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Vier Fäuste für ein Halleluja

Italien, 1971

Originaltitel:

Continuavano a chiamarlo Trinità

Alternativtitel:

On continue à l'appeler Trinita (FRA)

Le seguían llamando Trinidad (ESP)

Trinity Is Still My Name (USA)

All the Way Trinity

Der Kleine und der müde Joe

Deutsche Erstaufführung:

25. Mai 1972

Regisseur:

Enzo Barboni

Drehbuch:

Enzo Barboni

Inhalt

Der Pferdedieb Bambino (Bud Spencer) soll den innigen Wunsch seines versoffenen Vaters (Harry Carey Jr.) erfüllen, und seinen jüngeren Bruder Trinità (Terence Hill) ebenfalls zu einem brauchbaren Ganoven ausbilden. Hierbei handelt es sich um ein hartes Los für den Älteren der beiden, schließlich kann er seinen Bruder doch nicht ausstehen und sich Schöneres vorstellen, ihn von nun an im Schlepptau zu haben. Erste Überfälle zeigen keine Erfolge, sondern offenbaren, dass die beiden Galgenvögel eigentlich ein gutes Herz haben. Als Regierungsbeamte getarnt, kommen sie den miesen Geschäften des Verbrechers Parker (Emilio Delle Piane) und seiner Gefolgschaft in die Quere und fallen dabei durch schlagfertige Argumente auf, um nebenbei für die Rechte der durch Parkers Bande Unterdrückten einzutreten...

Autor

Prisma

Review

Enzo Barbonis Prügelwestern "Die rechte und die linke Hand des Teufels" konnte bei seiner Erstaufführung im Jahr 1971 beachtliche 5 Millionen Zuschauer in die Kinos locken. Die unmittelbare Fortsetzung dieser flotten Angelegenheit konnte unter Barbonis Bearbeitung mit dem Namen "Vier Fäuste für ein Halleluja" noch größere Erfolge feiern und rekrutierte alleine in der Bundesrepublik an die 12 Millionen Kinobesucher, was ihm den Ruf einbrachte, einer der besten Filme des Duos Terence Hill und Bud Spencer zu sein, welcher bis heute in der Top-Five der All-Time-Kinocharts zu finden ist. Über Jahrzehnte immer wieder gerne im deutschen Fernsehen gezeigt, etablierte sich die zweite Sprachfassung dieser Produktion, die in den 80er Jahren angefertigt und mit wesentlich mehr Klamauk und flotten Sprüchen als die ursprüngliche Synchronisation für den Kinostart aus dem Jahr 1972 angereichert wurde. Hinzu kamen mehrminütige Kürzungen nicht handelsrelevanter Szenen und die Namen der Protagonisten wurden beispielsweise umbenannt. Bereits der Einstieg in diese Geschichte beweist ein feines Gespür für Situationskomik und originelles Zusammenspiel, wenn Gauner andere Gauner ausstechen. Das Schicksal führt die ungleichen Brüder Bambino und Trinità wieder zusammen und alles entwickelt sich in nicht wenigen Szenen zu einer Gratwanderung, die allerdings jeweils gut ausgehen muss, da man sich schließlich gegen wirkliche Gegenspieler vereinen muss, in deren Visagen noch genügend Platz für die vier Fäuste der Protagonisten sein wird.

 

Sicherlich klingt der Hinweis, dass der Film komplett auf Terence Hill, Bud Spencer und deren Präsenz baut, irgendwie überflüssig, denn immerhin kann von einer regelrechten Vermarktungsstrategie und sympathischer Narrenfreiheit gesprochen werden, aber dennoch soll auch auf die selbstläuferische Architektur der originellen Geschichte hingewiesen sein, die von Anfang bis Ende brillant funktioniert. Die Jahre dokumentieren, dass immerhin auch Filme des Duos hervorgebracht wurden, die bei Weitem nicht an die Qualität von beispielsweise dieser Produktion heranreichen und sich aufgrund einseitiger Zentrierungen im anvisierten Selbstläufertum verlieren, das vor allem in späteren Jahren nicht immer vorhanden war. Terence Hill und Bud Spencer fallen zunächst schon einmal durch ihre optischen Ungleichheiten auf, die von charakterlichen angefeuert werden. Als vermeintliche Antagonisten aufgebaut, entsteht der größte Spaß bei der Tatsache, dass immer wieder eine Symbiose zwischen beiden stattfinden wird, die nicht nur die wahren Gegenspieler in die Schranken weist, sondern auch dem Zuschauer das Gefühl vermittelt, dass in "Vier Fäuste für ein Halleluja" etwas vollkommen Prädestiniertes geschieht. Die beiden brauchen sich, auch wenn Bambino sich lieber die Zunge abbeißen würde, als es zuzugeben, und Trinità sichtliche Freude daran hat, es seinem Bruder bei jeder sich bietenden Gelegenheit unter die Nase zu reiben. Hier entstehen sehr amüsante Momente, die durch gewitzte Dialoge an Schärfe gewinnen. Hinzu kommt die in Etappen eingeteilte Geschichte, die besondere Momente bereit hält.

 

Bereits die ersten Szenen beweisen eindrucksvoll, dass es eben clevere Ganoven gibt, und solche, die sich nur für clever halten. Aber das Wiedersehen macht bekanntlich Freude, wenn auch wie hier nur äußerst einseitig. Im privaten Rahmen wird das Publikum Zeuge familiärer Strukturen, die einen zunächst etwas ungläubig zurücklassen, wenngleich das große Amüsement dieser Szenen sehr lebhaft in Erinnerung bleiben wird. Die entsprechenden Zeichnungen sind derartig überspitzt, dass man im Hinblick auf das Gesamtpaket kaum anders kann, eine gewisse Perfektion bei der versoffenen und von Futterneid getriebenen Bande zu sehen, die nur vordergründig darauf pocht, dass sich jeder selbst der Nächste ist. Im Zweifelsfall zeigt man sich solidarisch und kennt den Zusammenhalt, was der kompletten Bagage empfundenermaßen wohl schon oft den Hals gerettet hat. Herrlich ist Jessica Dublin, als Mutter von Trinità und Bambino, bei der nur noch zu erahnen ist, dass sie einst ein aufregend-ordinäres Saloon-Girl gewesen sein muss. Versehen mit der Stimme von der großartigen Mady Rahl, oder je nach Synchronfassung von einer ebenso patenten Tilly Lauenstein, fliegen einem die witzigen Dialoge nur so um die Ohren, vor allem wenn sich ihr versoffener Alter alias Harry Carey Jr. einklinkt. Eine Familie die man einfach lieben muss! Diese kurze Etappe ebnet den weiteren Weg in die Ferne, in der gelungene Running Gags, aber vor allem die richtigen Gangster warten, die in ihrer eindeutigen Präsentation dem übelsten Pack gleichen. Doch man steht auch ohne diese Vorstellungen längst aus vollem Herzen auf der richtigen Seite.

 

"Vier Fäuste für ein Halleluja" lebt im besonderen Maß vom letzten Drittel des Verlaufs, in dem insbesondere die Ankündigung des deutschen Titels wesentlich schärfere Konturen bekommt. Die Protagonisten helfen einer Schar unbeholfen wirkender Missionare, die dazu genötigt werden, ihre Deckmäntel über kriminelle Machenschaften zu legen. Als Ideal sind hier nicht nur die amüsanten Prügel-Szenen zu nennen, sondern auch beispielsweise Bambinos Beichte, bei der sich Abgründe auftun, obwohl man nicht hören kann, worum es im Wesentlichen geht. Gerade die Komödie stellt höhere Anforderungen an Schauspieler, als man meinen möchte, was natürlich auch für die Regie gilt, da Gelingen und Misslingen nah beieinander liegen können. Darstellerisch glänzen selbstverständlich Bud Spencer und Terence Hill unter ihrem selbst konstruierten Nimbus, der nur in späteren Jahren etwas an Strahlkraft verlieren sollte, aber auch der Rest der gut aufgelegten Entourage weiß die entsprechenden Parts sehr passend auszufüllen. Die abwechslungsreiche und turbulente Geschichte kann somit von Anfang bis Ende überzeugen, und es ist nicht nur von einer überaus gelungenen Variante der Italo-Komödie zu sprechen, sondern von einem wirklichen Klassiker, den sich Fans ohnehin immer und immer wieder anschauen werden, nicht zuletzt, weil der Film einen selbst seit Kindheitstagen begleitet. "Vier Fäuste für ein Halleluja" besticht unterm Strich durch Witz, Charme und Action, wobei er dies auch über dem Strich tut. Weitere Wiedersehen mit Trinità, Bambino und allen Beteiligten sind also genau so sicher wie das ängstliche Amen in der Kirche der Missionare.

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Prisma

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