folter von der Vermählung zu überzeugen. Doch John bleibt stur. Provoziert gar einen seiner Peiniger und seine Überlebenschancen steuern historische Tiefstwerte an. Doch siehe da, es gelingt ihm mit Hilfe seines treuen als auch grenzdebilen Dieners die Flucht.

 

Da John seinen Vater nicht kennt, wird er John der Bastard genannt. Um das Rätsel seiner Herkunft zu ergründen, sucht der Schwerenöter (nach seiner erfolgreichen Flucht) seine Mutter auf, die ihrem Sohn alles andere als wohl gesonnen gegenüber tritt. Trotzdem bringt er es fertig, seine Lebensspenderin zu überlisten und ihr wichtige Informationen zu entlocken, welche besagen, dass sein Vater ein mexikanischer Großgrundbesitzer ist. Fließt durch die Venen des Bastards tatsächlich blaues Blut?

Review

So lässt sich die Handlung grob umschreiben. Ergänzendes werde ich innerhalb der Besprechung nachlegen. In diesem Zusammenhang muss ich anmerken, dass der Wikipedia-Autor scheinbar einen anderen Film als JOHN IL BASTARDO geschaut hat. Weitere Optionen wären, dass er oder sie ernsthafte Probleme mit seinen/ihren Augen oder seiner/ihrer Auffassungsgabe hat. Das von ihm oder ihr beschriebene Ende hat nämlich in dieser Weise niemals stattgefunden. Es wurden wahrscheinlich spanische und italienische Texte in den Google-Übersetzer übertragen und der sich anschließende Output mit den gängigen Phrasen erweitert.

 

JOHN IL BASTARDO orientiert sich an der Figur des Don Juan. Einem, wie er auf der Kulturseite des Deutschlandfunks umschrieben wird: „Wüstling, Verführer und Sinnsucher als auch furchtlosen Atheisten und rebellischen Anarchisten.“ Don Juan ist wahrscheinlich das Urbild des Frauenhelden. Sofern diese Aussage nicht zutreffend ist, dann ist der Name Don Juan neben (Giacomo) Casanova zumindest das bekannteste Synonym für einen Frauenverführer oder - wie man ihn in den 1970ern und 1980er bevorzugt nannte - für einen Weiberhelden oder - wie man heute zu sagen pflegt, um die Abschaffung der deutschen Sprache weiter voranzutreiben - für einen Womanizer.

 

John Donald respektive John der Bastard besitzt wie die eben genannten Personen eine Vorliebe für Weibergeschichten. Hat er erst einen Weiberrock vom Körper gleiten lassen, um sich mit der mehr oder minder holden Maid zu vergnügen, macht sich in seinem Inneren bereits der Wunsch nach einer weiteren Eroberung bemerkbar. Solche Leute leben freilich gefährlich und sind stets dem Zorn diverser Angehöriger ausgesetzt. John bekommt dieses häufig zu spüren und nachdem er bei einer Hochzeit das Ja-Wort verweigert, scheinen seine letzten Sekunden bereits angezählt. Aber wie der Don Juan bei Molière (Sganarell) und der Don Juan bei Mozart (Leporello), hat auch John einen Diener: Morenillo. Dieser vergöttert seinen Herrn, nennt ihn gar Exzellenz und boxt ihn aus den schwierigsten Situationen heraus. Morenillo selbst bezeichnet das Gespann als den Muskel und das Gehirn. Wer in dem Team welche Rolle bekleidet, sollte nicht schwierig zu erraten sein. Der Muskel (Morenillo) wird von seinem Herrn allerdings nicht Bizeps, sondern Schwachkopf genannt. Vermutlich hat Morenillo dereinst schwer gelitten und bleibende psychische Schäden davongetragen, denn sonst würde er dem Bastard wohl kaum folgen - es sei denn die Erniedrigungen erregen ihn. Das soll nicht als Scherz begriffen werden, denn wer sich JOHN IL BASTARDO anschaut, dem wird die latent vorhandene Homosexualität nicht wirklich verschlossen bleiben.

 

Auch wenn Morenillo wie Dreck behandelt wird, ist er es (und nicht der Bastard), den wir gleich zu Beginn kennen lernen. Ein Bunch selten verkommener Westerner wird von dito verkommen Konföderierten abgeschlachtet. Einzig Morenillo kommt mit dem Leben davon, muss dann für die IW-übliche allegorische Kreuzigung herhalten und sein blondgefärbter Schopf simultan die bestialische Sonnenstrahlung ertragen. Einer der Konföderierten stimmt das Lied über John den Bastard an, welches in das Leitmotiv („Ballad of John“), das aus dem Off erklingt, mündet. Eine von Saverio Moriones interpretierte und von Nico Fidenco komponierte Tondichtung. Fidenco hat nach meinem Dafürhalten ein tolles Œuvre geschaffen und immerzu dito tolle Melodien rausgezaubert, die sich in angenehmer Weise in den Gehörgängen einnisten und zum Mitsummen animieren. Auch „Ballad of John“ reiht sich die Riege dieser feschen Ohrenwürmer ein.

 

Ich kämpfte gegen alle, die mich Bastard nannten. Ich habe für die Ehre getötet.

(Johnny Donald)

 

Wie bereits erwähnt, ordnet der Artikel auf der Kulturseite des Deutschlandfunks Don Juan als einen „furchtlosen Atheisten und rebellischen Anarchisten“ ein. Der Charakter John kann sich mit beiden Eigenschaften arrangieren. John der Bastard lässt sich als ein Gegenentwurf zu Silence, der allegorische Messias in LEICHEN PFLASTERN SEINEN WEG lesen, denn John ist falscher Prophet wie Antichrist zugleich. Er verachtet jegliche religiöse Glaubensrichtung, lehnt sich mit seiner Verweigerung die Ehe einzugehen wie seiner Vielweiberei gegen die bestehende Ordnung auf und zieht die Welt stets ein Stückweit mehr in den Abgrund, ein Stückweit mehr in die Dekadenz. Der Frauenverschleiß des John Donald (der Alptraum einer puritanischen Sexualethik) lässt sich einerseits mit Frauenhass begründen. Andererseits ist es überdeutlich, dass sich John rächen will, indem er so viele Bastarde als irgend möglich in die Welt setzt. Im Wörterbuch wird der Begriff Bastard inter alia mit „nicht eheliches Kind, besonders eines Adligen und einer nicht standesgemäßen Frau“ definiert. Da Johns adlige Herkunft bereits früh thematisiert wird…

 

Ein weiterer religiöser Aspekt tritt in Form der Mormonen auf. Der Mormone Danite erhält gar eine bedeutende Rolle, die mit Gordon Mitchell bestens besetzt wurde. Die Figur Danite lässt Linien zu den „Avenging Angels“ erkennen. Ein Geheimbund (auch als Geheimpolizei bezeichnet), der die Verräter (Glaubensabtrünnige) in den Reihen der Mormonen ausfindig macht(e) und sie ihrer gebührenden Strafe zuführt(e). Die „Avenging Angels“ werden auch „Sons of Dan“ und „Sons of Danites“ (!) genannt. Bei Verrätern im Inneren und Mormonen-Feinden im Äußeren hat(te) die Truppe einen ähnlichen Ruf wie der Ku-Klux Klan bei den Schwarzen. Den Mormonen wird notabene bis dato eine besondere Leidenschaft für das Ausforschen (stets mit ihrer religiösen Überzeugung legitimiert) vermeintlicher Mormonen-Feinde nachgesagt. Ferner sagt man ihnen Kollaboration als auch die Verwicklung in die Watergate-Affäre nach.

 

JOHN IL BASTARDO ist einer der italienischen Western, bei denen pausenlos etwas passiert. Ergo liefert der Film zahlreiche set pieces, und lässt dabei die Gewalt als auch die Brutalität nicht zu kurz kommen. So erinnern mich eine Schießerei, im Besonderen die Einschüsse und das fließende Blut an ähnliche Szenen aus diversen Spät-Western (ich weiß, das man mit dem Begriff vorsichtig jonglieren sollte) wie LEISE WEHT DER WIND DES TODES und KEINE GNADE FÜR ULZANA. Während des Finales musste ich gar ein klein wenig an Lizzanis großartigen REQUIESCANT denken, was allerdings nicht irgendeiner Brutalität, sondern (wird nicht verraten) geschuldet ist.

 

 

Fazit: Armando Crispinos erste und einzige Westernregiearbeit liefert dem Zuschauer keine Identifikationsfigur, da der zentralisierte Antiheld mit wachsender Spielzeit mehr und mehr Antipathie erzeugt und somit zu einer fiesen Don Juan-Adaption reift, die von Brutalität, Menschverachtung und Dekadenz eskortiert wird. Summa Summarum weniger Geheimtipp als viel mehr ein Pflichtprogramm für IW-Fans!

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