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Death Commando

Italien, 1985

Originaltitel:

Killer contro killers

Alternativtitel:

Killer vs Killers

Regisseur:

Fernando Di Leo

Drehbuch:

Fernando Di Leo

Inhalt

Seine Exzellenz, ein hochrangiger Gangsterboss, ersucht den fettleibigen Hagen, ein tiefrangiger Arschkriecher, einige Fachleute zu rekrutieren, die in einen streng bewachten Industriekomplex einbrechen, um dort eine kostbare chemische Formel zu stibitzen. Das Team (der Safeknacker, der Killer, der Fahrer und die obligatorische Schlampe) funktioniert bestens und der Auftrag wird nahezu spielend leicht gemeistert. Doch anstatt sich mit ihren Honoraren eine vorübergehend entspannte Zeit zu gestalten, müssen das Quartett sowie sein Entdecker fortan um ihre Leben bangen, denn wenn seine Exzellenz etwas verabscheut, dann sind es lästige Zeugen.

Review

Was 1964 begann, sollte 21 Jahre darauf ausklingen, die Regiekarriere des Fernando di Leo. Er hat innert seiner Schaffensphase tollen Stoff abgeliefert: Der hierzulande von UW Video fälschlicherweise als DIE KLASSE VON 1984-Plagiat beworbene NOTE 7 - DIE JUNGEN DER GEWALT (1969) sowie DER MAFIABOSS (1972), MILANO KALIBER 9 (1972) und DER TEUFEL FÜHRT REGIE (1973). In seinem weiteren Karriereverlauf konnte mich einzig der 1978 erschienene AVERE VENT´ANNI mitreißen oder zielsicherer gesagt, gleichermaßen begeistern wie schockieren. Aber Vorsicht: Die Kinokopie wurde einst flink aus dem italienischen Kinoprogramm verbannt, da der ausgesprochen fiese Film auf Anweisung des Produzenten gekürzt, ummontiert und auf diesem Wege verträglicher gestaltet werden musste. Also unbedingt nach dem Directors Cut Ausschau halten! Der zwei Jahre später folgende TOY, dessen asoziales Flair ich vor ein paar Jahren noch feierte, vermochte mich während der letzten Sichtung nicht mehr so recht überzeugen. Demzufolge sank (mit Blick auf Di Leos spätes Regiewerk) mein ohnehin runter geschraubtes Anspruchsdenken, sodass ich mir von seiner letzten Inszenierung DEATH COMMANDO auch nicht sonderlich viel erhoffte.

 

Es gibt manche Zeitgenossen, die kategorisieren italienische Filme in denen die Protagonisten Rotzbremsen über ihren boshaften Oberlippen und schwere Wummen in ihren stählernen Händen tragen, ganz flink als Polizeifilme. Eine solche Einschätzung wirkt besonders dann putzig, wenn in dem jeweiligen Vehikel weit und breit kein Polizist zu erspähen ist. Da fragt man sich doch glatt, ob die angesprochenen Zweibeiner den Film überhaupt geschaut haben oder einfach ihrem Instinkt oder - was zuweilen noch mehr Chaos anrichten kann - Wikipedia gefolgt sind? DEATH COMMANDO könnte gemessen an dieser Feststellung derartige Fehlinterpretationen kurzerhand aufrufen. Und das, obwohl man dem Film nicht die zartesten Spuren einer Irreführung nachsagen kann, denn DEATH COMMANDO agiert nach unmissverständlichen Formeln und Motiven, welche einerseits dem Gangster- und andererseits dem Big Caper Movie verpflichtet sind. Die zuletzt genannte Sparte, die Big Caper Movies, fokussieren einen groß angelegten Raub. Alldieweil rückt die auserkorene Beute ins hintere Glied, da sich die Filme primär auf die Vorbereitungen und auf die Ausführung - was viel Geschick und Bravour erfordert - eines Diebstahls konzentrieren. Der Zielort, in den die Einbrecher einfallen wollen bzw. sollen, ist bestens bewacht und die Sicherheitssysteme befinden sich auf dem neusten Stand der Technik. Demgemäß erzeugt die Bezwingung dieser Technologie wie das Ausschalten des Wachpersonals einen ganz besonderen Nervenkitzel, welcher im Idealfall geschwind auf den Zuschauer überspringt. Ihn quasi dazu einlädt, an dem riskanten Spiel teilzunehmen und die Lust am Risiko gemeinsam mit den gewandten Einbrechern, Dieben oder wie man auch die „Helden“ der Big Caper Movies sonst nennen mag, annährend authentisch mitzuerleben. Freilich spiegelt diese Umschreibung - wie zuvor erwähnt - den Idealfall wieder, welcher mit DEATH COMMANDO nicht aufgerufen wird. Wer nun jedoch Blut geleckt hat, nichts dem Zufall überlassen und unter allen Umständen den Nervenkitzel eines waschechten Big Caper Movie durchleben will, dem empfehle ich die Sichtung von Giuliano Montaldos brillantem Regiewerk TOP JOB (BRD, ITA, ESP, 1967), den ich vor einigen Jahren bei einem geheimnisvollen Filmclub auf der ganz großen Leinwand sichten wie genießen durfte.

 

„Besorgen Sie mir Einzelgänger.“

(Seine Exzellenz)

 

Eine Rekrutierung, die Hagen (im Jargon politischer Publizistik als Byzantiner in Reinkultur titulierbar) übernehmen soll. Die fette Qualle nutzt demgemäß seine guten Kontakte zur Welt der Auftragskiller und sonstigen Ganoven, um einen Safeknacker, einen Profikiller, einen Fahrer und die unverzichtbare Schlampe mit finanziellen Versprechungen zu ködern. Die Suche ist freilich geschwind von Erfolg gekrönt, sodass folgendes Team an den Start geht:

 

- Der Safeknacker: Jaffe, ein leidenschaftlicher Voyeur, der mittels seiner Sozialhilfe die Puppen (nackt in seinem Wohnzimmer) tanzen lässt.

 

- Der eiskalte Killer: Sterling, ein passionierter Menschenhasser, der während des Raubzugs sein Betäubungsgewehr im Sekundentakt sprechen lässt und unzählige Wachmänner vorübergehend ins Land der tiefen Träume beordert.

 

- Der Fahrer: Ferrari (!), eine mittelklassige René Weller-Kopie mit einem ebenso abenteuerlichen Modegeschmack.

 

- Die Schlampe: Cherry, die während eines Kofferdiebstahls mit einem Bolzenschneider die Hand vom Unterarm des Geldboten (?) abtrennte. Ihre Begründung: Dieser Vorgang benötigt(e) einen deutlich geringeren Zeitaufwand als das beträchtlich umständlichere Durchtrennen einer Edelstahlkette. Ferner schien ihres Erachtens der Bote was gegen Schwangere zu haben. Da Cherry ungeachtet dieser Aktion nicht wirklich die gefürchtete Gangsterbraut reflektiert, kann man die entsetzliche Ausnahmetat und ihre haarsträubende, wenn auch ökonomisch nachvollziehbare Argumentation mit einer - was nun das eigentlich Erschreckende ausdrückt - Verbürgerlichung des Verbrechens assoziieren.

 

Innert dieser Bürgerlichkeit verdient sich Cherry als Sängerin ein paar Lire und tritt als nicht lippensynchron trällernder Nachtfalter in einem Nachtclub auf. Das Liedchen, das sie ton-, sprach-, lautlos ins Mikrofon haucht, ist ein typischer Vertreter der schrecklichen Post-1982-Pop-Musik.

 

Warum schrecklich? Die Musikszene biss mit Anklang der 1983er halt wieder und wieder ins Gras. Es war der blanke Horror, der wie Carpenters unheilbeladener FOG aufstieg, einhergehend von der Musiklandschaft Besitz ergriff und den symbolischen Untergang des Abendlandes einläutete. Selbst der von mir außerordentlich geschätzte David Bowie verpasste mir drei Jahre nach seinem Meisterwerk „Scary Monsters“ mit „Let‘s Dance“ einen Schock, von dem ich mich bis heute nicht erholt habe. Aber das war noch harmlos im Vergleich zu dem, was sonst noch in der Musikwelt abging. In der Bundesrepublik aktivierten Modern Talking, CC Catch und Chris Norman (in diese Kerben schlägt auch Cherrys Song) mit infantiler Leichtigkeit (m)eine fortan chronische Kotzbereitschaft. In Italien machten sich die Eigengewächse wie Ricchi e Poveri und Alice (bitte nicht Ellis, sondern Alitsche sagen) rar und die Italo-Charts waren urplötzlich voll mit Typen wie Spandau und Wham!. Und in England, jenes Land, welches für (m)eine vorbildliche musikalische Kinderstube sorgte, definierten Bronski Beat und die Thompson Twins die Begrifflichkeit „Unerträglich“ mit einer bis dato unbekannten Wucht. In Anbetracht dieser beängstigenden Entwicklung konnte man gar zu der Auffassung gelangen, dass Punk niemals existiert hätte!

 

Diese kurze Exkursion in die grausame Chartworld der Post-1982er (die ich in diesem Kontext bis ca. 1988 begrenze) bzw. mein miserabler Eindruck von den dereinst regierenden Kompositionen lässt sich notabene auch gut auf die Qualität des DEATH COMMANDO Soundtrack übertragen. Billige Synthesizerklänge werden mittels monotoner Taktvorgaben eines Drumcomputers in die Bedeutungslosigkeit beordert. Musikkompositionen, die man heutzutage innerhalb von 2 Minuten und 41 Sekunden am PC komponieren und für den Download bereitstellen kann.

 

„Ich arbeite nicht gern mit anderen Leuten. Für mich ist das alles nur Pack.“

(Sterling)

 

DEATH COMMANDO ist in zwei Hälften unterteilt. Die erste zentralisiert den Raub sowie dessen Vorbereitungen. Die zweite, damit verrate ich nicht zu viel, da es eh in jeder Inhaltsangabe sowie vermutlich auch auf den DVD Klappentexten erwähnt wird, konzentriert sich auf die Jagd nach den Räubern, sodass jenes im englischen Titel zitierte Todeskommando zum Einsatz kommt. Eine solche Konstellation (erst begehrte Räuber, dann lästige Zeugen) erinnert an Georges Lautners DER BULLE (FRA, ITA, 1968) sowie - wenn man über die Genregrenzen hinausblickt - Andrew V. McLaglens DIE WILDGÄNSE KOMMEN (G, SWI, 1978).

 

Mit bleihaltigen Schusswechseln und wilden Autoverfolgungsjagden wird jedoch weitestgehend gegeizt. Mein Action-Favorit ist ohnehin eine saublöde Prügelei zum Auftakt des zweiten Filmdrittels, denn was der italienische René Weller da abzieht, kommt einer Turnstunde für erwerbslose wie zugleich unvermittelbare swashbuckler gleich. Grinsen und hüpfen in Dauerschleife. Ohne Gnade bis alle Gegenspieler, zumeist nicht einmal vom rechten Haken des Champs getroffen, zu Boden sinken.

 

 

Fazit: Außerhalb Di Leos goldener Ära, die Schaffensphase zwischen 1969 bis 1973, konnte mich einzig AVERE VENT´ANNI (1978) überzeugen. Filme wie ICH POLIER DIR DEINE GLATZE (1975), DER STACHEL (1976) und ZWEI SUPERTYPEN RÄUMEN AUF (1976) haben mich im Besonderen kraft ihrer deutschen Synchronisationen genervt. DEATH COMMANDO konnte diesbezüglich nicht ins Fettnäpfchen treten, da der Film keinen Weg in die bundesrepublikanischen Lichtspielhäuser oder Videotheken fand…

 

…was allerdings nicht wirklich bedauernswert ist.

 

Aber ohne einen finalen Spaß kommen Sie aus der Nummer trotzdem nicht raus! Denn wenn zum Ende des Films der Henry die Panzerfaust ausgräbt und erwartet effektiv einsetzt, dann simmer (zumindest vorübergehend) dabei, (denn) dat is prima! Eine kleine Belohnung dafür, dass man diesem doch recht faden, vorhersehbaren und nicht wirklich empfehlenswerten Film bis zum Abpfiff die Treue gehalten hat.

Links

OFDb

IMDb

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