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Drei ausgekochte Halunken

Italien | Spanien, 1968

Originaltitel:

I tre che sconvolsero il West (Vado, vedo e sparo)

Alternativtitel:

Die Drei, die den Western erschütterten (DDR)

Llego, veo, disparo (ESP)

Aujourd'hui ma peau, demain la tienne (FRA)

I came, I saw, I shoot (NLD)

One Dollar Too Many (USA)

Deutsche Erstaufführung:

3. April 1970

Inhalt

Edwin Kean, ein selbst ernannter (Schweine-)Priester unter dessen tiefschwarzer Soutane ein ausgefuchster Halunke steckt, hat den Überfall auf eine Postkutsche geplant, um eine Kiste, deren Inhalt sich mit 400.000 Dollar beziffert, zu stibitzen. Doch wie so oft im Leben steckt der Teufel im Detail und dessen Ausbruch wird von einem neckischen Schalk namens Moses aktiviert. Der Überfall geht somit in die vergammelte Hose. Da Kean dieserhalb und desterwegen äußerst ungehalten reagiert, schlägt Moses dem frustrierten Halunken vor, jene Bank zu überfallen, welche die begehrten Dollarnoten fortan beherbergen soll. Der Raub gelingt, doch zu allem Überfluss hat das Duo nun den Falschspieler Clay, der unmittelbar nach dem Überfall seinen Pokergewinn (130.00 Dollar) abheben wollte und de facto leer ausging, am Hals. Doch leere Kassen sind nicht nur der Albtraum eines jeden Lebemanns, sondern auch der einer jeden materiell orientierten Dorfschönheit, wie Moses Freundin Rosaria, die ebendaher nicht minder scharf auf die Dollarnoten ist.

Review

Bei DREI AUSGEKOCHTE HALUNKEN handelt es sich um eine der ersten stiefelländischen Westernkomödien. Der Film wurde 1968 unter dem Namen I TRE CHE SCONVOLSERO IL WEST in den italienischen Kinos uraufgeführt und enterte zwei Jahre später die Welt der bundesrepublikanischen Lichtspielaufführungen. Zu diesem Zweck erstellte das Münchener Aventin Filmstudio unter der Leitung von Horst Sommer die deutsche Synchronisation. Leider wurde diese nicht bei der TV-Ausstrahlung (WDR Fernsehen) eingesetzt. Stattdessen griff man auf die eigens für das DDR-Fernsehen (TV-Ausstrahlung: 6.1.1983) erstellte Synchronisation der DEFA zurück. Freilich gibt es eine ganze Menge italienischer Genrefilme, die von der DEFA verbockt wurden, aber bei DREI AUSGEKOCHTE HALUNKEN repräsentiert eine solche Behauptung einen ganz heißen Aspiranten auf den Titel „Rotzfrechste Tiefstapelei der 1980er Jahre“. Damit beziehe ich mich nicht ausschließlich auf das vom Englberger verfasste Dialogbuch und seine angeheuerten Sprecher/innen, sondern vorrangig auf die grottenschlechte Musik, die man dem Film zuschusterte und ihn dementsprechend seines von Carlo Rustichelli komponierten Originalsoundtracks beraubte. Die für die Erstellung des DEFA-Scores dem Produktionsmusikarchiv entnommenen Tonschöpfungen ziehen den Film kolossal runter, denn es ist ein Graus diese Kompositionen, die selbst für drittklassige Fernsehdokumentation über das Kommunikationsverhalten von rotbärtigen Bienenzüchtern im sächsischen Vogtlandkreis ungeeignet sind, zu konsumieren. Die DEFA hat mir mit derartigen Faxen schon manchen italienischen Piratenfilm versaut, aber was sie aus DREI AUSGEKOCHTE HALUNKEN gehext haben, spottet jeweiligen auch noch so fies gelagerten Kritiken.

 

Ungeachtet der DEFA-Bearbeitung legt Enzos Inszenierung recht ordentlich los. Dasselbe kann man ja auch Castellaris Karrierestart bescheinigen. Der gebürtige Römer kreierte 1967 mit DJANGO KENNT KEIN ERBARMEN, DIE SATANSBRUT DES COLONEL BLAKE und LEG IHN UM, DJANGO drei schmackhafte Western, die Appetit auf mehr mach(t)en. Und dieser Heißhunger sollte ein paar Monate später mit DJANGO - DIE TOTENGRÄBER WARTEN SCHON, der die drei vorangegangenen Castellari-Western locker in den Schatten stellte, gestillt werden. Den Totengräber(n) folgten DREI AUSGEKOCHTE HALUNKEN. Ein Regiewerk, das die Ingredienzien des Westerns mit denen einer Komödie kreuzte und gar einige gelungene Bildkompositionen zueigen hat. Somit versüßen beispielshalber Nahaufnahmen von Gesichtern, Augen, Händen und den dazugehörigen Fingern den visuellen Eintritt in ein Westernvehikel, das in seinem weiteren Verlauf mittels rasant montierter Actionsequenzen und interessanten Kameraperspektiven auf sich aufmerksam macht.

 

Nachdem der von Edwin Kean akribisch ausgetüftelte Plan: Eine Holzkiste mit 400.000 Dollar in seinen unehrenhaften Besitz zu bringen - fehlschlägt, drängt Edwin den Indikator für seinen Misserfolg (Moses Lang) dazu, die örtliche Bank (in die das Geld transportiert wurde) zu überfallen. Was mithilfe dieser Konstellation die Inspiration zu einem big caper movie erahnen lässt, entpuppt sich leider als ein Trugschluss. Der Banküberfall erfolgt nebenher und seine beiden Protagonisten, Edwin und Moses, besitzen zudem kein Potential, um, wie es in den big caper movies ab und an der Fall ist, als Volkshelden zu fungieren. Wenn man es noch genauer nimmt, der Sache auf den Grund und dem Leser hoffentlich nicht auf den Sack geht, dann versinnbildlichen die durchtriebenen Halunken gar eine Opposition zum genannten Volksheroentum. Sie, die ausgekochten Halunken, machen sich kraft ihrer Gier nach Reichtum das Leben gegenseitig schwer, was in letzter Konsequenz zum Hauptbestandteil, der chargierende Besitz von 400.000 Dollar, des Films avanciert.

 

Filme, die einen besonderen Raub in den Fokus stellen, gibt es bereits - oder muss ich spätestens sagen (?) - seit Beginn des 20. Jahrhunderts, was beispielshalber das unumschränkte Paradebeispiele THE GREAT TRAIN ROBBERY, den zwar fast jeder vom Namen her kennt, den aber leider fast niemand geschaut hat, die Tube kann übrigens Abhilfe schaffen, belegt.

 

Simultan zum erfolgreichen Banküberfall gesellt sich die im Filmtitel angekündigte dritte Person, der Pokerspieler Clay Watson, zu dem Duo, um das ausgekochte Halunkentrio (bestehend aus dem Falschspieler, dem falschen Pfaffen, dem falschem Fuffziger) zu komplettieren. Auf das meine, Ihre, unsere Gedanken dazu motiviert werden, um ZWEI GLORREICHE HALUNKEN wie die so genannten Trio-Western (über die ich bereits innert meiner Besprechung zu DJANGO - NUR DER COLT WAR SEIN FREUND ein bisschen erzählt habe) anzusteuern.

 

Im Prinzip gibt es, sofern man italienische Westernkomödien akzeptiert (was allerdings nicht unbedingt einfach ist), an dem Film, der seine physische Bewegung kraft eines stets chargierendem Geldbesitz sowie Flucht und Verfolgung erzeugt, zumindest was die Optik anbelangt, nicht sonderlich viel auszusetzen, denn DREI AUSGEKOCHTE HALUNKEN ist gut fotografiert und offeriert darüber hinaus polyvalente Kameraperspektiven…,

 

…wenn da bloß nicht die DEFA gewesen wäre, die Castellaris Inszenierung in ein einziges Ärgernis verwandelte.

 

Gemäß dieser traurigen Erkenntnis, mutmaße ich mal, dass Conrad Veidt und Charlie Chaplin einen guten Draht zu Herbert George W. hatten und kurzzeitig in die Zukunft des Jahres 1983 reisen, ergo blicken respektive hören konnten, aber währenddessen ausgerechnet auf die zuletzt so oft angesprochenen DEFA-Synchronisation stießen. Anhand dieser simplen Überlegung ließe sich nämlich ebenso simpel erklären, warum sich Veidt und Chaplin einst so derart vehement gegen den Sprechfilm ausgesprochen haben.

 

Ich habe selten einen derartigen Mist, derart schlechte Scherze wie eine unsagbar schreckliche wie öde Filmmusik ertragen müssen, um einen Film in unsere Datenbank einpflegen zu können. Im Original mag der Film zwar im gesunden Mittelmaß schwimmen, aber gemessen an diesem gehaltlosen wie langweiligen DEFA-Debakel sagen mir die Westerninszenierung von Fidani oder der unfassbar behämmerte wie ebenso unfassbar synchronisierte DJANGO - UNERBITTLICH BIS ZUM TOD deutlich mehr zu.

 

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