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Two Guns and a Coward

Italien, 1968

Originaltitel:

Il pistolero segnato da Dio

Alternativtitel:

2 Pistolets pour un lâche ! (FRA)

A gyáva mesterlövés (HUN)

Dos pistolas y un cobarde (ARG)

El pistolero que odiaba la muerte (ESP)

Kaksi asetta pelkurille (FIN)

O Pistoleiro Designado por Deus (PRT)

O Pistoleiro Marcado por Deus (BRA)

Revolverhelten (NOR)

Skarpskytten hævner (DNK)

Skjuta är silver - döda är guld (SWE)

Twee pistolen voor een lafaard (BEL)

Two Pistols and a Coward (USA)

Regisseur:

Giorgio Ferroni

Inhalt

1880: Um die Ortschaft Clayton herrscht ein unerbittlicher Kampf um kostbares Weideland. Ein Rinderbaron (Coleman) will seine Herden auf dem Land des Heimstätters Jonathan Murphy grasen lassen, was dieser mittels Stacheldrahtzäunen verhindert. In Folge des Widerstands heuert Coleman den Killer Roy Elroy und dessen Leute an, um das Problem zu beseitigen, was das Ende der Murphys bedeutet. Einzig der kleine Sohn (Tony) kann das Massaker überleben.

 

Einige Tage, Wochen oder Monate später: Tony, der mittlerweile von seiner Tante aufgezogen wird, ist ein treuer Besucher des ortsansässigen Wild-West-Zirkus und bestaunt die Fähigkeiten des Kunstschützen Gary McGuire, dem Hurrikane des Wilden Westen. Gary wirbelt den Colt durch die Lüfte und seine bleiernen Kugeln treffen stets ins Zentrum seiner anvisierten Ziele. Wow, denken sich die Farmer, ein solcher Teufelskerl, der könnte doch mir nichts, dir nichts das Land vom Banditentum befreien! Und da fünf Halunken soeben ins Gras gebissen haben, Gary sich in unmittelbarer Nähe befand, wird der Kunstschütze postwendend zum Volkshelden erklärt. Die fünf Toten sind allerdings Roy Elroy geschuldet, der einfach nicht bereit war, die Beute aus einem Banküberfall mit den Galgenvögeln zu teilen. Fortan macht Roy Gary (der unter einem Kindheitstrauma leidet und sich keinem Duell stellen, geschweige denn den Colt gegen einen Menschen richten kann) zum Opfer von Erniedrigungen, ergo zum Gespött der Ortsbewohner und Zirkusgäste. Der einstige Hurrikane hat jegliche Kraft verloren und wird zum Ausgestoßenen, der seinen Trost in der Whiskeyflasche sucht und findet. Haben die Farmer nun endgültig ausgespielt oder wird Gary McGuire sein Trauma überwinden und nach Clayton zurückkehren, um für klare Verhältnisse zu sorgen?

Review

Nach drei beachtlichen Western mit Giuliano Gemma in der Hauptrolle, inszenierte Giorgio Ferroni mit IL PISTOLERO SEGNATO DA DIO seine IW-Abschlussarbeit. Und diese hat es ganz schön in sich, denn IL PISTOLERO SEGNATO DA DIO liefert eine gute Story, gute Darsteller und eine ganze Menge Spannung, sodass ich gar leicht euphorisiert aus Ferronis Western-Inszenierung entlassen wurde.

 

Der im Anschluss an die Credits gezeigte, von unten nach oben fließende Text teilt uns mit, dass - wie bereits in der ersten Hälfte der Inhaltsangabe erwähnt - die Siedler (Farmer bzw. Heimstätter) Stacheldrahtzäune errichten, um sich vor den Viehherden der Rinderbarone zu schützen, was freilich blutige Gegenmaßnahmen evoziert.

 

In der realen Geschichte Amerikas war Major Andrew Drumm der erste, der einen Stacheldrahtzaun errichten ließ. Drumm war durch und durch Geschäftsmann. Er scheffelte als Goldgräber den Grundstein seines Vermögens, errichtete eine Fleischfabrik und suchte weitere Abenteuer wie Erfolge bei den Rindertrecks, um peu à peu zum Multimillionär aufzusteigen. Währenddessen entdeckte Drumm erstklassiges Rinderland, und zwar den nicht genutzten Cherokee-Streifen, welchen er sich unter den Nagel riss und einzäunte.

 

Eine gewichtigere Bedeutung hatte der Stacheldrahtzaun jedoch bei den Fehden zwischen Rinder- und Schafzüchtern. Die Schafe besaßen nämlich die Angewohnheit, das Gras dermaßen dicht bei der Wurzel abzufressen, dass es eine gefühlte Ewigkeit dauerte, bis das kostbare Grün einen Neuanfang startete aus dem Erdreich spross. Folglich mussten die Rinderzüchter und Rinderbarone handeln und ihre Weiden mittels S-Draht vor den blökenden Dauerfressern schützen.

 

In unserem Fall, IL PISTOLERO SEGNATO DA DIO, schützen die ansässigen Farmer ihre Heimstätten mittels Stacheldraht, um ihre fruchtenden Acker vor driftenden wie grasenden Rinderherden zu bewahren. Die Farmer besitzen eine von der Regierung ausgestellte, landwirtschaftliche Konzession, was sie zur Nutzug des Stacheldrahts legitimiert. Im Gegenzug beschäftigt der Rinderbaron Coleman berufsmäßige Killer, die das Problem aus der Welt schaffen sollen. Das aus einer solchen Situation provozierte Fencecutting, das Zaunschneiden, wurde 1884 zu einer Straftat, die mit 5 Jahren Haft honoriert werden konnte. Zuvor konnte es den Tätern allerdings deutlich schlimmer ergehen, denn selbst der Besitz einer Drahtzange konnte den Vigilanten-Komitees Anlass genug sein, den Betreffenden am nächsten Ast aufzuknüpfen. Damit wäre die brisante Ausgangslage (die allerdings nach und nach ins dritte Glied rückt) klar, verständlich wie einleuchtend definiert.

 

Auf Platz 2 der Agenda rangiert die Jagd nach 30.000 Dollar. Und von der Spitze grüßen die verknüpften Schicksale des Waisen Tony Murphy und des Kunstschützen Gary McGuire.

 

Gary ist der Clou in einen Zirkus, der (vermutlich) täglich, mit dem Zweck die Bürger von Clayton zu unterhalten und ihnen einige Dollars aus der Tasche zu ziehen, seine Schleusen öffnet. Angespornt von einigen Clowns wie einigen einheitlich als Indianer kostümierten Komparsen schwingt Gary den Colt, um das Publikum zu bluffen wie zu verblüffen.

 

Dieser Zirkusmief wie jenes Kunstschützentum sind freilich an Buffalo Bills Wild West Show angelehnt, welche 1883 in Omaha debütierte. Im ersten Jahr war William Franklin Carver alias „The evil Spirit of the Plains“ (wer auch immer ihm den Namen zuschusterte, ich vermute, er war es selbst) sein Kompagnon. Ein dubioser Zeitgenosse wie Scharfschütze mit einem alles andere als astreinen Ruf.

 

Konträr zu Carver wird Gary in die Rolle des Sprücheklopfers und Großkotzes (in der sich Buffalo Bill bekanntlich auch sehr wohl fühlte) gezwungen. Er wächst kraft eines Missverständnisses zum Volkshelden und ist für die Siedler der hell strahlende, die Hoffnung verbreitende Stern am verseuchten Firmament. Doch wer auf den Putz haut, der muss hin und wieder mit Konsequenzen rechnen, was der Berufskiller Roy Elroy ausnutzt und Gary zum Gespött der Einheimischen macht. Wehren kann sich Gary nicht, denn jegliches Aufbegehren beantwortet sein Inneres postwendend mit Ablehnung, denn Gary ist traumatisiert und kann demgemäß den Colt nicht auf einen Menschen richten. Der scheinbare Held wird somit zum Deppen. Zu einem Dorftrottel, den man nach Belieben erniedrigen wie vergackeiern kann. Die Quintessenz, die uns Giorgio Ferroni mittels IL PISTOLERO SEGNATO DA DIO respektive mittels des Charakters Gary McGuire liefert, liebäugelt freilich mit LIBERTY VALENCE.

 

Giorgio Ferronis vierte und letzte Westerninszenierung verdeutlicht eindrucksvoll, dass der Mann sein Handwerk nicht nur verstand, sondern kraft seiner Fähigkeiten das italienische Westerngenre definitiv bereichern konnte. So reflektiert IL PISTOLERO SEGNATO DA DIO einen fortwährend spannenden Western, in dem der Antiheld - nicht unberechtigt - zum Prügelknaben wird, aus seinen einhergehenden Leiden allerdings lernt und fortan zu etwas Besserem reifen wird. Ferroni stellt der Lüge die Realität wie dem Schein das Sein gegenüber, zieht Lienen zu John Ford und verabreicht den Großkotzen der amerikanischen Historie respektive den Produkten journalistischer Phantasien eine schallende Ohrfeige. Tipptopp!

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