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Rivalen unter roter Sonne

Frankreich | Italien | Spanien, 1971

Originaltitel:

Soleil rouge

Alternativtitel:

Sole rosso (ITA)

Sol rojo (ESP)

Red Sun

Deutsche Erstaufführung:

15. Oktober 1971

Regisseur:

Terence Young

Kamera:

Henri Alekan

Inhalt

Den Outlaws Link und Gotch gelingt es, gemeinsam mit ihren Halsabschneidern die Insassen eines Reisezugs zu berauben sowie ein wertvolles Samurai-Schwert, ein Geschenk des japanischen Kaisers an den US-Präsidenten, zu erbeuten. Der japanische Botschafter, der das Schwert überreichen soll, ist sich seiner ernsthaften Lage bewusst, denn der Verlust des Schwertes bedeutet gleichzeitig den Verlust der Ehre. Folglich beordert er den Sumurai, Kuroda Jubie, das Schwert innerhalb einer Frist von sieben Tagen zurückzuholen. Sollte die Frist erfolglos verstreichen, bleibt den japanischen Idealisten, um ihre verlorene Ehre wiederherzustellen, nur noch der ritualisierte Freitod! Link, der nach dem erfolgreichen Zugüberfall von Gotch gelinkt wurde, soll und wird Kuroda begleiten. Zwei grundverschiedene Menschen, der aufrechte Ehrenmann und der schlitzohrige Gesetzlose, in den von blutrünstigen Comanchen bevölkerten Weiten Arizonas, das kann nur Ärger bedeuten! Doch mit jeder kleinen Reiberei rücken der Ablauf der Sieben-Tage-Frist sowie die Erfüllung des Seppuku-Versprechens näher und näher.

Review

Ein Samurai im Wilden Westen. Auch wenn eine solche Konstellation vor „Rivalen unter roter Sonne“ vermutlich von zahlreichen Comiczeichnern zu Papier gebracht wurde, lässt sie sich im amerikanischen wie europäischen Westernkino eher selten ausmachen. Ganz anders verhält es sich beim Thema Chinesen im Wilden Westen, was freilich der Masseneinwanderung zu Beginn und während des kalifornischen Goldrauschs, Mitte des 19. Jahrhunderts, verpflichtet ist. Der Hass, den Trumps Lehrmeister auf die chinesischen Fremdarbeiter hegten, wurde bereits 1922 in dem Film „Pals of the West“ zum Ausdruck gebracht. Es folgten Lichtspiele wie „Sky High“ (USA, 1922) und Roarin' Broncs (USA, 1927), in denen Tom Mix als Vertreter der Einwanderungsbehörde sowie der deutsche Schäferhund, Rin Tin Tin, gegen eine illegale Einwanderung und deren Drahtzieher zu Felde zogen.

 

Auch wenn die Zahl der immigrierten Chinesen deutlich höher war, als die der immigrierten Japaner, wurde ihnen von den Zivilisierenden dieselbe Feindseligkeit entgegengebracht, sodass Parolen wie „The Chinese must go!“ in „The Japs must go!“ umkonstruiert wurden. Die Japaner, welche somit die Nachfolge der verhassten Chinesen antraten, immigrierten vornehmlich erst im 20. Jahrhundert (Massenauswanderungen japanischer Bürger waren von kaiserlicher Seite erst seit 1885 erlaubt) in das Land der unbegrenzten Abscheulichkeiten. Das 20. Säkulum reflektiert wiederum einen Zeitabschnitt in der amerikanischen Historie, der in ganz wenigen Western visualisiert wurde! Was hätte man denn zeigen sollen? Der Wilde Westen war längst zivilisiert! Der vermutlich letzte Widerstandskämpfer, Geronimo, wurde 1898 Teil der Trans-Mississippi-Ausstellung, verkaufte später Fotografien mit seinem Konterfei für 25 Cent und trat hernach in „Pawnee Bills Wild West Show“ als die ehemals „blutrünstige Bestie“ auf. Das Konkurrenzunternehmen von Buffalo Bill, die Wild West Show, fusionierte 1910 mit dem von Pawnee Bill, was 1913 im kollektiven Konkurs endete. Auch wenn der Büffel-Bill zig Mal die Lichtspiele enterte, fungiert das 20. Jahrhundert als eine weniger spannende Epoche für einen sensationellen Westernstoff, somit sollte nun auch klar sein, warum Japaner sehr selten in den Westernlichtspielen vertreten sind.

 

Die wenigen Ausnahmen wurzeln in Europa: „Drei Halunken erster Klasse“ (Tomas Milian als Sakura) „Der Mann mit der Kugelpeitsche“ (Katsutochi Mikuriya als Mikuja), „Der Schrecken von Kung Fu“, wo das Geschehen allerdings vom Wilden Westen nach Osaka verlagert wird, was den Westerner in die Rolle des Einwanderers schlüpfen lässt, und eben „Rivalen unter roter Sonne“, wo sich ein verdienstvoller Samurai im Wilden Westen auf die Suche nach einem gestohlenen, goldenen Schwert macht: Kuroda Jubie, gespielt von Akira Kurosawas Lieblingsschauspieler, dem großartigen Toshirô Mifune, der gemeinsam mit Alain Delon und Charles Bronson Terence Youngs Cast anführt. Der harmonische Klang dieser Namen, die sich wie ein Gedicht lesen, wird durch das besetzungstechnische Manko, Ursula Andress als Cristina und, mit Blick auf den Satzanfang, als das deplatzierte Wort innert des Binnenreims, unterbrochen. Das erste Bondgirl spielt die eigentlich dankbare Rolle (als Bitch) mit starrer Mimik und überaus gelangweilt wie langweilend herunter. Es mag ja sein, dass (beispielsweise) Raquel Welch ebenfalls keine begnadete Schauspielerin war, aber sie besaß neben ihrer sympathischen Aura dieses gewisse Etwas, das Ursula Andress gänzlich abgeht.

 

Ursula Andress hat vor wie nach ihrem Auftritt als Bondgirl, Honey Ryder, nichts gemacht, was sie als halbwegs ernstzunehmende Schauspielerin qualifizieren könnte. Stattdessen war sie Teil der Tagespresse, die mit Klatsch und Tratsch die Leser bei Laune hielt und ihre Abenteuer mit James Dean zur öffentlichen Schau trug. Nach Little Bastard verfiel sie John Derek, der sie ganz groß raus bringen wollte, sie in letzter Konsequenz jedoch lediglich vor den Traualtar und anschließend lediglich dahin brachte, wo alle seine Ehefrauen landeten, in den Playboy. Ursula Andress hat zwar in machen tollen Filmen mitgewirkt, erhielt von Elio Petri gar die Lizenz zu töten, konnte aber meines Erachtens keinen Film mit ihrer Anwesenheit beziehungsweise ihrem Mitwirken so wirklich bereichern und dieser Maxime bleibt Andress, der leider mehr Spielzeit als dem routiniert auftretende Alan Delon zugestanden wurde, bei „Rivalen unter roter Sonne“ eisern treu.

 

Ich durfte „Rivalen unter roter Sonne“ erstmals in jungen Jahren im TV schauen und war von Youngs Euro-Western auch umgehend angetan. Der Film weiß mir auch heute noch zu gefallen, was unter anderem dem guten Zusammenspiel von Bronson (der Outlaw) und Mifune (der Samurai) verpflichtet ist. Zwei Charaktere, die sich von Beginn an nicht unsympathisch sind, doch der eine hemmt halt des anderen Vorhaben, und eben diese Konstellation sorgt für einen erfolgreichen Konfliktaufbau, der obendrein durch das gute deutsche Dialogbuch und die vorzügliche Sprecherauswahl dazu gewinnt.

 

Zwei Momente blieben mir seit der Erstsichtung des Films bis dato im Sinn, einerseits die Aussage des Samurais, er hätte im Gehen geschlafen, andererseits die Szene in der Andress von einem Comanchen einen feuchten Liederriemen um den Hals geschnürt bekommt und auf dem Boden gefesselt den Sonnenstrahlen ausgesetzt wird, auf dass sich der Riemen zusammenziehen und einen qualvollen Tod bewirken soll. Bruno Mattei hätte währenddessen vermutlich noch eine Massenvergewaltigung ablaufen lassen, von der uns Terence Young erfreulicherweise verschont. Trotz der Abwesenheit solch exploitativer, die raptive und autotelische Gewalt kombinierenden, Abstecher lässt es sich Terence Young, dessen drei Bond-Vehikel ich durch die Bank klasse finde, nicht nehmen, die Comanchen als blutrünstige Bestien zu zeichnen. Womit Young dem US-amerikanischen Filmkonzept, den roten Mann besonders fies, mordlustig und versoffen zu zeigen, im Gegenzug wird beispielsweise die bakteriologische Kriegsführung der Eroberer gern unterschlagen, treu bleibt. Gemessen am amerikanischen Westernkino hat „Rivalen unter roter Sonne“ wenig mit dessen klassischen Gut und Böse Produktionen gemein und lässt sich stattdessen mit den späteren Produktionen (ab ca. 1968 bis in die 1970er hinein) assoziieren. Die Zeit, in der sich das Publikum damit abfinden musste, dass die Gesellschaft innert der mittlerweile vorwiegend geschlossenen frontier zusehends korrupter wurde und demzufolge viele seiner Protagonisten zu Antagonisten transformierten. Die Zeit, in der sich die gealterten Helden sowie die zahlreichen Zivilisationsflüchtlinge auf eine letzte gemeinsame Sache vorbereiteten: Das große Sterben!

 

Abschließend sei gesagt, dass die Filmmusik, das Leitmotiv besitzt eine eingängige Melodie, die den Wiedererkennungswert erfolgreich fördert, von Maurice Jarre, dem Vater von Jean Michel Jarre stammt. Mir teilte übrigens einst ein „besonders kundiger“ Musikfan mit, dass der Name Jean Michel Jarre Dschienhn Meikel Dschärr ausgesprochen wird. Na wenn das so ist, dann Heidewitzka und gute Nacht Marie!

 

Fazit: „Rivalen unter roter Sonne“ ist ein überaus gelungener Mix aus spätem US-Western und dem Italo-Western, angereichert mit einer Prise fernöstlicher Samuraitugenden und einem Hauch „Die Hölle sind wir“ (USA, 1968). Ein Film, der mithilfe seiner Polyvalenz sowie einer einhergehenden Pfiffig- und Bissigkeit das auf Abschiedstournee befindliche Westernkino mit einem erfrischenden Vitalitäts-Cocktail bewirtete. Klasse!

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