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Zombie III

Italien, 1988

Originaltitel

Zombi 3

Alternativtitel

Zombie: Hell on Earth (DEN)

Zombie Flesh Eaters 2 (NOR)

Zombi 3 - A Revolta dos Mortos-vivos (POR)

Zombi 3 - Ein neuer Anfang

Inhalt

Aus dem Militärlabor entfleucht ein hochgefährliches Virus und läutet die Apokalypse ein. Fürderhin jagen Zombies die in diesem Film nur unwesentlich intelligenteren lebenden Ex-Artgenossen durch die Botanik...

Review

Von ZOMBI 3 gibt es nun einen Extended Cut. Wenn man ihn mit ernstzunehmenden Zombiefilmen vergleicht, bleibt er auch in seiner längeren Fassung das kleine Fiasko, welches er schon immer gewesen ist. Freunde der Pestilenz dürfen trotzdem frohlocken: Der Extended Cut bietet einen Prolog, der mit noch mehr triefenden und aufplatzenden Eiterbeulen aufwartet; als gäbe es die im normalen Feature nicht schon genug...

 

Bevor wir jedoch voll ins Wundwasser abtauchen, zunächst ein bisschen Entstehungsgeschichte. ZOMBI 3 ist die Quasi-Fortsetzung zu Fulcis Hall of Fame-Gore-Klassiker WOODOO- SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES, welcher im Original bekanntermaßen ZOMBI 2 hieß. Achtung! Jetzt wird's kompliziert: Einen ZOMBI 1 gibt es nicht und mit Fulcis ZOMBI 2 wollte man seinerzeit aus vermarktungstechnischen Gründen suggerieren, der Film wäre eine Fortsetzung zu Romeros überaus erfolgreichen DAWN OF THE DEAD, der wiederum im europäischen Raum zunächst als -Jetzt kommt des Rätsels Lösung!- ZOMBIE, bzw. ZOMBI vermarktet wurde. Um die Verwirrung komplett zu machen, folgten später noch die inhaltlich ebenfalls autarken ZOMBI 3 und 4. Wobei wiederum in Sachen Trash, Schlock und Unfug zwischen 3 und 4 eine kaum zu leugnende Seelenverwandtschaft besteht...

 

Sowohl in den Credits als auch auf dem Cover steht nach wie vor Fulcis guter Name hinter dem "Regia di...". Dabei vermag niemand genau zu sagen, wieviel Fulci hier tatsächlich drin steckt. Der Maestro hätte sich nämlich von einem Pickel auf dem Allerwertesten nicht vehementer distanzieren können, wie er es im Falle von ZOMBI 3 getan hat.

 

Der Legende nach hat er schon während der Dreharbeiten die Flinte ins Korn geworfen. Die Produzenten haben später erklärt, Fulci hätte aus gesundheitlichen Gründen den Regiestuhl geräumt. Der Maestro deutete jedoch an, dass er mit dem "nutzlosen Drehbuch" von Claudio Fragasso nichts anzufangen wußte. Beide Szenarien sind vorstellbar. Erstens war Fulci zu diesem Zeitpunkt bereits schwer zuckerkrank und zweitens wirkt Fragassos Skript tatsächlich so, als wäre es zwischen fünf und halb sechs beim Bierschiss verfasst worden.

 

Vielleicht fünf DIN A5-Seiten umfasst es. Das Skript des berüchtigten Claudio Fragasso. Eine schröcklich aufgesetzt wirkende Öko-Botschaft. Eine Story im einfachsten Gewand. Die Dialoge, schon im Original strunzdoof, werden in der deutschen Billigstsynchronfassung sogar noch um einiges verdummfacht. Vor meinem geistigen Auge erscheint der Maestro. Wie er sich tapfer durch Drehbuchvorgaben wie diese (Rumpeldarsteller A wird von links von drei eitertriefenden Zombies attackiert...- Rumpeldarstellerin B wird von oben von fünf eitertriefenden Zombiehänden aus dem Bild gezogen...-Zombievogelangriff von allen Seiten...- Als Rumpeldarsteller Z den Kühlschrank öffnet, fliegt ihm ein abgetrennter Zombiekopf entgegen und beißt ihm in die Kehle...) kämpft. Einen Bruchtteil davon sogar dreht. Doch dann überwältigt vom dumpf- stumpf- und unsinnigen Schlock aus dem Hirn Claudio Fragassos, muss selbst die große Koryphäe des Zombiefilms resignieren und das Set fluchtartig verlassen.

 

Man munkelt, dass der Endschnitt lediglich 20 Minuten Material enthält, welches tatsächlich von Fulci stammt. Wahrscheinlicher ist, dass es sogar nur 5 Minuten sind. Der ganze große Rest sieht verdächtig nach Produzent und Drehbuchautor Claudio Fragasso aus. Und riecht nach Schützenhilfe dessen alten Spezis Bruno Mattei. Einem Mattei freilich nicht in relativ formidabler THE OTHER HELL- oder REVOLTE IM FRAUENKNAST-Form, sondern einem Mattei in bescheidenem HÖLLE DER LEBENDEN TOTEN-Mood...

 

Eine glaubhafte Version. Von Fulcis ureigenen Stil, der viele seiner Splatterfilme zu Klassikern machte, ist in ZOMBI 3 nicht viel zu spüren; die Schlampigkeit der Herren Fragasso und Mattei indes ist allgegenwärtig. Fürwahr ist ZOMBI 3 ein auffallend stupider Vertreter seiner Art. Ein Film, der von seiner fast ausnahmslos aus Schmierenkomödianten bestehenden Schauspielerriege nichts weiter verlangt, als planlos durch verwüstete Ferienresorts, verlassene Geisterdörfer, Bretterbuden oder einfach nur durch die Pampas zu irren, wo man dann von einer Zombieattacke in die nächste stolpert.

 

Ebenso wie die Handlung folgt auch der Zombie in diesem Film keiner Struktur. Mal schlurft er old school langsam durch die Gegend; dann kommt er als Mischung aus Leichtathlet, Flummi und Karatekämpfer daher. Mal kann er sprechen, mal nicht. Außerdem sind Fragassos Zombies wahre Meister des Überraschungsangriffs. Um arglosen Opfern aufzulauern, verstecken sie sich schon mal in einem Strohhaufen - und einmal gar in einem Kühlschrank(!). Als Faustregel für diese 91 im Grunde repetitiven Minuten gilt außerdem: Kommt eine notdürftig zusammengezimmerte Bretterwand ins Bild, brechen garantiert gleich Zombies durch...

 

Die quasi in Endlosschleife ablaufenden Attacken werden nur gelegentlich durch Scharmützel mit Zombie-Vögeln (!), flugfähigen (!!) Zombieköpfen (!!!) oder den obligatorischen (frisch aus THE CRAZIES geklauten) Säuberungskommandos aufgelockert. Das geht dann solange, bis nur noch zwei Rumpeldarsteller übrig sind und der mit einem schrecklichen Song untermalte Abspann den Feingeist erlöst. Wobei der Score von Stefano (QUELLA VILLA IN FONDO A PARCO) Mainetti ansonsten recht knackig ins Ohr geht. Entsprechende Hörproben gibt's im unten verlinkten Trailer...

 

Verglichen mit Romeros Marksteinen oder den wirklichen Zombiefilm-Evangelien eines Lucio Fulci (natürlich WOODOO, EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL, GEISTERSTADT DER ZOMBIES und DAS HAUS AN DER FRIEDHOFSMAUER) ist ZOMBI 3 ein grottiger Film, der in Marianengrabentiefe unter der Würde der vorgenannten Klassiker vegetiert.

 

Was nicht heißen soll, man könnte keinen Unterhaltungswert aus diesem blut- und eitertriefenden Unfug ziehen. Aufgepasst, ihr schmerzfreien Freunde des abstrusen Zombieschlocks: Nach einer anfänglichen noch lachhaften Schießerei inklusive unsichtbarer Einschußlöcher nimmt ZOMBI 3 mit einer schön in Nahaufnahme gezeigten Selbstamputation einer infizierten Hand richtig Gore'n'Fester-Fahrt auf. Dabei lassen die mal himmelschreiend doofen, mal einfach nur köstlichen Absurdidäten sowie die vielen kruden Spezialeffekte dann tatsächlich so etwas wie Kurzweil aufkommen.

 

Nicht auszuschließen, dass man an guten (oder bekifften) Tagen dann sogar schallend lacht (und nicht bitterlich weint) angesichts einem Dialogs wie diesem

 

"Sie ist schwerverletzt. Sie muss dringend in ein Krankenhaus!"
- "Hier gibt es kein Krankenhaus!"
- "Aber ein Hotel! Bringen wir sie dorthin!"

 

Vielleicht stellt sich in solchen feucht-fröhlichen Stunden dann auch ein Verständnis dafür ein, dass man in einem verlassenen Hotel (and in the hour of need) durchaus auf eine prall mit Maschinengewehren und Handgranaten gefüllte Militärwaffenkammer stoßen kann... Wenn noch Bier übrig ist, empfiehlt sich, gleich mit dem noch schlockigeren, stupideren Trashfest OLTRE LA MORTE (aka ZOMBIE 4 - AFTER DEATH) weiterzumachen.

 

In diesem Sinne:

 

"Wie kommen Sie dazu, den infektiösen Leichnam zu verbrennen?"
- "Das Problem musste aus der Welt!"
- "Aus der Welt? Haben Sie noch nie gehört, dass Aschepartikel, die in die Luft geschleudert werden, wieder auf die Erde zurückfallen können?"
- "Das ist doch Blödsinn! Science Fiction!"

 

Blödsinn. Science Fiction. Wie wahr. Außerdem: Trash! Eiter! Ganz viel Trockennebel! Irgendwie doch ein lustiger Film.

Review

Anlässlich der deutschen Erstveröffentlichung von „Zombie 3“ durch X-Rated/XT auf Blu-ray habe ich mir den Film mal wieder angesehen, obwohl die letzte Sichtung noch gar nicht so lange her ist. Müsste die Veröffentlichung von 88 Films gewesen sein, wobei letztere nicht den schönen Audiokommentar von Troy Howarth an Bord hatte.

Nun, meine Meinung zum Film ist simpel: er ist scheiße. Vermutlich habe ich ihn deshalb auch schon locker an die 15 Mal gesehen, aber Troy Howarth trifft es wohl ganz passend: er bedient die Erwartungen. Zumindest heutzutage. Damals bei seiner…Moment, ich bin verwirrt. Die OFDb listet keine Kinoaufführung? Der lief nicht im Kino? Mein Gedächtnis sagt mir, damals in Berlin Kinoplakate gesehen zu haben. Egal. In jedem Fall erschien er zur „Uraufführung“ in Deutschland nur in gekürzter Form und zuvor noch hoffnungsvoll eingestellte Fulci-Fans waren bitter enttäuscht. Denn eines war offensichtlich – auch ungekürzt wäre der Film kaum besser, ein italienisches Zombie-Revival rückte in ungreifbare Nähe.

Was war schiefgelaufen? Ich habe im Laufe der Jahre viele Interviews zu Zombie 3 gesehen, gelesen und gehört, mit Fragasso, mit Mattei, und Fulci hatte ohnehin kein gutes Wort für diesen Film übrig. Kapital aus den Erfolgen früherer italienischer Zombie-Filme wollte Produzent Franco Gaudenzi schlagen. Hierzu ließ er von Claudio Fragasso (mit Schreibhilfe von seiner wie üblich meist ungenannten Partnerin Rossella Drudi) ein Drehbuch verfassen. Fragasso und sein Spezi Bruno Mattei gingen daraufhin fälschlicherweise davon aus, dass es ihr Film werden würde. Insbesondere Fragasso brachte hierzu mal seinen Frust zum Ausdruck. Doch Gaudenzi wollte Lucio Fulci für die Regie.

Fulci mochte das Drehbuch nicht und wollte den Film nicht wirklich machen. Während der Dreharbeiten zu „Conquest“ hatte er sich jedoch eine virale Hepatitis eingefangen, welche zusammen mit seiner chronischen Diabetes zu einer gesundheitlichen Katastrophe führte. Eine daraus resultierende Leberzirrhose machte ihn zum Risikofall für Versicherungen und Produzenten. Und so hatte er keine Wahl, er nahm die Regie an, schlicht um zu beweisen, dass er es kann - obwohl die Dreharbeiten auf den Philippinen eine große Strapaze sein würden, denn nach wie vor musste er täglich in ärztliche Behandlung. Bruno Mattei wurde sein Regieassistent, und Fragasso war sauer. Fulci schaffte es nur bedingt, der „fertige“ Film war nicht lang genug. Er lehnte es ab, für Nachdrehs auf die Philippinnen zurückzukehren. Nun kam Matteis und Fragassos große Chance, dem Film ihren Stempel aufzudrücken. Und leider ist ihnen das gelungen: „Zombie 3“ wurde so am Ende doch noch zu dem Mattei/Fragasso-Debakel, wie wir es kennen. Und lieben.

Troy Howarth hat in seinem Audiokommentar wohl ganz gut zum Ausdruck bringen können, welche Szenen vermutlich von Fulci stammen und welche nicht. Erst nach gut 20 Minuten bekommt man das erste Fulci-Überbleibsel zu sehen. Persönlich macht mich in einigen Einstellungen die Darstellung der Zombies misstrauisch, manchmal erkennt man da tatsächlich Fulcis-Handschrift, zwischendrin tauchen aber immer wieder Momente auf, wo die Zombies verdächtig an „Die Hölle der lebenden Toten“ erinnern. In merkwürdig verkrepelter Haltung schleichen sie hierbei auf die Kamera zu. Nichts an diesem Film ist wirklich gut, aber das Talent-Gefälle zwischen Fulci und Mattei ist eben doch recht groß, so dass eine Unterscheidung möglich wird. „Zombie 3“ ist ein durchaus unterhaltsamer Zombie-Spaß, der es gerade wegen seiner vielen Unzulänglichkeiten in unser Gedächtnis geschafft hat – im Guten wie im Bösen.

Links

OFDb

IMDb

 

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