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Die ganze Meute gegen mich

Italien | Spanien, 1966

Originaltitel:

La venganza de Clark Harrison

Alternativtitel:

La vengeance de sol lester (FRA)

La spietata colt del gringo (ITA)

Ruthless Colt of the Gringo (USA)

Deutsche Erstaufführung:

17. Mai 1968

Inhalt

In dem Westernstädtchen Paradiso sorgt der Mord an dem Minenbesitzer Duvall für kollektives Entsetzen. Die Sicherheit scheint gefährdet! Und um diese wieder ins Lot zu rücken, fahndet man händeringend nach dem Mörder. Der Verdacht fällt in null Komma nichts auf Sol Lester, denn die Beweise sind die eindeutig. Folglich sprechen die Geschworenen den Angeklagten einvernehmlich schuldig. Das Urteil: 5 Jahre Zuchthaus.

 

Drei Jahre später: Aufgrund seines vorbildlichen Verhaltens im Gefängnis von Amargora wird Sol vorzeitig entlassen. Da Lester zu Unrecht verurteilt wurde, sinnt er auf Vergeltung, und macht sich postwendend auf den Weg zur Ortschaft der einstigen Verschwörung, um seine Unschuld zu beweisen und die wahren Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen. Seine einstigen Kontrahenten sind allerdings mit den Jahren zu angesehenen Bürgern gereift, die die Geschicke der Stadt bestimmen und - wenn es die Situation erfordert - auch weiterhin über Leichen gehen.

Review

DIE GANZE MEUTE GEGEN MICH ist eine Koproduktion der Länder Spanien und Italien. Die italienische Beteiligung lässt sich mit dem Einsatz eines zweiten Filmstabs, der mehr oder minder gleichlaufend unter der Leitung von Enzo G. Castellari zusätzliches Bildmaterial herstellte, um José Luis Madrid und sein Team zu entlasten, eindeutig belegen.

 

Jene südländische Gemeinsaftsarbeit wurde wie ABRECHNUNG IN VERACRUZ und DER SOHN VON JESSE JAMES in der Bundesrepublik vom Materna-Verleih in die Lichtspielhäuser gebracht. Entgegen dieser Tatsache nennt die ofdb den Parnass-Filmverleih als Distributor. Sucht man (innert genannter Datenbank) nach weiteren Aktivitäten eines so benamsten Verleihs (!), lässt sich einzig HURRA, UNSERE ELTERN SIND NICHT DA aufspüren. Diese verGLASte und demzufolge höchstwahrscheinlich sehr anstrengende deutsche Filmkomödie wurde zwar von der Parnass-Film GmbH (gemeinsam mit Divina) produziert, aber der Verleih erfolgte, und das weiß ich aus absolut zuverlässiger Quelle, durch die Gloria-Filmverleih GmbH. Parnass war als Produktionsunternehmen tätig, aber meines Wissens nicht als Filmverleih!

 

Der Film (DIE GANZE MEUTE GEGEN MICH) startet mit einer Auseinandersetzung, die den Mord an den Minenbesitzer Duvall heraufbeschwört. Anschließend geht es im Schnellverfahren weiter: Sol Lester wird unschuldig zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt und bereits mit Einsatz der Credits, begleitet von einem ordentlichen Leitmotiv mit dem Titel „A man must fight“, vorzeitig aus der Strafanstalt entlassen, um anschließend nach Paradiso zurückzukehren und für klare Verhältnisse zu sorgen. Eine Story, die uns in zig Western amerikanischer wie europäischer Prägung begegnete und uns gemeinhin auch zuverlässig unterhalten konnte. José Luis Madrid fasst den Stoff allerdings äußerst ungeschickt an und kann nicht wirklich für Spannung sorgen. So wird beispielshalber eine Verfolgungsjagd derart belanglos transportiert, dass sich der Regisseur diese hätte schenken können. Die Inszenierungen diverser Schießereien wie Prügeleien hinterlassen zwar einen solideren Eindruck, liefern jedoch beileibe nicht das, was ich von solchen Momenten erwarte. Das man mittels dem wohldurchdachten Einsatz von Zooms und einer geschickten Montage (der zuständige Cutter handelte alles andere als geschickt) ein bescheidenes Budget sowie manch fotografische Defizite (davon gibt es einige) kaschieren kann, sollte jedem klar sein. Ich mag jetzt auf keinen Fall Castellari den Schwarzen Peter unterjubeln und neunmalkluge Sprüche wie „er kann es doch wesentlich besser“ vom Stapel lassen. Castellari hat zusätzliche Szenen fotografiert (wahrscheinlich auch unter Zeitdruck), was der eigentliche Regisseur damit anstellte respektive anstellen ließ, entzog sich dementsprechend Enzos Einflussbereichs.

 

Was die Verantwortlichen letztendlich damit anstellten und was sich infolgedessen herausstellte und das Geheimnis, der Grund für die Ermordung Duvalls, einhergehend aufgehellte, verblüfft, verwundert und erstaunt freilich niemanden. Das Wenige, das der Film zu erzählen hat, wird zu keiner Zeit verschlüsselt. Der Regisseur spielt mit offenen Karten und verschenkt somit auch die Möglichkeit eines fruchtenden Whodunnit. Folglich sind der gesamte Filmablauf sowie seine Charaktere und Figuren simpel zu durchschauen. Zudem lassen die Leistungen der Darsteller/innen einiges zu wünschen übrig. Der Hauptdarsteller Luigi Giuliani hinterlässt in der Rolle des Sol Lester einen allenfalls mittelmäßigen Eindruck. Luigi hat mir beispielsweise in der Rolle des Arizona Roy (TÖTE, RINGO, TÖTE) deutlich besser gefallen. Den beiden femininen Charakteren (Lynn und Cora) gefällt der zu Unrecht verurteilte Lester allerdings ausgesprochen gut, denn beide schmeißen sich mit Wonne an dessen Hals, was das maskuline love interest in Erstaunen versetzt und simultan eine leichte Verwirrung in dem vorbestraften Westerner erweckt.

 

Als ein Pendant zu Sol tritt der Oberganove Bliss in Erscheinung, der auf beide - meines Erachtens durch und durch uncharismatischen - Mädels gleichermaßen scharf ist, demzufolge mit ewigen Liebesschwüren hausiert und sich eine Abfuhr nach der anderen einfängt, was kraft Carlos Oteros overacting und dem gelangweilten Spiel seiner beiden Herzdamen einen unfreiwilligen Humor, der gar zu einem Running Gag gedeiht, evoziert. Ebenfalls amüsant mutet das deutsche Dialogbuch, das den Filmschurken Worte wie „Boys“ und „Alright“ in den Mund legte und etwas an die bundesrepublikanischen Synchronarbeiten der Karl May Western erinnert. Ähnlich furchterregend wie die trotteligen Schurken im Dunstkreis von Winnetou, Shatterhand und Surehand wirkt übrigens auch José Luis Madrids Schurkenschaft, die einer Ansammlung von Knallschargen nahe kommt, der jegliche Form von Bedrohlichkeit abgeht.

 

 

Fazit: José Luis Madrid bringt zwar emsig die Ingredienzien (der zu Unrecht Verurteilte, der in seine Heimat zurückkehrt, um Rache zu nehmen und später gar zum Sheriff ernannt wird) des US-Western in die Gestaltung ein, vergisst jedoch sein Gesamtpaket einigermaßen gut zu verpacken. So wird uns Zuschauern kein prickelndes Auspackerlebnis beschert, da Madrids Geschichte fortwährend absehbar ist und ebendeshalb keine Überraschungen offeriert. Was unter dem Strich bleibt, ist ein bestenfalls durchschnittlicher italienischer Western, dessen Actionmomente sowie deren Montage nicht wirklich meinen Erwartungen gerecht wird.

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