Suchen

Ursus - Rächer der Sklaven

Italien | Spanien, 1960

Originaltitel

Ursus

Alternativtitel

La fureur d'Hercule (FRA)

Deutsche Erstaufführung

15. September 1961

Kamera

Eloy Mella

Inhalt

Als Ursus (Ed Fury) aus dem Krieg (mit Mazedonien?) zurückkehrt, will er heim zu seiner Jugendliebe Attea (Moira Orfei). Stattdessen wartet auf ihn am Ortseingang die Sklavin Doreide (Marìa Luisa Merlo), die dort die Schafe hütet und die Ursus zuletzt gesehen hat als sie noch ein Kind war.

 

Doreide ist die Sklavin seines Jugendfreundes Setas (Luis Prendes), der sich seit damals sehr verändert hat und zu einem grausamen Mann geworden ist. Er hat Doreide vor ein paar Jahren aus Bestrafung geschlagen und nach einem heftigen Schlag auf den Kopf verlor sie ihr Augenlicht. Nun ist sie seine blinde Schafhirtin. Außerdem berichtet Doreide Ursus, dass Attea verschwunden ist. Bei einem Überfall wurde Atteas Vater ermordet und Attea selbst entführt. Doreide hat die beiden Täter nicht gesehen (sie ist schließlich blind), würde aber ihre Stimmen wiederkennen. Außerdem verlor einer der Entführer ein Amulett, auf dem eine Stiergöttin abgebildet ist.

 

Ursus gerät in einen Streit mit Setas, dem er Doreide abkaufen will. Doch Setas hatte offenbar die Absicht, Doreide verschwinden zu lassen, um sie am Plaudern zu hindern. Ursus vermöbelt Setas und seine beiden Handlanger und begibt sich mit Doreide in die Stadt, um dort seinen alten Freund und Schlachtgefährten Cleonte (Roberto Carmadiel) zu treffen, der ihm bei der Suche nach der Herkunft des Stieramulettes helfen soll.

 

Setas hat andere Pläne, denn um Ursus an seinem Vorhaben zu hindern und Doreide entführen zu können, engagiert er einen Marktwrestler (Cris Huerta), der Ursus herausfordern soll, zu zeigen, was er kann. Ursus lässt sich von ihm mit Ketten fesseln, aus denen er sich durch seine Kraft befreien soll. Setas und seine zwei Männer kidnappen Doreide, Cleonte hinterher, und Ursus sprengt die Ketten. Ihm und Cleonte gelingt es, Doreide wieder zu befreien.

 

Als Cleonte später erstochen wird, folgen Ursus und Doreide den Tätern und finden einen Tempel, in dem die Stiergöttin Zaas angebetet wird. Doreide erkennt in den zwei Priestern die Stimmen der Mörder von Atteas Vater wieder, die auch Attea selbst entführt haben. Einer der Beiden greift Ursus an und wird getötet. Während von Draußen sich Setas Männer nähern, entdeckt der Zweite sein gutes Herz und zeigt Ursus und Doreide einen geheimen Fluchtweg. Außerdem verrät er ihnen, dass er Attea an den Sklavenhändler Kymos verkauft hat.

 

Und schon sind gut 15 Minuten des Films vorüber, verging doch wie im Flug!

 

Allein begibt sich Ursus zu dem Sklavenhändler Kymos, wo er betäubt wird. Beim Erwachen schiebt er bereits einen Mühlstein und Kymos und dessen Mätresse Magali (Cristina Gaioni) erzählen ihm, dass sie Attea an die Priester des Stierkultes der Göttin Zaas verkauft haben, die auf einer berüchtigten Insel hausen. Setas taucht auf, hat (schon wieder) Doreide entführt und will sie Kymos überlassen. Als er beginnt, wütend auf Ursus einzupeitschen, gelingt es Ursus, sich und Doreide zu befreien und Magali zu kidnappen, die ihm den Weg zu der Insel zu zeigen soll, auf die man Attea gebracht hat.

 

Unterwegs machen sie halt am Lager eines Zigeuners und seiner Tochter Miriam (Mariangela Giordano), die Magiali  ein nur noch sehr kurzes Leben weissagt. Das Lager wird von Setas und seinen Männern überfallen, Miriams Vater getötet, Miriam tötet Magiali und bleibt allein zurück. Ursus dagegen hat Setas gefangen genommen, und dieser zeigt ihm und Doreide nun den Weg zur Insel der Göttin Zaas.

 

Der Weg zur Insel ist beschwerlich, da Kymos Mätresse noch vor ihrem Abgang die Wasserflaschen zerschnitten hat. Als sie an einem Strand ankommen, sind sie nach einem heftigen und langen Rollenriss auf der Insel. Nachdem sie zuerst eine nahezu paradiesische Landschaft, gefolgt von einer kalten und gruseligen Öde von toten Bäumen und Nebel durchquert haben, werden sie von den Soldaten der Göttin Zaas in deren Reich abgeführt, und Ursus und Doreide werden von den Priestern der Göttin Zaas zum Tode verurteilt. Es gibt aber auch eine maskierte Königin, die als die menschliche Vertreterin der Göttin Zaas gilt und die hebt das Todesurteil mit einem Trick auf.

 

Während Ursus daraufhin in prunkvollen Gemächern untergebracht wird, wird Doreide ohne sein Wissen in den Kerker geworden und erneut versklavt. Künftig sucht die (blinde) Doreide, zusammen mit anderen durchweg jungfräulichen Sklavinnen nach Gold. Ob Doreide bei der Goldsuche fündig wird, erfahren wir nicht.

 

Aber sie begegnet der Sklavin Iside (Soledad Miranda), die in den Soldaten Adelfo (Antonio Gil) verliebt ist. Ursus macht dagegen die Bekanntschaft ebendieses Adelfo, der vom Blutvergießen und Menschenopfern für die Göttin Zaas die Nase voll hat. Er bietet ihm seine Unterstützung an.

 

Und Ursus macht noch eine schreckliche Entdeckung – als die Königin ihn zu sich rufen lässt, entpuppt sich diese als seine geliebte Attea, nach der er auf der Suche war. Doch die hat sich verändert, und Ursus weist sie zurück.

 

Gemeinsam mit Doreide und Iside soll er der Göttin geopfert werden. Doch zuerst soll er zusehen, wie die beiden Frauen von einem Stier zerrissen werden. Es kommt zu einem finalen Massengemetzel.

Review

„Ein unsinniges Drehbuch, extravagante Ausstattung, und wie im Drogenrausch sich überstürzende Ereignisse“

(Bertrand Tavernier)

 

Aber genau das, was Bertrand Tavernier da – neben „banal und ohne Stil“ – moniert, macht den Film so unterhaltsam. Einen solchen Wust an Handlung, Personen und Ereignissen erlebt man eher selten – abgesehen von italienischen Sandalenschinken mit Muskelmännern.

 

Ed Fury, der originale Ursus, ist in vielerlei Hinsicht eine Legende. Während z. B. das Lexikon des Internationalen Films bemerkt, Ed Fury sei zumindest in der Lage den Gesichtsausdruck zu ändern, hat vielerorten gerade diese Mimik zu allerlei Erheiterung geführt. Andererseits hatte dieses Genre trotz seiner internationalen ein Jahrzehnt währenden Dauerpräsenz keinen leichten Stand.

 

„Ursus, Rächer der Sklaven“ von 1961 ist der erste echte Ursus-Film, wobei man den Namen einer Figur aus „Quo Vadis?“ entnommen haben soll. Andererseits ist Ursus schlicht das lateinische Wort für Bär. Dieser Film ist einer der letzten von Veteran Carlo Campogalliani, der schon seit der Stummfilmzeit Regie führte. Er besitzt nicht ganz die qualitative Klasse des Nachfolgers „Ursus im Tal der Löwen“ von Carlo Ludovico Bragaglia, ist aber deutlich kurzweiliger.

 

Kurzes Zwischenspiel, ich habe es beim Ansehen des Films auch nicht sofort gemerkt, aber eine Stier-Göttin? Eine Frauenfigur mit dem Kopf eines Stiers? Na gut, bei Göttern ist ja alles möglich, aber auf einer Weide wird man mit der Suche nach einem weiblichen Stier eher länger beschäftigt sein. Egal.

 

Wie bereits in der Inhaltsbeschreibung ersichtlich, sind neben Ed Fury in kleineren Männerrollen bekanntere Gesichter wie Cris Huerta und Roberto Carmadiel zu entdecken. Wirklich interessant war für mich hier die weibliche Besetzung, Moira Orfei als Attea, die auch im zweiten Ursus-Film dabei ist, der handlungsmäßig aber vor diesem ersten Film anzusiedeln werden, da wir hier Ursus‘ Vorgeschichte seit der Aufzucht durch Löwenmiterleben. In kleineren Rollen eine sehr dunkelhäutige Mariangela Giordano (auch bei „Ursus im Tal der Löwen“ wieder mit dabei), sowie Cristina Gaioni und eine damals gerade mal 18 Jahre zählende naiv-unschuldig wirkende Soledad Miranda, Jess Francos spätere Neu-Entdeckung nach Mirandas Heirat und Geburt ihres Sohnes.

 

Den weiblichen Hauptpart spielt María Luisa Merlo, später weitgehend TV-Darstellerin, und sie spielt die blinde Doreide wirklich niedlich. Die ersten gut 15 Minuten schaut sie weitgehend stur geradeaus mit einem etwas (ich weiß, das ist jetzt nicht sehr nett) dämlich anmutenden Dauerlächeln im Gesicht. Dabei wird sie in dieser ersten Viertelstunde ständig entführt, aber ist sie wieder frei, wird sofort weiter gelächelt. Später, anfangs merkt man es kaum, zupft sie ständig abwesend mit den Fingern an ihren Kleidern herum. Hat man es erst mal gemerkt, nervt es irgendwann ein bisschen. Und um mal ein wenig in der Logik herumzustochern, eine blinde Sklavin als Schafhirtin? Eine blinde Sklavin als Goldsucherin? Aber dafür hat sie gute Ratschläge parat, zum Beispiel als sie Ursus rät, einem Sklavenhändler könne er nicht trauen. Fairerweise muss man bemerken, dass sie ihren Ursus damit sehr gut eingeschätzt hat, denn Ursus hört nicht auf sie und wird dann ja von der Mätresse des Sklavenhändlers betäubt.

 

Kein italienischer Sandalenfilm ohne kleine Fehltritte: als Ursus Setras den Holzblaken des Mühlsteins überziehen will, weist dieser schon vorher eine bedenkliche Krümmung auf, und schon als Ed Fury damit ausholt, fliegt der Teil, der wohl erst beim Zuschlagen abbrechen sollte, nach Hinten weg. Macht nichts, ist im Kasten, bleibt drin. Für den Kampf mit dem Stier am Ende wurden sechs (!) Stuntman mit Ed Fury-Perücke verbraucht, und das Ganze sieht nicht wenig gefährlich aus und ist eine spannende Szene geworden. Tierschützer hätten allerdings schon beim Brandzeichen des verwendeten Stiers empört aufgeheult, drei Riesen-Zahlen, fast über die ganze Seite des Tiers. War wohl der Sieger der Nummernlotterie auf dem Schlachthof, lebensverlängernder Aufschub wegen Filmdreharbeiten.

 

Interessant ist der Kontext des Drehbuchs, an dem u. a. Sergio Sollima und Giuliano Carnimeo beteiligt waren, der Hauptanteil fällt aber Giuseppe Mangione zu. Ursus lebt nach seiner Rückkehr aus dem Krieg gedanklich in einer Vergangenheit, die aufgehört hat zu existieren. Sei Freund Setas ist zu Wohlstand gelangt und so ein übler Mistkerl geworden. Seine Angebetete Attea wurde zunächst tatsächlich entführt, immerhin auch ihr Vater ermordet, aber am Zielort angelangt spielt sie ihre jungfräulichen Karten gegenüber dem obersten Priester aus, gelangt ebenfalls zu Macht, sie wird nicht weniger als Königin und zu einem kalten, blutrünstigen Monster, das alle hassen, selbst ihre engsten Untergebenen, das Volk sowieso. Somit existiert Ursus‘ alte Welt weitgehend nicht mehr.

 

Doch da ist die blinde Doreide, die in ihn verliebt ist. Er kannte sie schon als Kind, nimmt dies deshalb überhaupt nicht zur Kenntnis. Ironischerweise sieht er diese neue Realität und damit Doreides Liebe erst, als sie ihr Augenlicht zurückerlangt, solange Doreide physisch blind war, war er es somit psychisch. Aber sehr helle ist er ohnehin nicht, ist schließlich Ursus.

 

In den Stabangaben hinter der Kamera tauchen ein paar weitere bekannte Namen auf, mit kleinen Abweichungen zwischen italienischen und spanischen Angaben in den Credits. Neben Roberto Giandialia (Script Supervisor) und Roberto Palaggi (Production Assistant) tauchen als 2nd Unit noch Romolo Guerreri oder wahlweise Pepe Herrera auf. Ähnliches bei der Kameraführung, hier kann man sich entweder zwischen Stelvio Massi und Pepe Herrera oder Jorge Herrero entscheiden.

 

Insgesamt ist „Ursus, Rächer der Sklaven“ ein rasantes, kurzweiliges Sehvergnügen - wesentlich rasanter und kurzweiliger als meine Inhaltsangabe und Review, fürchte ich...

Kommentare (1)

  • Andreas Cleman

    Andreas Cleman

    08 Oktober 2019 um 18:04 |
    Innerhalb gegenwärtiger Dekade sehe ich die Filme, welche einst mein Interesse für die Antike begründeten, in neuem Licht per korrigiertem Hintergrundwissen. Just zu diesem hier machte ich mir Gedanken, wie denn eine Neufassung werden könnte.

    „Ursus – Rächer der Sklaven“ von 1961 sah ich erstmals in den 80er Jahren an vierter Position der Reihe um Hauptdarsteller Ed Fury. In einer eigenmächtigen Chronologie liefen sowohl „Ursus im Tal der Löwen“ als auch „Ursus, der Unbesiegbare“ im ZDF, in loser Ausstrahlung gefolgt von „Ursus im Reich der Amazonen“ sowie der eingangs genannte Titel im DFF, dessen Beginn an die „Die letzten Tage von Pompej“ (1959) erinnert und weitere Anleihen aus dem 2 Jahre älteren Film nimmt; an erster Stelle steht der Kriegsheimkehrer, dessen Haus und Familie (oder Haus und Familie der Geliebten) gebrandschatzt und gemeuchelt worden ist, desweiteren wären da die blinde Sklavin und ein mysteriöser Kult, dessen Anhänger Einfluß im Reich gewinnen will.

    Welches Reich? Darüber sagt das Drehbuch nichts. Aber durch die römisch und griechisch angehauchten Namen dringen scheinbar willkürliche Bemerkungen, die Aufklärung geben können, daß die Saga in der Epoche des Altpersischen Reichs der Achaimeniden (Hax?manišiy?) – von dem immer nur als ‚das Reich‘ (Xšaça(m)) gesprochen wurde – anzusiedeln ist.

    Der Film spinnt eine Mär aus einer Zeit, in der Männer richtige Männer und Frauen richtige Frauen waren … und nicht dieses Laß-uns-hinsetzen-und-alles-bei-einer-Latte-bereden-Gesochs, vor dem man sich heutigentags nicht mehr zu retten weiß.

    Da ist die Rede von Kämpfen in Mazedonien oder Makedonien (Wie sagt man‘s richtig? In der Wahrnehmung der Perser hatten diese Emporkömmlinge eh eine Macke …). Im fortwährenden Lauf der Geschehnisse sind beiläufig Kaufleute von Samarkand erwähnt. Jene Stadt (seinerzeit eher als Marakanda bekannt) lag tatsächlich am Rand des Reichs. Wenigstens zum Teil scheint der Film in der näheren Umgebung von Sakkara zu spielen – ein Dorf nahe Memphis in der ägyptischen Satrapie, hier jedoch möglicherweise eine Metropole. Ursus‘ Freund und ehemaliger Kämpe aus der Einleitungsszene, Kleontes, hat in einer Vorstadt ein Wirtshaus.

    Eine Bezeichnung, die in Bezug auf den Titelcharakter gebraucht wird, ist „Held von Baku und Euphrati“. Die in der Region von Baku (Funde frühester Besiedlung sind 10000 Jahre alt) sprudelnden natürlichen Ölquellen dienten den Zoroastriern als Garant ihrer Tempelbeleuchtung und dürfen als Grund gelten, daß man die Gegend „Âterepâtahe“ (?turp?t?k?n in Mittelpersisch, heute Aserbaidschan) nannte, was „Land des Feuers“ bedeuten soll – ein Name, der dann im italienischen Originaltitel von „Ursus, der Unbesiegbare“ ersichtlich wird.

    „Euphrati“ macht die Sache schwieriger: 401 v. u. Z. trafen die Armeen von Artaxšaça (Artaxerxes II) und K?ruš (Kyros d. J.) in der Schlacht bei Kunaxa in der Nähe des Euphrat aufeinander, in der Kyros getötet wurde. Diese Episode ist zu abseitig, um für den Film von Gewicht zu sein.

    Zeitlich einordnen ließe sich die Erzählung zwischen 521 und 486 v. u. Z. – eine Spanne, in der D?rayava(h)usch (Dareios) das Reich organisiert. Andererseits ist da ein Name, der bisweilen fallen gelassen wird: „Ursus von Mileto“. ‚Mileto‘ ist die italienische Aussprache von ‚Milet(os)‘ (was den für die deutsche Synchronisierung zugeteilten Kapazitäten anscheinend unklar war). Folglich wäre die Phase des Peloponnesischen Krieges (431 - 404 v. u. Z.), in welcher Milet die Fronten changierte, eine denkbare Spielzeit. Dafür spräche ferner das Faktum, daß Ägypten unterschwellig als Teil des Reichs präsent ist, was bis 400 so bleiben sollte – so daß die Periode des sogenannten Königsfriedens (387 - 377 v. u. Z.), in denen Milet unter Herrschaft Persiens stand, nicht näher ins Kalkül gezogen werden muß.

    Wie liberal die persische Obrigkeit gegenüber Ausländern in den Reihen ihrer Armee war, das weiß ich nicht – immerhin ist der Held Hauptmann. Seine physische Präsenz stand dem sicher nicht im Weg. Ob früher beim Militär oder heut im Kintopp – solche Kerls sind stets eine willkommene Zier.

    In der Causa der Titelfigur scheint der Schaffensprozess der Autoren gewesen zu sein, daß man jeden Namensträger Kyros und Xerxes in einen Topf wirft, mehrmals umrührt und heraus kommt ‚Ursus‘. Doch sei er nun griechischstämmiger Mileter oder seitens persischer Kolonisatoren, man müßte ihn tendenziell ‚Arktos‘ nennen, was in Persisch ‚Kers‘ oder ‚Xers‘ wäre, was wiederum Kyros oder Xerxes ähnelt. Als Erklärung in oben erwähnter Neuinterpretation wäre es dann ein Beiname, den er im Kampf erwarb.

    Die übrige Namensgebung touchierend, kann ich keine ähnlichlautenden Alternativen vorgeben, da ich nicht viele Namen in persischer Aussprache kenne (die meisten klingen wie Muschturaschtuna oder Hachmachtnischt). Obgleich die Stimmorgane einiger Bewohner unseres Kontinents für eine adäquate Artikulation prädestinierter als andere sind (man bringe nur einmal einen Engländer zur Aussprache des harten CH, ohne daß er an seinem eigenen Kehlkopf erstickt), sind wahrscheinlich die gräzisierten Varianten für europäische Gehörgänge wohlklingender. Doreide könnte immerhin als griechische Sklavin durchgehen.

    Ein Nebenstrang eines möglichen TV-Mehrteilers könnte die charakterliche Entfaltung der Attea begleiten, was sicherlich dem Überraschungseffekt am Ende den Garaus macht – wer jedoch den alten Film sah, weiß sowieso, was passieren wird.

    Ein zusätzlicher Streitpunkt (für den ich keine hinreichende Replik habe) ist der mysteriöse Kult, der letztlich ein elementarer Baustein der Affäre ist. Beim Sehen des Films kam bei mir eine Frage („Was? Die beten SARS an?“) auf, die sich bis zum Ende (und darüber hinaus) festsetzte, bis ich darauf stieß, daß die offizielle Schreibweise ‚Zaas‘ sei. Nichtsdestotrotz drängt sich dasselbe Problem wie im allerersten ‚Ghostbusters‘ auf: ob nun ‚Zaas‘ oder ‚Gozer‘ oder ‚Zuul‘ oder vor allem ‚Vince Clotho‘ – das sind alles keine orientalischen Gottheiten, das ist wüste Phantasie der Autoren. Am ehesten scheint‘s mir, daß an dieser Stelle Pasiphaë und der kretische Stierkult durchschimmern – deren allgemein bekannteste Ausschweifungen mythologischer Vorstellung ich aber eher als achaiische Greuelpropaganda empfinde.

    antworten

Bitte Kommentar schreiben

Sie kommentieren als Gast.