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Arriva Eldorado

Italien, 1972

Originaltitel:

Scansati... a Trinità arriva Eldorado

Alternativtitel:

Pokerface auf krummen Touren (BRD)

Planques toi minable, Trinita arrive... (FRA)

Kamera:

Joe D'Amato

Inhalt

Jonathan Duke und sein Kumpel Carter agieren als Kleinganoven, die von Stadt zu Stadt ziehen, um sich mit Falschspielerei und dem Verkauf eines angeblichen Wunderwassers ihren Lebensunterhalt zu sichern. Nachdem das Duo mit seinen alltäglichen Betrügereien mal wieder auf die Nase fiel, verziehen sich die beiden Gauner in Richtung Trinità. Eine kleine Gemeinde in der Eldorado die Einwohner unterjocht und mittels seiner Tyrannei ein ansehnliches Vermögen erschwindelt hat. Freilich sind Duke und Carter darauf aus, diese Reichtümer in ihren Besitz zu bringen. Zu diesem Zweck benötigen sie die Hilfe von Eldorados Nichte Juanita, die den als Magier getarnten Duke in Eldorados Domizil schleusen soll.

Review

Wenn man die Story liest, wird prompt die übliche Erwartungshaltung aktiviert: Zwei Westerner, in diesem Fall zwei mehr oder minder liebenswerte Ganoven, ziehen gegen einen Tyrannen in die Schlacht, um diesem seiner Besitztümer zu berauben und sich anschließend mit dem ergaunerten Reichtum aus dem Staub (von Almería) zu machen - FINE. Dieses Schema erfährt in etlichen italienischen, bevorzugt mit vielerlei Brutalitäten wie Grausamkeiten angereicherten, Western seine Anwendung. ARRIVA ELDORADO ist im Bereich der angesprochenen Grausamkeit gar ausgesprochen angriffslustig aufgestellt, denn die Attacken, die das Schmierentheater auf mein Nervenkostüm ausübte, konnte mein über Jahrzehnte in mühseliger Kleinarbeit errichteter Schutzwall nicht fortwährend abwehren! Ich will in diesem Kontext nicht nur auf der deutschen, immerhin mit Andreas von der Meden besetzen, Synchronisation rumhacken und dieser den Schwarzen Peter zuschustern, denn der Film besitzt reichlich Defizite, an denen sich der Hebel für einen gnadenlosen Verriss erfolgreich ansetzen lässt. Klar, es wird derart viel Unsinn geredet, dass man mit dem geistigen Müll sämtliche Straßen von San Franzisko fluten könnte, aber so etwas gehört halt zu den italienischen Comedy-Western wie die Satansbrut zu Colonel Blake oder die dicke Luft zu Sacramento. Wem der auditive Unfug allerdings derart gegen den Strich geht, dass er aufgrund seiner eskalierenden Antipathie nicht mehr zuhören kann oder mag, der sollte sich in Zukunft bitte nicht in die Internetfilmdatenbanken einbringen und fehlerhafte Informationen verbreiten. Ofdb und imdb wie auch Wikipedia und der Filmdienst, wer weiß schon, wer von wem abgeschrieben hat und wer als erster die Ohren auf Durchzug stellte (?), schreiben die Rolle des Jonathan Duke Gordon Mitchell zu, was absoluter Unfug ist. Da ARRIVA ELDORADO einer simplen Gleichung ohne jegliche Variable(n) entspricht, lässt sich der Kokolores auch ebenso simpel korrigieren: Stelvio Rosi ist als Jonathan Duke und Gordon Mitchell als dessen Kumpel Carter unterwegs.

 

Deutlich schwieriger, aber nicht aussichtslos, gestaltet sich die Recherche in puncto Regie und Produktion. Fakt ist: Das Joe D'Amato definitiv hinter der Kamera stand. Inwieweit er sich in die inszenatorische Verantwortung einbrachte, lässt sich nur mutmaßen. Die Credits nennen als Regisseur Dick Spitfire und hinter diesem Namen verbirgt sich meines Erachtens Demofilo Fidani und nicht wie es Datenbanken reflektieren: Diego Spataro. Sparato, dem eine Affäre mit Ziggy Zanger (wirkte in D'Amatos NACKTE EVA mit) nachträllert wird, hat sich oft um das nötige Kleingeld bemüht, um Großmeistern wie Fidani die Herstellung seiner weniger berühmten, aber durch und durch berüchtigten Machwerke Marke FÜR EINEN SARG VOLLER DOLLARS aka ADIOS COMPANEROS zu ermöglichen. Die im Internet kursierenden Daten sind demgemäß mit äußerster Vorsicht zu genießen! Und da alles so befremdlich klingt, schlage ich vor, dass wir uns fortan lieber um das unter diversen Pseudonymen entstandene Endresultat kümmern sollten.

 


ARRIVA ELDORADO startet mit haarsträubenden Gags, die während einer Verkaufsveranstaltung provoziert werden und zumindest den ganz harten Rezipienten das ein oder andere Lächeln abgewinnen können. Es folgt eine wirklich gelungene Präsentation der Credits, welche die flinken Finger des Jonathan Duke und deren/dessen einhergehende Kartenkunststückchen zu einem gleichberechtigten Partner eines gut arrangierten und Ohrwurmtauglichen Leitmotivs aus der musikalischen Feder von Giancarlo Chiaramello avancieren lassen. Eine unbeschwerliche wie eingängige Komposition, die an die Tondichtungen aus dem Hause Guido und Maurizio de Angelis alias Oliver Onions erinnert. Es ist einer der wenigen Filmmomente in dem alles zusammenpasst und Ton wie Bild miteinander in Einklang kommen. Der Score liefert jedoch auch über die umrissene Szene hinaus nichts, an dem ich etwas auszusetzen habe, denn auch die folgenden Prog-Rock-Klänge bereiteten meinem Gehör angenehme Minuten, ergo eine wohlverdiente Auszeit von der phasenweise strapaziösen bundesrepublikanischen Synchronisation.

 

Nebst den unzähligen Antischerzen werden auf Teufel komm raus möglichst viele Prügeleien provoziert, welche ihre Ambitionen aus den seinerzeit zunehmend an Popularität gewinnenden Spencer/Hill-Filmen ziehen. Die Raufereien wurden übrigens vornehmlich in Halbtotalen fotografiert und wirken sehr hektisch, sodass ich einerseits Bedenken habe, ob der zuständige Regisseur den prügelnden Chaoten koordinierende Anweisungen zukommen oder ob er sie einfach mal machen ließ. Andrerseits lässt sich die erwähnte Hektik freilich damit begründen, dass die Verantwortlichen die üblichen 24 Bilder pro Sekunde auf 22 oder gar 20 Bilder reduzierten und dieserhalb wie desterwegen die vehemente Turbulenz auslösten.

 

An diesem Eindruck respektive Ausdruck gemessen, überrascht mich, dass eine den Mantel-und-Degen-Film zitierende Säbelfechtszene von dieser Methode verschont blieb und das Klingengekreuze zur lapidaren Alt-Herren-Veranstaltung erklärt wird. Wer die Behauptung nicht nachvollziehen kann, der sollte in den einen oder anderen Film mit Douglas Fairbanks (z. B. THE BLACK PIRAT) reinschauen und simultan erfahren, dass dort in einem Höllentempo gefochten wird, womit ich die Gelegenheit beim Schopfe packe und abermalig auf die eben definierte Bilderreduzierung verweise.

 

Ich vermute, dass es niemanden verblüffen wird, wenn ich behaupte, dass innert ARRIVA ELDORADO ein Kasper dem nächsten die Hände reicht. Aber das man ausgerechnet Amerigo Castrighella als Ringo (mit riesiger Wahrscheinlichkeit der uncharismatischte aller IW-Ringos) und Craig Hill als Pausenclown Eldorado besetzt, erweckt, in mir zumindest, großes Erstaunen. Was zugleich eine deutliche Divergenz zu meiner Filmrezeption bedeutet, denn ARRIVA ELDORADO sägte zeitweise zwar gnadenlos wie penetrant an meinen Nervensträngen, allerdings konnten mich diese Stakkato-Torturen nicht wirklich erstaunen, da ich sie von einem italienischen Comedy-Western (ein Cocktail, der mich - egal, ob geschüttelt oder gerührt - nicht immer, aber immer öfter - übel aufstoßen lässt) nun mal erwarte.

 

 

Fazit: ARRIVA ELDORADO beschränkt sich darauf, möglichst viele Prügeleien sowie unzählige Kalauer zu transportieren. Währenddessen verkommt die ohnehin bescheidene Story zu einer Randnotiz, was die Zugänglichkeit zu diesem Vehikel auch deutlich erschwert. Wer sich dessen bewusst und trotzdem bereit ist, sich dem Film zu stellen, der/die sollte sich im Vorfeld auf ein unkoordiniertes wie ausgesprochen quälend- und strapaziöses Parlando einstellen, das seine Tonleiter mächtig durcheinander wirbelt und demgemäß emsig an Ihren Nervenkostümen zerren wird.

 

Links

OFDb

IMDb

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