Manaos - Die Sklaventreiber vom Amazonas

Italien | Mexiko | Spanien, 1979

Originaltitel:

Manaos

Alternativtitel:

Violence à Manaos (FRA)

Rebelión en la selva (MEX)

Manaos: Drapetis tis kolaseos (GR)

Sklaven der Hölle

Hundert Tage bis Manaos (DDR)

Deutsche Erstaufführung:

20. März 1981

Inhalt

Manaos: Eine gottverdammte Stadt, wohl die Verkommendste der Welt, aus dem Nichts entstanden, Mitten im Dschungel des Amazonas. Die unersättliche Gier der Kautschukhändler hat dieses Gebiet zu einem der größten Gefängnisse der Welt werden lassen, 5000 km lang und knapp 4000 km breit. Hier wurden Männer auf gemeinste Art zu Sklaven gemacht und Frauen gezwungen, ihre Körper schänden zu lassen, um ihr Leben zu retten.

 

Und genau in dieses idyllische Urlaubsdomizil verschlägt es ein frisch verheiratetes Paar auf ihrer Hochzeitsreise, wobei der glückliche Reisetrip bereits nach sehr kurzer Zeit ein jähes Ende findet, da die hübsche Claudia (Agostina Belli) und ihr frisch angetrauter Ehemann in die Fänge des skrupellosen Plantagenbesitzers Carmelo Sierra (Andrés García) geraten, der wiederum als erste Amtshandlung den Bräutigam in die ewigen Jagdgründe befördern lässt und sich daraufhin ausgiebig mit der zurückgelassenen Witwe vergnügt. Hilflos ausgeliefert muss die arme Claudia so einiges über sich ergehen lassen, bevor sie von dem sadistischen Sierra in ein erbarmungsloses Arbeitslager verfrachtet wird, um dort als Lustobjekt für die hart arbeitenden Wärter weiterzudienen. Kaum auf der Kautschukplantage angekommen, trifft sie auf Howard (Jorge Rivero), einen alten Freund ihres gehimmelten Bräutigams und Arquimedes (Fabio Testi), die beide gleichfalls widerwillig ihr Leben in dieser Hölle der Unmenschlichkeit fristen und fortan hilflos dabei zuschauen müssen, wie Claudia ab diesem Moment tagein, tagaus von den barbarischen Wärtern geschunden wird.

 

Als Howard dann auch noch einer sehr rüden Foltermethode unterzogen werden soll, gibt es für die drei “Sklaven der Hölle” nichts mehr zu verlieren und gemeinsam mit dem Indio Ramiro (Jorge Luke) riskiert man eine eigentlich aussichtlose Flucht durch die endlosen Weiten des Amazonadschungels. Gejagt von beastialischen Plantagenwärtern und einer Armada an Bluthunden müssen die vier geschundenen Seelen auf ihrer Flucht ums nackte Überleben kämpfen und werden zudem noch mit den alltäglichen Gefahren des unerbittlichen Urwalds konfrontiert. Und dabei sind es doch nur noch etwa 100 Tage bis zur Erreichung des auserkorenen Ziels: Die Grenze zu Ecuador. 

 

Lieber im Dschungel verenden, als in dieser Hölle verrecken!

Review

Bei “Manaos” handelt es sich um eine unterhaltsame Mischung aus Dschungel-, Abenteuer- und Campfilm, die zudem wie ein Kannibalenfilm daher kommt, bei dem die fleischverzehrenden Eingeborene aber durch völlige Abwesenheit glänzen.  Für Regisseur Alberto Vázquez Figueroa stellte diese Regiearbeit seine Zweite und zugleich auch letzte Filmproduktion für die große Leinwand dar, wobei sein Regiedebüt “Die Blut-Mafia” (auch bekannt als “Plasma – Jetzt holen sie ihr Blut”) aus dem Jahr 1978 auch recht interessant und unterhaltsam zu klingen vermag.

 

Im vorliegenden Fall handelt es sich um ein “Dschungelcamp” der etwas anderen Art, da es im Vergleich zu seinem unsäglichen TV-Vertreter mit wahrhaften Herausforderungen an Körper und Geist und “tatsächlichen” Stars aufwartet.

 

Zum einen hätten wir hier den allseitsbekannten Weltstar Fabio Testi in der Rolle des strafgefangenen Arquimedes, der sich aufgrund seiner vielseitigen Lebenserfahrungen (u.a. Cowboy, Kommissar, Soldat, Mafiosi, Lehrer, Agent, Gauner oder Leibwächter) als ein echtes Multitalent herausstellt und demensprechend auch die zu meisternden Aufgaben mit Erfolg besteht. Neben dem Verzeher gepellter Vogelspinnen muss er sich zudem einem kräftezehrenden Kautschuk-Zapf-Marathon stellen oder die halsbrecherische Fahrt mit einem steuerlosen Hausboot auf einem reißenden Fluß überstehen.

 

An seiner Seite schlägt sich der gleichfalls genrefilmerprobte Jorge Rivero (“The Girl Who Knew Too Much”, “Blutige Magie”,”Conquest”) keinesfalls minderschlecht, obwohl er gleich bei seiner ersten Herausforderung patzt: Rivero verweigert sich der ersten Tagesaufgabe, da er die zu überstehende Hodenmassage durch bisswütige Piranhas keinesfalls über sich ergehen lassen möchte und beschert somit seinen Mitspielern eine erste, vom Hungergerfühl dominierte Nachtruhe. Aber im weiteren Spielverlauf kann auch er sich wieder aufraffen und steht schließlich bis zum bitteren Ende seinen Mann, den er sich glücklicherweise aufgrund seiner vorherigen Verweigerungshaltung unversehrt bewahren konnte...

 

Das härteste Päckchen hat aber die reizende und immer wieder gern gesehene Agostina Belli (“Ein schwarzer Tag für den Widder”, “Blaubart – Die Bestie”, “ Die perfekte Erpressung”) zu tragen, da die zu erfüllenden Herausforderungen von ihr einen bedingungslosen Körpereinsatz abfordern und die bereits angeknackste Psyche um ein Weiteres belastet. Zum Höhepunkt ihrer zu erledigenden Tagesaufgaben zählt zweifelsfrei eine Abtreibung nach Art der Ureinwohner Südamerikas vor laufender Kamera, wobei diese sensationsträchtige Herausforderung bestimmt in einer der nächsten TV Staffeln Einzug halten wird, da sich das verwerfliche Treiben für das tier- und menschenverachtende TV Format bestens zu eignen scheint.

 

Als weitere Gaststars treten außerdem Florinda Bolkan und Alberto de Mendoza auf den Plan, die aber lediglich in der Funktion von Ehrengästen gegen Ende der Campzeit kurzzeitig auftauchen und zudem von den geschmacklosen Herausforderungen verschont bleiben. Die restlichen Mitstreiter setzen sich aus zahlreichen Nebendarstellern zusammen, die aber allesamt einen ordentlichen Lebenslauf im Genrefilm vorzuweisen haben.

 

Das hört sich jetzt zwar alles äußerst dramatisch, brutal und verwerflich an, ist es aber gar nicht!

 

Im Vergleich zu den Kannibalenfilmen dieser Zeit, verzichtet man hier fast ausschließlich auf die Darstellung expliziter Gewalt und auch die zahlreichen Schändungen werden recht entschärft in Szene gesetzt, so dass einige Goreheads vom Endergebnis bestimmt enttäuscht sein werden. Allen anderen Italophilen dürfte mit “Manaos” aber ein unterhaltsames Abenteuerfilmfeuerwerk geboten werden, welches einen trivialen Spaß bietet und mit der fantastischen Dschungelatmosphäre Südamerikas aufwartet.

 

Als Krönung des Ganzen, ist hierbei die deutsche Synchronisation anzusehen, da diese dem bunten Treiben erst so richtig einheizt und den Unterhaltungsgrad in unerahnte Höhen schnallen lässt.

 

Abgerundet wird die Dschungelsause schließlich durch einen erstklassigen und eingängigen Score aus dem Hause Bixio, Frizzi und Tempera, der mir bereits bei meiner Filmpremiere vor ein paar Jahren auf Anhieb bekannt vor kam und daher fast schon absolut sicher bin, diese ohrwurmträchtige Komposition mit Urlaubsflair bereits in meiner Kindheit irgendwann mal vernommen zu haben.

 

Fazit: “Ich bin ein Star und holt mich hier bloß nicht raus!”

Review

Vor dem käuflichen Erwerb dieses Films wird empfohlen darauf zu achten, dass mehrere Schnittfassungen dieses Dschungelcampspektakels auf dem hiesigen Markt verfügbar sind:

Neben der bereits gekürzten deutschen Kinofassung (75 min) existiert auch noch eine italienische Langfassung (94 min), der eindeutig der Vorzug zu geben ist, da in der KF die eigentliche Rahmenhandlung des organisierten Kautschukhändlerrings und dementsprechend die Dimension des perfiden Treibens der Schere zum Opfer gefallen ist. Auch wurde dem deutschen Publikum der recht amüsante Zweikampf zwischen dem sadistischen und überheblichen Sierra mit einem lernfähigen Indio verwehrt und die bereits sehr kurz ausgefallenen Auftritte unserer beiden Gaststars Bolkan und Mendoza um ein Weiteres beschnitten, so dass ihr Auftritt in der KF fast mit der Lupe gesucht werden muss.

Von X-Rated gibt es glücklicherweise verschiedene DVD Veröffentlichungen, bei denen beide Schnittfassungen enthalten sind. Aber auch hier heißt es „Augen auf“: Manche der X-Rated Auflagen beinhalten auch ausschließlich die kürzere KF.

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