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Antreten zum Verrecken

Italien, 1969

Originaltitel:

Uccidete Rommel

Alternativtitel:

Kill Rommel!

Matar a Rommel (ESP)

Objetivo: Rommel (ESP)

Dans l'enfer des sables (FRA)

Deutsche Erstaufführung:

2. November 1973

Regisseur:

Alfonso Brescia

Kamera:

Franco Villa

Inhalt

Nordafrika 1941: Der drohende Verlust Libyens zwang Benito Mussolini, Adolf Hitler um militärische Unterstützung zu ersuchen. Die Lage war kritisch, denn ein Gesamtsieg der britischen Armee in Nordafrika würde fatale Folgen haben: Eine britische Invasion in Italien. Um den prognostizierten „GAU“ zu verhindern, landeten am 11. Februar 1941 deutsche Truppen in Tripolis, die fortan gemeinsam mit den italienischen Truppen und unter der Führung von Erwin Rommel die gemeinsame Rückeroberung starteten. Kraft seines mobilen Wüstenkriegs warf der Wüstenfuchs die überlegenen britischen Verbände mehr um mehr zurück.

 

Das Blatt hatte sich also gewendet. Um die alten Machtverhältnisse schnellstmöglich wiederherzustellen ist es für die Briten nun allerhöchste Eisenbahn zurückzuschlagen - zu einem vernichtenden Gegenschlag auszuholen. In diesem Zusammenhang erhält ein kleines britisches Kommando die Order: Rommel zu töten! Doch neben die Bereitschaft sich dem Himmelfahrtskommando anzuschließen, tritt nicht der unbedingt benötigte Zusammenhalt, da die beiden Offiziere Captain Richard Howell und George Morris unterschiedliche Auffassungen von Kameradschaft und Kriegsführung haben und mittels ihrer Streitigkeiten den Erfolg der Mission arg gefährden.

Review

Gemessen am historischen Rahmen sollte die eben umrissene Filmhandlung für jedermann gut nachvollziehbar sein. Die Inhaltsangaben, die ich auf den einschlägigen Internetseiten finden konnte, reflektieren nämlich - zumindest meines Erachtens - lediglich eine lieblose Aneinanderkettung von Worten, die den Konsumenten alles andere als erfolgreich auf Brescias Film einstimmen.

 

Obwohl dieser (der Film) freilich eine exploitative Kolorierung zueigen hat, beschränkt er sich nicht darauf, möglichst viele, dem Selbstzweck geschuldete Kampfszenen respektive Kriegsszenen aufzuführen. ANTRETEN ZUM VERRECKEN fokussiert stattdessen den Männerstreit zwischen einem englischen (Captain Richard Howell) und einem amerikanischen (George Morris) Offizier. Der Grund für die Auseinandersetzung: Howell handelt streng nach Vorschrift und erwartet dieses Vorgehen auch von seinen Untergebenen - auch wenn seine Anweisungen unnötige Menschenleben fordern. Da sich Morris, ein renommierter Reporter bei der Dallas Times, mit einer solchen Rücksichtslosigkeit nicht arrangieren und obendrein seinen Mund nicht halten kann, ist es nur folgerichtig, dass jenes angespannte Verhältnis dem kontinuierlichen Druck nicht mehr lang standhalten kann und die „Explosionen“ der beiden Zeitgenossen unausweichlich sind.

 

„Auch diese beiden sind für ihr Vaterland gefallen!“

(Captain Richard Howell)

 

Konträr zu dem transparenten Charakter George Morris behält sein Kontrahent Richard Howell (der nach eigenem Ermessen im Privatleben gescheitert ist, da seine starke Hand bei seiner Ehefrau Marjorie versagt hat) stets etwas Undurchschaubares, sodass seine wahre Identität bis zum Ende des Films in der Schwebe bleibt. Es mag evt. an Anton Diffrings Herkunft liegen, dass ich ihm seine Rolle als britischer Offizier nicht wirklich abnehmen konnte. Anton war zweifelsohne ein toller Schauspieler! Ich sehe ihn immer wieder gern, aber er strahlte halt etwas aus, das ihn deutlich eher für die Rollen von fiesen Nazioffizieren respektive Nazischergen qualifizierte.

 

ANTRETEN ZUM VERRECKEN benötigt eine ganze Weile, um in die Gänge zu kommen, sodass sich die Frage nach dem Sinn des Films herauskristallisiert. Erst mit Start des zweiten Drittels und der Bekanntgabe der Order: Rommel zu eliminieren, kommt das Vehikel sichtlich besser in Fahrt. Aufgrund seines Fahrwegs, der Schauplatz Wüste, erinnert mich Brescias Film zeitweise an einen Western, womit ich notabene nicht (!) allein auf die italienischen Bleiopern verweise.

 

Sofern ein B-Film auf die eine oder andere Weise aus dem Genrerahmen fiel, verwende(te)n Filmkritiker gern die Bezeichnung nervous Bs. Diese Begrifflichkeit besagt, dass ein Film in thematischer wie formaler Weise aus jenem Genre, in das man ihn prima facie einordnet, ausbricht. Dieser - ich sage mal - cineastische Existentialismus lässt sich beispielsweise in Monte Hellmans grandiosem Western DAS SCHIEßEN, ein Amalgam aus Western und Suspense, ausmachen.

 

Kurzum wie summa summarum: ANTRETEN ZUM VERRECKEN gehört zwar ins Kriegsfilmgenre, besitzt aber augenfällige Western-Einflüsse und bringt anhand der Rivalitäten der beiden Hauptcharaktere einhergehend die Psychoanalyse aufs Tapet.

 

Wie bereits erwähnt besitzt Brescias Kriegs-Vehikel nur wenige Actionmomente, die zudem - was man mittels der chargierenden Einstellungsgrößen Weit und Total simpel erkennen kann - einer kostengünstigen Inszenierung unterzogen wurden. Die Kostengünstigkeit, also die geringe Anzahl von Statisten sowie die ausrangierten Fahr- wie Flugzeuge (freilich inklusive aufgepinselter Hakenkreuze) verhindern jedoch nicht das Zustandekommen passabler Kampfchoreografien, die von der einen oder anderen Explosion, welche den Wüstensand kurzzeitig aufwirbeln, begleitet werden.

 

Während ich mir gestern aufmerksam eine Komplett-Liste mit Italo-Kriegsfilmen anschaute, wurde mir bewusst, dass ich viele dieser Filme (als zweifelhafte Digitalisierungen dubioser Schundlabel wie auch deutlich ehrenhafteren VHS-Rips) tatsächlich in der Sammlung und somit auch gesichtet habe. Einen Löwenanteil dieser Italo-Kriegsfilme (hiermit spreche ich die Produktionen zwischen 1967 bis 1973 an) siedle ich im gesunden bis unteren Mittelmaß an. Und in eben diese Kategorie der Mittelmäßigkeit lässt sich ANTRETEN ZUM VERRECKEN ganz prima einordnen. Ein Kriegsvehikel, das etwas mühsam in die Gänge kommt, aber kraft der handfesten Offiziersstreitigkeiten sehr wohl zu unterhalten weiß.

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