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Zucker für den Mörder

Frankreich | Deutschland | Italien, 1968

  • Originaltitel: Un killer per sua maestà
  • Alternativtitel:

    Un asesino para su majestad (ESP)

    Le tueur aime les bonbons (FRA)

    The Killer Likes Candy

  • Deutsche Erstaufführung: 04. Oktober 1968
  • Regisseur: Federico Chentrens, Maurice Cloche
  • Kamera: Fausto Zuccoli
  • Musik: Gianni Marchetti
  • Drehbuch: Maurice Cloche, John Haggarty, Giovanni Simonelli
  • Inhalt:

    Venedig ist in heller Aufregung, da sich im Rahmen eines hohen Staatsbesuchs ein Attentat abgespielt hat, bei dem ein Mann aus dem Komitee von König Faoud (Lukas Ammann) tödlich verletzt wurde. Offensichtlich galt der Anschlag dem Herrscher des Landes Kafiristan. Der CIA-Agent Mark Stone (Kerwin Mathews) wird umgehend zum Schutz des Königs engagiert, da man weitere Mordanschläge befürchtet, die auch folgen. Stone findet es sehr seltsam, dass die unbekannten Verbrecher jedes Mal wussten, wo sich der Monarch gerade aufhält und er vermutet eine undichte Stelle in Faouds Reihen. Die Zeit rennt davon, da der Gangster Nicolo (Werner Peters) weiter an seinem Mordplan festhält und der Auftragskiller Toni (Bruno Cremer) sein Opfer erneut mit dem Zielfernrohr anvisiert hat...

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Der blumig wirkende deutsche Titel dieses unter Doppelregie entstandenen Vertreters des Action-Thrillers kann bei fortlaufender Zeit nicht daran festhalten, dass es doch zu ein paar ungewöhnlich brutalen Veranschaulichungen kommen wird, die den Zuschauer aber gut bei der Stange halten werden. Gleich zu Beginn verbreitet ein geplantes Attentat eine ordentliche Portion Zynismus, da der in einer Soutane getarnte Mörder unsentimental seine Vorbereitungen trifft, dazu sehr feierliche Musik zu hören ist und er obendrein genüsslich Bonbons isst, bis sein zu liquidierendes Zielobjekt auftaucht. Da der Zufall den Plan zunächst vereitelt ist schnell klar, dass eine Reihe weiterer Anschläge folgen werden, die für die nötige Grundspannung sorgen. Gedreht wurde an imposanten Originalschauplätzen in Venedig und Rom, ausstaffiert wurde das Ganze mit einer starträchtigen europäischen Besetzung, die teilweise auch ungewöhnliche Ausreißer aufweist.

     

    Zu jener Zeit entstanden zahlreiche Filme dieses Strickmusters und naturgemäß ist es schließlich so, dass sich jede einzelne Produktion von der anderen abzuheben versucht. "Zucker für den Mörder" wurde weniger wohlwollend von der damaligen Kritik aufgenommen und beispielsweise als Ware von der Stange bezeichnet, offensichtlich ohne die bestehenden Vorzüge anzuerkennen, die hier immer wieder deutlich auf der Hand liegen. Für einen Vertreter des europäischen Agentenfilms kann sich diese Produktion mit all ihren Stärken und Schwächen durchaus sehen lassen und vertreibt die Zeit kurzweilig und angenehm. Eine Reihe von Attentaten bildet hier also das Filmelixier und entsprechende Szenen lassen nicht lange auf sich warten. Die Drahtzieher werden zugunsten des Zuschauers und der positiven Protagonisten des Films zwar als emsig und einfallsreich in der Wahl ihrer Methoden dargestellt, aber gleichzeitig wirken sie auch recht inkompetent, da kein Plan so richtig aufgehen mag. Schnelle Umdrehungen des Todeskarussells sorgen für Nervenkitzel und gleichzeitig für ein engeres Umrahmen des potentiellen Täterkreises.

     

    Obwohl mit Bruno Cremer und Werner Peters die ausführenden Organe von Skrupellosigkeit und Mord schnellstens gebrandmarkt sind, kommt es dennoch zu einem linear aufgebauten Whodunit-Effekt, da es einen bis zum Ende im Hintergrund agierenden Auftraggeber gibt, welcher aufmerksamen Zuschauern vielleicht schon nach kurzer Zeit nicht mehr komplett unbekannt sein dürfte. Für die fiesen Gangster-Visagen hat man mit Peters und Cremer jedoch einige der prägnantesten Gesichter an Bord, zu denen Gordon Mitchell ebenfalls gut passen will. Der US-amerikanische Schauspieler Kerwin Matthews als CIA-Agent füllt den Verlauf mit Agilität und wirkt von seiner Art her etwas ungehobelt, was er nicht nur im Umgang mit seinen Kontrahenten unter Beweis stellen darf, sondern auch bei König Faoud, der ihn in seinem eigenen Land für ein derartig skandalöses Verhalten wohl hätte hinrichten lassen. Lukas Ammann weiß in der Rolle des Monarchen zu gefallen, denn er erstrahlt weltmännisch und unnahbar. Marilù Tolo stellt eine Art Zucker für den Zuschauer dar und hat nicht viel mehr zu tun, als blendend auszusehen.

     

    Für heitere Noten und flotte Sprüche sorgen Ann Smyrner und insbesondere Venantino Venantini, ohne dabei jedoch zum klamaukigen Überholmanöver anzusetzen. Insgesamt gesehen hat man es mit einer besonders spielfreudigen Entourage zu tun, die markante Persönlichkeiten zeichnet und dem Film zu einem flexibler wirkenden Erzählfluss verhilft. Übrigens synchronisierten sich alle deutschen Darsteller für die heimische Fassung selbst. Im Endeffekt hebt sich der Film aufgrund der immer wieder zu erkennenden Sorgsamkeit in vielen Bereichen leicht von der Konkurrenz ab, wenngleich die Geschichte herkömmlich bleibt. Unterlegt mit einer interessanten, abwechslungsreichen Musik, kommen die richtigen Stimmungen und Schwingungen auf, die durch imposante Schauplätze verstärkt werden. Alles in allem ist "Zucker für den Mörder" sehr gut anzuschauen und wenn man sich ohnehin für derartige Formate mit charakteristischen Zutaten interessiert, vertreibt einem dieser kurzweilige Reißer die Zeit sehr schnell.

  • Autor: Prisma
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