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Delitti

Italien, 1987

Inhalt

Während einer Privatorgie wird der Cross-Dresser Harry (Gianni Dei) vergiftet, sein Kopf ist in Folge komplett mumifiziert. Während Inspektor Sanders (Tony Valente) und Journalist und Giallo-Autor Bob Rawling (Saverio Vallone) dem Mörder auf die Spur zu kommen suchen, mordet der Unbekannte sich weiter durch die Teilnehmer der Orgie, auf der Suche nach einem Schmalfilm, welcher angeblich Mord und Mörder zeigen soll. Als Sanders einem Verdächtigen versehentlich den Schädel zertrümmert, übernimmt sein Vorgesetzter (George Ardisson) den Fall.

Review

„It also could happen to you one day…“

 

Ja, wir werden gewarnt. Linda Christian erzählt dem Zuschauer zu Beginn des Films, wie man durch Leichtsinnigkeit in die Bredouille geraten kann. Man nimmt bedenkenlos an einem Rudelbums teil, wird dabei gefilmt, anschließend von einem Stalker verfolgt und erpresst, hat keine ruhige Minute mehr. Und es kann noch viel schlimmer kommen, wie wir am Ende des Films wissen werden, wenn Linda uns nochmals warnt. Es kann jederzeit passieren. Zwei Irre, die man auf einer Orgie getroffen hat, meucheln einen nach dem anderen, mumifizieren Deine Birne mit einem exotischen Gift, nicht zu vergessen den perversen Giallo-Schriftsteller. Das passiert ständig!

 

Sergio Pastore, hauptsächlich bekannt durch den Giallo THE CRIMES OF THE BLACK CAT (Sette scialli di seta gialla, 1972) war ein Independent-Regisseur, der nach einem verkürzten Jurastudium und einer anschließenden Kurzkarriere als Journalist eine eigene Film-Produktionsfirma gründete, die Mezzogiorno Nuovo D’Italia. Nach einer frühen Ehe mit der Tänzerin und Schauspielerin Aiché Nana heiratete er Giovanna Lenzi, die in nahezu jedem Film von ihm zu sehen war und deren Repertoire sich mit der Zeit erweiterte. Zunächst (seit 1968) nur als Darstellerin dabei, wurde sie später Co-Drehbuchautorin und führte schließlich Regie bei DELITTI, unter Supervision von Sergio Pastore. Und wie grausam das Leben manchmal so spielt: während der Premiere von DELITTI im Kino Fiamma in Rom erlitt er im Alter von nur 54 Jahren einen plötzlichen und tödlichen Hirnschlag.

 

Giovanna Lenzis DELITTI ist aber auch eine cineastische Katastrophe. Erst sind wir mit Inspektor Sanders und Kollegen am Tatort des Mordes an Harry, die vorausgegangene Orgie wird uns vorenthalten. Und wer ist eigentlich die Leiche unter dem zweiten Tuch? Erfahren wir nicht, unwichtig. Dafür sieht Harrys Kopf aus wie eine Schrumpfkartoffel. Und warum lässt die Polizei den Giallo-Schriftsteller am Tatort rumspazieren und seinen Senf dazugeben? Egal. Zeit für den Vorspann, unterlegt mit einem Schmusesong von Guido & Maurizio de Angelis. Und wir werden mit bekannten Namen konfrontiert: Saverio Vallone, Michela Miti, George Ardisson, Sacha Darwin, Solvi Stubing, Laura Troschel, Gianni Dei, Giovanna Lenzi und Linda Christian. Und alle werden sinnlos verheizt, denn um einzelnen Charakteren Bedeutung zu verleihen, hätte es ein schlüssiges Drehbuch gebraucht.

 

Zwei der Orgienteilnehmer, zwei Damen mittleren Alters, sind indessen in Sorge. „Beruhige Dich“, schreit die eine und würgt dabei ihre Freundin, schüttelt ihren Kopf hin und her. Danach heiße Blicke vor der Dusche. Der Besitzer des Hauses, in dem besagte Orgie stattfand hat indessen ein Stelldichein mit Michela Miti. Da sie sich in Schale geworfen hat, Strapse, Spitzen-BH, schwarzes Höschen, Deo auf die Arschbacken (?), macht er es genauso – also rein in den hellblauen Pyjama. Den behält er bei der nachfolgenden Sexszene auch komplett an, ebenso wie Miti ihr Höschen. Doch auch der Inspektor hat zu tun. Bei der Suche nach einem ominösen Schmalfilm, der von einem Kleinwüchsigen während der Orgie gedreht worden sein soll, prügelt er den kleinen Mann ordentlich durch. Eine andere Orgienteilnehmerin hat ebenfalls Grund zur Sorge, denn ein maskierter Mann folgt ihr auf der Straße. Während sie von einer Telefonzelle den Inspektor anruft, wirft der Verfolger seinen Mantel ab und…beginnt zu tanzen. Ja, er tanzt! Das ist das Niveau, mit dem wir es hier zu tun haben.

 

Dann gibt es natürlich noch den Nebenstrang um eine Erpresserbande, die wirklich gefährlich ist, deutlich zu erkennen an ihrem Hauptquartier in einer Tischlerwerkstatt. Die Erzählweise von DELITTI ist äußerst verwirrend, ebenso wie die Ermittlungen des Inspektors. Da ist keine erkennbare Linie drin, das Durchsitzen ist eine harte Nummer. Zwischendrin gibt es zahlreiche Morde, ein paar Nacktszenen und politisch inkorrekte Gewalt an Kleinwüchsigen und Strichern. Höhepunkt von Letzterem ist natürlich, als dem Inspektor während eines „Verhörs“ der Kopf des Erpressers auf eine Werkbank knallt und der den Löffel abgibt.

 

Zusätzlich einiger Schmusenummern werden für die „spannenden“ Szenen Tracks aus Lamberto Bavas DAS HAUS MIT DEM DUNKLEN KELLER (La casa con la scala nel buio, 1983) verwurstet. DELITTI ist wirklich ein zweifelhaftes Giallo-Vergnügen, unglaublich, inkonsistent, zäh.

Links

OFDb

IMDb

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