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Apache Woman

Italien, 1976

Originaltitel

Una donna chiamata Apache

Alternativtitel

Une fille nommée Apache (FRA)

Une femme nommée Apache (FRA)

Una mujer llamada Apache (ESP)

Deutsche Erstaufführung

24. November 1978

Inhalt

Die Apachin, Sunsirahè, ist eine der wenigen indianischen Überlebenden eines Massakers, welches einer kleinen Einheit blutrünstiger Yankees geschuldet ist. Tommy, ein junger Soldat, der während des Blutbads leicht verletzt und von seinen Kameraden auf dem Schlachtfeld zurückgelassen wurde, nimmt sich Sunsirahè an. Nach wie vor von Patriotismus und Loyalität durchleuchtet hofft Tommy auf die Ortskundigkeit der Apachin, um schnellstmöglich das nächstliegende Fort zu erreichen. Doch je länger die Suche währt, desto mehr stellt Tommy, die ihm eingebläute Geschichte vom roten Teufel und dem von Gott gesegneten weißen Mann in Frage.

Review

„Der weiße Mann hat uns unser Land genommen und unser Wild getötet. Damit war er noch nicht zufrieden und tötet nun unsere Frauen und Kinder. Ab jetzt kein Frieden mehr. Wir erheben nun die Streitaxt bis zum Tode!“ So besagen es die Worte eines Häuptlings, der im Anschluss an das Sand-Creek-Massaker (eine der abscheulichsten Gräueltaten in den Annalen der amerikanischen Historie, welche die Erben der Verantwortlichen allerdings nicht davon abhielt, über die Jahrhunderte hinaus bis in die Gegenwart hinein nach ähnlich widerwärtiger Fasson zu agieren) an einer Zusammenkunft der Arapaho, Cheyenne und Sioux teilnahm. Die Thematik, Sand-Creek-Massaker, zog - sofern mir meine Nachschlagewerke keinen Streich spielen - dreimal, „Massacre at Sand Creek” (USA, 1956), Blutsbrüder (DDR, 1975) sowie freilich Ralph Nelsons zutiefst erschütternder „Das Wiegenlied vom Todschlag” (USA, 1970), in die Lichtspiele ein. Letztgenannter diente Giorgio Mariuzzo als Basis für „Apache Woman“, was den Regisseur einhergehend dazu veranlasste, diverse Filmmomente aus seiner Inspirationsquelle rotzfrech zu kopieren.

 

Die Handlung der 1976er „Soldier Blue-Nachahmung“ ist meines Erachtens jedoch nicht während sowie unmittelbar nach dem Sand-Creek-Massaker (1864) angesiedelt, sondern 22 Jahre später. Dieses Kalenderjahr, 1886, reflektiert Geronimos Kapitulation, dessen anschließende Flucht, die von General Nelson Appleton Miles befohlene Treibjagd, welche 5.000 Blauröcke mobilisierte, sowie Geronimos erneute Aufgabe. Erwähnter Nelson Appleton Miles war der unmittelbare Nachfolger von General George Crook, den man für Geronimos Flucht verantwortlich machte und als Indianerfreund authentisierte, was letztendlich Crooks Amtsenthebung zur Folge hatte. Womit wir auch geradewegs einen Bezug zum Filmcharakter Tommy, der innert „Apache Woman“ seinen eingeimpften Indianerhass sukzessiv ablegt, ausfindig gemacht haben.

 

Dieser (als Reflektorfigur fungierende) Charakter, der Blaurock Tommy, durchläuft während des Films mehrere Phasen, die sich als rites de passage respektive Schwellenriten dechiffrieren lassen. Also die Phase in der Tommy zum Zweifler wird, um später (wie bereits erwähnt) seinen eindimensionalen Hass auf die Indianer abzulegen, sowie die Phase, in der Tommy nach der Zerstörung seines kurzzeitigen Glücks in eine innere Leere stürzt. Jene Übergangsriten werden passabel vermittelt, sodass dem Rezipienten ein ausreichendes Fundament offeriert wird, um am Gefühlsleben seiner Bezugsperson teilhaben zu können und erfolgreich ins Geschehen eingebunden zu werden.

 

Die Thematik „Rot und Weiß“, das Annähren von unterschiedlichen Kulturen sowie das beleitende Ablehnen einer solchen Annäherung, ist bereits vor dem Triumphzug des Tonfilms ausgiebig innert der Lichtspiele verarbeitet worden. Als Inspirationen lassen sich immerzu die Geschichten der tapferen Häuptlingstochter, Matoaka, besser bekannt als Pokahonta, sowie die der fälschlicherweise zur edlen Heldin hochstilisierten Hannah Duston dechiffrieren. Ich könnte jetzt umfangreich über genannte Personen und ihre Funktionen als Filmcharaktere berichten, doch würde ein solches Vorgehen den Rahmen einer Kurzrezension sprengen, sodass ich es bei dem Verweis belasse.

 

„Apache Woman“ fokussiert, wie bereits mehrfach angerissen, den Indianerhass. Dieser Kurs wird mittels der Aussagen: „Wilde kann man nur wie Wilde behandeln. Nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer“ und „Wir sind die Zivilisierten! Gott ist mit uns!“, derart eindeutig transportiert, dass selbst der Rezeptionslegastheniker die Botschaft mit dem Plausibel-Stempel kennzeichnet. Die vornehmlich als Antagonisten agierenden Filmfiguren wurden allesamt einer Radikalisierung unterzogen, welche sie ihrer, wahrscheinlich auch zuvor nur in spärlichen Maßen vorhandenen, Humanität entledigte. Diese Mörder und Leichenfledderer sowie ihre Gewalttaten sind die Bestandteile einer erfolgreichen Zuschauerlenkung, die den Zuschauern ermöglicht, die, nach einer bestimmten Laufzeit gar innig erhoffte, Gegengewalt zu goutieren. Die Gewaltakte, welche in letzter Konsequenz überwiegend die Zerstörung des Körpers zum Ziel haben, avancieren zu einem produktiven und unverzichtbaren Begleiteter des fortwährend dominierenden Hasses. Natürlich erreicht „Apache Woman“ nicht die markerschütternde Intensität, wie sie „Das Wiegenlied vom Todschlag“ transportiert, dennoch konnte mir die dargebotene Menschenverachtung ein gewisses Mitleiden abverlangen, sodass ich affektiv am Geschehen teilnahm.

 

Jene reichhaltig gesäte sowie ausgiebig zelebrierte Gewalt lässt „Apache Woman“ als einen Exploitationfilm im Westerngewand begreifen. Anbei hetzt Mariuzzo die Apachin, Sunsirahè, so oft wie irgend möglich halbnackt durch Wälder und Wiesen und wirbelt die Hormone der - diesmal extrem fies gezeichneten - Bleichgesichter kräftig durcheinander. Bruno Mattei hat seine Vehikel „Der Weiße Apache - Die Rache des Halbbluts (1986) und Scalps (1987) nach einer ähnlichen Formel inszeniert und auf diese Weise einerseits manch pedantisch veranlagten IW-Fan zum Naserümpfen animiert, aber andererseits einem längst verstummten Genre zu einer kurzzeitigen Reanimierung verholfen.

 

Fazit: Giorgio Mariuzzos Film liefert der Akzeptanz respektive einem friedlichen Miteinander von Rot und Weiß keine Überlebenschance. Die von Keoma im gleichnamigen Catellari-Vehikel eh als schlecht definierte Welt ist gemäß Mariuzzo noch eine ganze Ecke hundsmiserabeler - noch eine ganze Ecke mehr Jacopetti! Demzufolge lässt der Regisseur eine Katharsis auch nur anklingen, transportiert stattdessen den Tod als letzten Ausweg und lässt das Böse weiterhin walten, sodass der reziptionsfähige (!) Zuschauer schlussendlich hilflos und betroffen aus dem Film entlassen wird.

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