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Chi si ferma è perduto

Italien, 1960

Alternativtitel:

He Who Hesitates Is Lost (NLD)

Totó Torce o Pepino (PRT)

Den som tvekar är förlorad (SWE)

Regisseur:

Sergio Corbucci

Inhalt

Der Buchhalter Antonio Guardalavecchia (Totò) und der Handelsexperte Giuseppe Calabona (Peppino De Filippo) sind in der neapolitanischen Niederlassung des Transportunternehmens Pasquetti beschäftigt. Außerdem sind sie Nachbarn, sowohl auf der Arbeit als auch in ihrem Wohnhaus. Ihr Boss Cesare Santoro (Luigi Pavese) ist von den Sticheleien seiner beiden ältesten Mitarbeiter genervt und droht sie nach Sardinien zu versetzen.

 

Als Santoro überraschend stirbt, wird ein Generalinspekteur angekündigt, der über die Vergabe des frei gewordenen Postens entscheiden soll. Doch eigentlich ist die Sache klar. Guardalavecchia und Calabona droht die Versetzung, der Chefposten soll an den „Neuen“, den Schürzenjäger Donato Cavallo (Luigi De Filippo) gehen, der sich dessen glücklicherweise nicht bewusst ist, genauso wenig wie der Generalinspektor.

 

So schnell geben Guardalavecchia und Calabona also nicht auf. Ein bitterer Streit um die Gunst des Generalinspektors beginnt, bei dem ihnen kein Trick zu schmutzig ist, um sich gegenseitig schlecht zu machen.

Review

Der Filmtitel CHI SI FERMA È PERDUTO (in etwa „Wer zögert, ist verloren“) ist eine Anspielung auf ein typisches Mussolini-Zitat, denn dieser hatte eine Schwäche für zackige Sprichwörter, und ich gehe mal davon aus, dass italienische Kinozuschauer sich dessen bewusst waren. Totò zitiert den Spruch im Film unter dem Hinweis, dieser sei ein berühmter Ausspruch aus der Region Chiavari. Tatsächlich hielt Mussolini im Stadion von Chiavari eine bekannte Rede, wo er dieses Sprichwort verwendete. Die Botschaft des Films ist freilich genau das Gegenteil: wer handelt, ohne vorher nachzudenken, gerät von einem Schlamassel in den nächsten.

 

Das Duo Totò und Peppino buhlt also um die Gunst eines Generalinspektors, um den Chefposten für die neapolitanische Niederlassung ihrer Firma zu erhalten. Obwohl der Film in Neapel spielen soll, wurde er komplett in Rom gedreht. Antonio Guardalavecchia und Giuseppe Calabona schmieden beide eigene Pläne, um den Generalinspektor Rossi am Bahnhof abzufangen, um ihm Honig ums Maul zu schmieren. Während Calabona am Bahnhof auf Rossi wartet, scheint Guardalavecchia schon einen Schritt weiter. Mithilfe des Kleinganoven Cavicchioni (Renzo Palmer), der sich Rossi gegenüber im Zug als Rüpel aufspielen soll, will Guardalavecchia sich als Retter aufspielen. Doch es gibt zwei Rossis im Zug.

 

Hier borgt das Drehbuch ein wenig von Nikolai Gogols Geschichte „Der Generalinspektor“, denn Guardalvecchia nimmt den Falschen mit zu sich nach Hause. Matteo Rossi, der echte Inspektor der Firma Pasquetti, wird hervorragend gespielt von Aroldo Tieri. Mario Rossi (Alberto Lionello) ist in Wahrheit Schulinspektor und landet daheim bei den Guardalevecchias, wo er sich in die Tochter Jole (Angela Portaluri) verliebt.

 

Doch ich will nicht die gesamte Handlung des Films wiederkauen, denn es gibt noch zahlreiche weitere Verwicklungen. Und da stößt man auf ein Kuriosum. Die Handlung des Films ist wie für eine Komödie gemacht, die Darsteller sind in topform. Doch irgendwie ist alles zu viel und aufgedreht, in gewisser Wesie auch altbacken. Wenn etwa Guardalavecchia versucht, Rossi davon zu überzeugen, dass sein Kollege Calabona ein Hexer sei, der ihm Unglück bringt, fragt man sich, was soll der Quatsch. Ein Tüpfelchen zu viel. Amüsant hingegen wird es, wenn Guardalvecchia sich nicht zu schäbig ist als etwas überalterter Romeo die Schwester des Firmenbesitzers zu verführen, um an die gewünschte Beförderung zu gelangen

 

Da ich angesichts Christoph Draxtras Schilderungen, wie schwierig es ist, eine italienische Komödie zu untertiteln, einen Heidenrespekt vor dieser Arbeit habe, empfand ich auch keine Häme, als ich feststellen musste, wie überfordert der/die Übersetzer/in der deutschen Netflix-Untertitel zu CHI SI FERMA È PERDUTO war. Der Film ist ein wahres Fest von langen, komödiantischen Dialogen, gespickt mit Wortspielen ohne Ende, dass einem schon das eine oder andere entgehen kann. Zudem gibt es eine Unzahl von Hauptpersonen. Da kann man schon mal Pronomen verwechseln oder beim überdrehten Finale des Films schließlich den Faden verlieren. Mit „Concubino“ ist natürlich ein Mann gemeint, und keine Frau. Letzteres ergab inhaltlich auch keinen Sinn. Einmal wird dann gar Guardalevecchias Frau mit Giulia (Lia Zoppelli), der Schwester des Firmenbesitzers Pasquetti verwechselt. Ebenso wird nicht klar, wie es zu den Verwechslungen der ganzen Zimmernummern im Hotel-Finale kam. Ich kann die händeringende Verzweiflung des Übersetzers beim Finale aber nachfühlen.

 

Regie bei CHI SI FERMA È PERDUTO führte Sergio Corbucci, der auch kurz im Film zu sehen ist, als Billardpartner von Renzo Palmer.

Veröffentlichungen

CHI SI FERMA È PERDUTO ist derzeit im Original mit deutschen Untertiteln bei Netflix verfügbar.

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