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Diebe sind auch Menschen

Frankreich | Italien, 1959

Originaltitel:

Audace colpo dei soliti ignoti

Alternativtitel:

Audaz golpe de los desconocidos de siempre (ARG)

Golpe dos Eternos Desconhecidos (BRA)

Milliardkuppet i Milano (DNK)

Rufufú da el golpe (ESP)

Nokkelat pankkirosvot (FIN)

Hold-up à la milanaise (FRA)

Skok w Mediolanie (POL)

Golpe Audacioso (PRT)

Fiasco in Milan (USA)

Deutsche Erstaufführung:

30. November 1960

Regisseur:

Nanni Loy

Inhalt

Von Safeknacker Dante hat Kleingauner Virgilio (Riccardo Garrone), genannt „Il Milanese“, von dem gescheiterten Banktresor-Coup in Rom erfahren (siehe DIEBE HABEN’S SCHWER). Er nimmt Kontakt zu Peppe „er Pantera“ (Vittorio Gassmann) auf, um ihm einen Coup vorzuschlagen.

 

In Milan werden nach jedem Fußballspiel die Wettgewinne in zweistelliger Millionenhöhe vom Kassierer (Toni Ucci) zur Bank gebracht. Der verheiratete Kassierer hat eine Affäre mit Striptease-Tänzerin Floriana (Vicky Ludovici), die wohl der eigentliche Kopf hinter dem geplanten Coup ist. Der Plan ist einfach. Eine Gruppe von Gaunern aus Rom soll einen Unfall inszenieren, der Kassierer übergibt ihnen das Geld, und auch für ein Alibi ist gesorgt. Peppe soll hierfür eine geeignete Truppe bereitstellen.

 

Und so sind bald alle üblichen Verdächtigen versammelt: Peppe überredet seine alten Kumpels zum Mitmachen, Mario (Renato Salvatori), Ferribotte (Tiberio Murgia) und den alten Capannelle (Carlo Pisacane). Da man diesmal einen schnellen Fahrer braucht, kommt Mechaniker Ugo (Nino Manfredi) hinzu. Und wie zu erwarten war, geht erneut allerlei schief.

Review

DIEBE SIND AUCH MENSCHEN (Audace Colpo dei soliti ignoti, 1959) ist die Fortsetzung von Mario Monicellis erfolgreicher Commedia all’Italiana DIEBE HABEN’S SCHWER (I soliti ignoti, 1959). Durch den Wechsel bei der Regie ist Nanni Loys Fortsetzung inhaltlich vielleicht nicht so hochwertig wie der Vorgänger, hat dafür aber ein flüssigeres Tempo. Das Drehbuch stammt erneut von Age & Scarpelli, die Musik wieder von Piero Umiliani, diesmal mit zusätzlicher Unterstützung von Chet Baker an der Trompete.

 

Die Darsteller aus DIEBE HABEN’S SCHWER sind nahezu komplett, verzichten muss man lediglich auf Marcello Mastroianni (Tiberio), und Totò hatte eh eine Gastrolle gehabt. Neu hinzu kommen in DIEBE SIND AUCH MENSCHEN Riccardo Garrone, Nino Manfredi und die süße Vicky Ludovici. Nach den Ereignissen in DIEBE HABEN’S SCHWER haben es Peppe (Vittorio Gassmann), Ferribotte (Tiberio Murgia) und Mario (Renato Salvatore) mit ehrlicher Arbeit versucht, kommen aber auf keinen grünen Zweig. Capannelle (Carlo Pisacane) zieht weiter seine Betrugsnummer in Restaurants ab, Ferribotte wacht weiterhin über die Unschuld seiner Schwester Carmela (Claudia Cardinale), denn mangels Geld für den Priester sind sie und Mario immer noch nicht verheiratet.

 

Der Coup: „Il Milanese“ (Riccardo Garrone) hat einen Raub auf die Wettgelder des Fußballspiels Mailand/Rom geplant, es geht um viele Millionen Lire. Alles ist arrangiert, doch angesichts des Aufsehens, den dieser Coup erregen wird, will er keine Gauner aus Mailand hierfür engagieren. In Rom nimmt er Kontakt zu Peppe auf und erklärt ihm und seinen Kollegen den Plan. Sie sollen mit dem Fanzug zum Spiel nach Mailand fahren. Während das Fußballspiel stattfindet, soll der Raub stattfinden, der Geldbote steckt mit in der Sache drin. Um ein Alibi zu haben, braucht es einen schnellen Fahrer mit einem frisierten Wagen, damit die Diebe nach dem Coup noch den nach Rom zurückkehrenden Fanzug in Bologna abpassen und wieder zusteigen können. Peppe soll von Striptease-Tänzerin Floriana einen mailändischen Akzent lernen, damit die Polizei einheimische Gangster vermutet.

 

Natürlich erwartet man als Zuschauer, dass der Coup misslingt. Tatsächlich läuft nahezu nichts wie geplant, und das Chaos scheint perfekt. Doch Überraschung, nach dem Coup stehen die Freunde dennoch mit 80 Millionen Lire Beute da. Was nicht bedeutet, dass alles schick ist. Peppes Akzent wurde als Römisch entlarvt, so dass die Polizei doch in Rom nach den Tätern sucht. Nachdem man die üblichen Verdächtigen verhört hat, wird die Polizei stutzig, dass ausgerechnet Peppe und Freunde als Einzige die Spiel- und Zugtickets als Alibi vorweisen können. Gerade dieses Alibi macht sie verdächtig. Sie haben viel Geld, können es aber nicht ausgeben. Doch das ist noch nicht das Ende.

 

Nino Manfredi war kein völlig Unbekannter mehr, als er die Rolle von „Sauertopf“ Ugo Nardi in DIEBE SIND AUCH MENSCHEN erhielt. In Folge würde er einer der bekanntesten Komiker Italiens werden, wobei sein Markenzeichen durchaus dem Buster Keatons ähnelt: ein stoischer Gesichtsausdruck, während er die skurrilsten Charaktere darstellt. Er spielt einen Mechaniker, der für den Coup einen Wagen frisieren und als Fahrer dienen soll. Ein wichtiger Part, denn von seinen Fahrkünsten wird es abhängen, ob das geplante Alibi der Gang funktionieren wird. Ugo lebt im Clinch mit seiner Ex-Frau, mit der er nicht mal verheiratet war, aber einen Krieg um die Besuchsrechte des gemeinsamen Kindes führt. Außerdem weigert sich seine Schwiegermutter in spe zu ihrer Tochter zu halten, sondern liegt ihm auf der Tasche. Seine Ex hat eine Affäre mit einem Buchhändler, und hier wird es in Folge zu einem schönen Gastauftritt von Gastone Moschin kommen, der zu jener Zeit noch unbekannt war.

 

Viele sind der Ansicht, dass DIEBE SIND AUCH MENSCHEN das Niveau des Vorgängers DIEBE HABEN’S SCHWER nicht halten konnte. Hierbei sollte man nicht vergessen, dass der Vorgänger als Grundstein der Commedia all’Italiana gilt und somit die Messlatte verdammt hoch hing. Und die Italiener sahen das offenbar nicht so eng, denn erst der Fortsetzung gelang es, DIEBE HABEN’S SCHWER auf Platz 3 der laufenden Kinocharts abzudrängen, 15 Monate nachdem der Erste gestartet war. Trotz des höheren Tempos des Films kennen die Hauptdarsteller ihre Rollen perfekt genug, um den Charakteren den gleichen Charme wie im Vorgänger zu verleihen.

 

Den größten Lacher des Films hatte ich an einer eher kuriosen Stelle. Carmela (Claudia Cardinale) hat ihren Bruder und Mario schwören lassen, dass sie nichts mit dem Raub zu tun haben. Zuvor erfuhren wir, dass sie nicht schreiben kann, weil sie nicht die Schule besuchen konnte. Als sie herausfindet, dass die beiden gelogen haben, hinterlässt sie einen Abschiedsbrief. „Aber sie kann doch nicht schreiben“ ruft Mario, während Tiberio entgegnet, „Nein, aber zeichnen!“ Und so zeigt Carmelas Abschiedsbrief zwei fliegende Schweine, die über dem Zug aus Mailand kreisen.

 

In Deutschland lief DIEBE SIND AUCH MENSCHEN - leider wie der Vorgänger nur gekürzt – im Verleih von Prisma. Die Lauflänge wird mit 92 Minuten angegeben, die HDTV-Fassung der RAI hat eine Länge von 98 Minuten.

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