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How Do I Love You?

Italien | Spanien, 1966

Originaltitel:

Dio, come ti amo!

Regisseur:

Miguel Iglesias

Inhalt

Bei einer Schwimmmeisterschaft rettet die Neapolitanerin Gigliola Di Francesco (Gigliola Cinquetti) ihrer spanischen Kollegin Angela (Micaela Pignatelli) das Leben. Diese lädt sie nach Barcelona zu ihrer Familie ein. Eine Freundschaft fürs Leben scheint sicher, doch als Gigliola bemerkt, aus welch wohlhabenden Verhältnissen Angela kommt, lässt sie diese in dem Glauben, eine neapolitanische Prinzessin zu sein. Tatsächlich sind Gligliolas Eltern und ihr Bruder Gianni (Antonio Mayans) lediglich die Bediensteten des Prinzen Alfonso (Raimondo Vianello). Zudem verliebt sie sich in Angelas Verlobten Luis (Mark Damon). Erfolgreich bekämpft sie ihre Gefühle für Luis, der ebenfalls nicht abgeneigt ist und bringt die Zeit in Barcelona hinter sich. Doch dann kommt Angela zu einem Gegenbesuch nach Neapel – und bringt zudem noch Luis mit.

Review

Nochmals widme ich mich hier einem Musicarello, und diesmal einem besonders Schönen. Nach einer Story von Ennio de Concini und einem Drehbuch von Giovanni Grimaldi und Eliana de Sabata inszenierte der Spanier Miguel Iglesias diese spanisch-italienische Co-Produktion.

 

Star des Films ist die damals 18-jährige Sängerin Gigliola Cinquetti, die im Jahr zuvor mit dem Lied „Non ho l’età (per amarti)“ den ersten Platz beim Grand Prix Eurovision gewann und die in DIO, COME TI AMO! ihr Spielfilmdebut hatte. Es ist ein sehr charmantes Debut. Gigliola ist eine sehr gutaussehende junge Frau auf einfache, natürliche Art, ihre Filmrollen würden ein biederes, familienorientiertes Bild zeichnen, welches nicht ganz der Persönlichkeit der Sängerin entspricht, die im richtigen Leben wohl um einiges emanzipierter war. Ihre im Film gesungenen Lieder sind Liebeslieder, aber auf dunkle, melancholische Art.

 

Das Titellied „Dio, come ti amo!“ stammte aus der Feder von Giovanni Modugno, doch während dieses beim San Remo Festival 1966 – im Duett mit Modugno und Gigliola – noch den ersten Platz erreichte, bestand Modugno darauf, es beim Grand Prix Eurovision 1966 allein vorzutragen. Er ging damit baden. 0 Punkte, letzter Platz. Es ist ein langsames, von verzweifelter Liebe handelndes Stück, das wohl um einiges hinzugewinnt, wenn es von einer schönen Frau gesungen wird, anstatt von einem Schnurrbart mittleren Alters.

 

Gigliola Cinquetti konnte schon beim ersten Gesang während des Vorspanns bei mir punkten. Im Badeanzug singt sie im Schwimmbad vor Gleichaltrigen, schaut dabei mit großen, dunklen, traurigen Augen in die Kamera, ihre tiefe, melodische Stimme trifft dabei mitten ins Herz. Doch was stimmt nicht mit Mark Damon? Überspringen wir den ersten Teil und kommen gleich zur Chemie des Liebespaars. Mark Damon wirkt verführerisch, ist gut anzusehen, vielleicht ein wenig dämonisch – oder nur narzisstisch? Er funktioniert in seiner Rolle, bis Gigliola ihm zu nahe kommt. Ständig wurschtelt er ihre Hände an einen anderen Platz, beim Küssen (worauf der Zuschauer lange warten muss) windet sein er den Kopf hin und her, einmal schaut er während einer Umarmung gar hilfesuchend Richtung Regisseur. Was war da los? Ich weiß es nicht.

 

In der ersten Hälfte von DIO, COME TI AMO! zeigt Regisseur Miguel Iglesias seine Heimatstadt Barcelona von ihrer schönsten Seite, also lasse ich das Thema Diktatur oder La Dolce Vita Espana a la Generalissimo Franco diesmal weg. Man kann die aufgesetzte Fröhlichkeit mit etwas Hintergrundwissen aber schon als bedrohlich empfinden, was freilich in keiner Weise Absicht des Films ist. In dieser ersten Hälfte knüpfen Gigliola und Luis erste zarte Bande, aber natürlich ist er der Verlobte ihrer Freundin Angela. Diese wird dargestellt von einer echten Halbprinzessin, Micaela Pignatelli, die später mit Flavio Bucci verheiratet war.

 

Inzwischen werde ich allmählich besser im Verständnis dieser Musicarellos und Liebesfilme, ein ansonsten eher von mir übersehenes Genre. Als in der zweiten Hälfte Gigliolas gutaussehender Bruder Gianni – gespielt von einem sehr jungen Antonio Mayans – auftaucht, kann man bereits erahnen, wie sich die Liebe zwischen Gigliola und Luis doch noch erfüllen kann – Angela muss her und sich in Gianni verlieben.

 

Gesagt, getan. Doch zunächst gibt es ein Problem, denn Angela und Luis halten Gigliola noch immer für eine Prinzessin. Nachdem Gigliola ihrer Familie gebeichtet hat, spielen diese bei dieser Farce mit. Der echte Prinz Alfonso ist gerade in Monte Carlo, und so darf Gigliola ihre Rolle weiterspielen, mit Mama, Papa und Bruder als ihren Bediensteten – bis der echte Prinz überraschend auftaucht. Auch dieser Teil des Films ist schön gefilmt mit urlaubsreifen Bildern und romantischen Nächten, sowie sehenswerten Performances de Darsteller. Neben Antonio Mayans als Chauffeur spielt der große Nino Taranto Gigliolas Vater, eine sehr sympathische Rolle. Nino Tarantos Bruder Carlo hat kurze Auftritte als Taxifahrer.

 

Als Prinz Alfonso auf den Plan tritt, hat Raimondo Vianello seinen großen Auftritt. Er spielt seinen Part ebenfalls sehr sympathisch und willigt schließlich gar ein, bei der Farce mitzumachen, die die Familie Di Francesco für die Besucher aus Barcelona aufführt. Im Finale klärt sich selbstverständlich alles, und jeder lebt glücklich und zufrieden bis an sein Lebensende.

 

Die Sängerin Gigliola trat 1974 noch ein weiteres Mal beim Grand Prix Eurovision an und belegte hinter ABBA (Waterloo) den zweiten Platz mit dem Lied „Si“. Dieses wurde vom Sender RAI allerdings nicht ausgestrahlt und gar einen ganzen Monat lang auf eine Schwarze Liste gesetzt. Zu dieser Zeit fand gerade ein Referendum zum Thema Ehescheidung statt, und die Macher der RAI befürchteten, dass ein Song, der zwei Dutzend Mal das Wort „Si“ enthält, die Entscheidung beeinflussen könnte. Verrückt.

 

Wer Mut zum Musicarello zeigt, kann sehr viel Spaß an DIO, COME TI AMO! haben. Und noch jemand hatte Spaß: der nicht gesanglich begabte Antonio Mayans darf auf einer Fähre vor der Küste Neapels so schräg er nur kann „’O sole mio“ vortragen. Ich hätte fast vor Lachen unterm Tisch gelegen.

Links

OFDb

IMDb

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