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Il corpo

Italien | Trinidad und Tobago, 1974

Alternativtitel:

El cuerpo de Emanuelle negra (ARG)

Black Erotik (BRD)

Lockende Augen (BRD)

El cuerpo (ESP)

Le corps (FRA)

O Corpo - Uma Gabriela dos Trópicos (PRT)

The Body (USA)

Deutsche Erstaufführung:

26. August 1977

Regisseur:

Luigi Scattini

Inhalt

Nur die Sonne ist Zeuge wenn der Postmann zweimal klingt. Der ältere Alkoholiker Antoine lebt mit einer attraktiven Schwarzen auf einer Insel, die er nur Prinzessin nennt. Er lernt den jungen und attraktiven Alain kennen und nimmt ihn mit zu sich nach Hause, damit dieser ein wenig Geld bei ihm verdienen kann. Ein gestrauchelter und ein liebeshungriger Mann, die um eine wunderschöne und gefühlvolle Frau rivalisieren – Noch Fragen?

Autor

Maulwurf

Review

Gegen Ende gibt es da diese Szene, die in ihrer Schönheit und Verzweiflung das gesamte italienische Kino dieser Zeit repräsentiert. Antoine, Prinzessin und Alain haben jeder eine Flasche Rum in sich reingekippt, und dann das Spiel Lüge oder Wahrheit gespielt. Jetzt sind sie am Strand und versuchen, ein Boot seeklar zu machen um ein wenig zu schippern. In der Hauptsache aber tanzen sie, schütten sich gegenseitig Rum über den Körper, und haben Spaß, während darüber eine leichte und swingende Karibik-Version von Timmy Thomas‘ Why can’t we live together schwebt. In dieser kurzen Sequenz steckt so viel Lebenslust, so viel reine und gierige Sexualität, und unter der Oberfläche gleichzeitig lauernd eine enorme Gewalt, dass man selbst vor dem Bildschirm ob dieser Emotionalität erschauert. Die Szene hat keinen wirklichen Sinn, und sie bringt die Geschichte auch nicht weiter. Sie ist wunderschön anzuschauen, sie lebt von transportierten Gefühlen, und sie endet im Nichts. Et voilà, die Bestandsaufnahme des italienischen Genrekinos zu Beginn der zweiten Hälfte der 70er-Jahre ist vollbracht.

 

Denn wenn man ehrlich ist, dann ist IL CORPO nur ein hübsches Stückchen Nichts, garniert mit den Brüsten von Zeudi Araya und der Schauspielkunst Enrico Maria Salernos, perfekt eingerahmt von einem groovigen Easy Listening-Score von Piero Umiliani. Die Bilder der Insel Trinidad transportieren ein gewisses Urlaubsflair, würden mich aber beileibe nicht dazu bringen dort auch wirklich hinzufahren. Die Handlung, laut Regisseur angelehnt an den Krimiklassiker WENN DER POSTMANN ZWEIMAL KLINGELT, plätschert vor allem zu Beginn längere Zeit vor sich hin und schafft es nicht, nennenswerte Höhepunkte zu setzen. Erst wenn das Verhältnis zwischen Alain und der Prinzessin allmählich in Fahrt kommt baut sich Spannung auf, fragt man sich unweigerlich, ob bei dem ganzen Geschmuse und Gebumse nicht irgendwann Antoine überraschend da stehen wird. Und erst das letzte Drittel des Films überzeugt wirklich mit solchen Dingen wie Atmosphäre und grundlegender Spannung, doch der Deus Ex Machina-Schluss zerstört dann wiederum sehr vieles der aufgebauten Stimmung.

 

Und auch aus diesem Grund komme ich immer wieder auf diese Szene am Strand zurück: Wie die italienischen Filmschaffenden, so tanzen auch die drei Protagonisten ausgelassen am Meer, während am Hintergrund bereits die Nacht dräut, und schon kurze Zeit nach diesem Tanz der Untergang droht. Wir wissen zwar nicht wohin wir wollen, das aber mit unserer ganzen Kraft scheinen sie zu sagen, und wenn uns gar nichts mehr einfällt haben wir immer noch den makellosen Körper von Zeudi Araya, wie er sich im Liebeswahn unter den Küssen eines attraktiven Mannes räkelt und windet.

 

Wie bereits erwähnt ist IL CORPO hübsch anzuschauen, und mit ein klein wenig Mühe (oder einem Glas Rum. Oder zweien …) auch gut durchzustehen. Prinzessin Araya und der hinreißende Soundtrack sorgen für das Vergnügen, und die beiden älter gewordenen Enrico Maria Salerno und Carroll Baker haben einige sehr drollige Blicke im Repertoire, die ganz klar Nach den Dreharbeiten sollten wir einfach hier bleiben und uns zur Ruhe setzen sagen. Leonard Mann macht seine Sache sehr gut und sein sensibles Spiel erinnert mich oft an Montgomery Clift, aber vielleicht wäre mir die Physis eines, sagen wir, Joe Dallesandro doch lieber gewesen, um dem Film einfach mehr Schmackes zu geben. So dümpelt das Schiff halt doch relativ lange orientierungslos dahin, ohne dass der Kompass eine vernünftige Richtung vorgeben mag. Wie die italienische Filmwirtschaft zu dieser Zeit eben auch …

Autor

Maulwurf

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