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Die letzten Tage des sündigen Rom

Kroatien | Italien, 1965

  • Originaltitel: L'incendio di Roma
  • Alternativtitel:

    El incendio de Roma (ESP)

    Rome en flammes (FRA)

    Revenge of the Gladiators (GBR)

    Fire Over Rome (USA)

  • Deutsche Erstaufführung: 18. August 1967
  • Regisseur: Guido Malatesta
  • Kamera: Aldo Greci
  • Musik: Guido Robuschi, Gian Stellari
  • Drehbuch: Guido Malatesta, Giorgio Marzelli
  • Inhalt:

    Marcus Valerius, Feldherr der ruhmreichen Schlachten von und um Gallien, kehrt nach Rom zurück, um sich kräftig feiern zu lassen. Doch der furchtlose Recke muss feststellen, dass seine Heldentaten nicht gefragt sind, denn Nero hat andere Interessen, sodass die Eroberung von fremdem Terrain erst einmal weit hinten ansteht. Der göttliche Imperator will primär die ewige Stadt von den Christen befreien und Marcus Valerius soll in die radikale Reinigungswelle eingebunden werden, was dieser allerdings nicht mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Ein solcher Ungehorsam wird natürlich nicht toleriert und der einstige Triumphator zum Gejagten erklärt…

  • Autor: Frank Faltin
  • Review:

    Die Firmierung „Die letzten Tage des sündigen Rom“ distanziert sich nicht nur vom feurigen Originaltitel, sondern beschreibt mit gezielter Wortwahl das Ende eines überaus erfolgreichen Filmgenres. Die große Zeit der Sandalenfilme war endgültig vorbei und weder Schwein noch Sau hatten 1965 ein Interesse an Legionen, Muskelmännern und Gladiatoren. Das Publikum war nicht nur übersättigt, sondern von ersten Brechreizen befallen. Trotzdem jagten die Produzenten das letzte römische Regiment (von Goebbelsschen Durchhalteparolen begleitet) an die Front, doch die Abenddämmerung war längst Geschichte, denn das Pepla-Firmament war bereits in ein tiefes Schwarz getaucht, dass keine Hoffnung auf einen allerletzten Sonnenstrahl verbreiten konnte. Innert dieser Phase entstand „Die letzten Tage des sündigen Rom“, eine auf ca. 77 Minuten reduzierte „Quo Vadis“ Adaption, dessen Regisseur, Guido Malatesta, noch einmal Prätorianer, Christen sowie Gladiatoren aufs Parkett zitierte, um sie nach der Lyra des Tyrannen, Nero, zappeln zu lassen.

     

    Meine Güte, wie lang´ es doch her ist, dass ich als kleiner Steppke erstmals diesen tollen Film mit Peter Ustinov schauen durfte. Bis dato kannte ich nur einen Caesaren, den Julius aus den Asterix-Comics, und dann war plötzlich dieser gestörte Nero da, der vom lodernden Feuer und göttlicher Macht sang. Was für eine skurrile und zugleich beängstigende Type, die lange Zeit – zumindest bis ich Stiefelchen kennen lernte – mein subjektives Sinnbild eines Tyrannen prägte. Guido Malatestas Nero-Darsteller, Vladimir Medar, kann dem phänomenalen Peter natürlich nicht das Wasser reichen, aber man muss eingestehen, dass er seine Sache recht ordentlich macht. Auch der restliche Cast kann mich (ausgeklammert sei die Schlaftablette Cristina Gaioni) zu keinen negativen Äußerungen hinreißen, denn die Darsteller/innen bieten das, was innerhalb ihrer Möglichkeiten und dem ihnen zugestandenen Spielraum möglich ist 

     

    Anders sieht es bei der Inszenierung aus, welche den Lästertrieben der Rezipienten anhand haarsträubender Bilder stets provokant gegenübersteht. So z. B. Papierbauten die ein brennendes Rom suggerieren sollen oder der Triumphmarsch des Feldherrn, der einem anderen Film entnommen wurde und dessen Szenen gleich zweimal (in identischer Bildabfolge) ihren Einsatz finden. Trotz dieser Plumpheiten sollte man allerdings nicht unterschlagen, dass die Verantwortlichen in einigen Situationen bzw. Bildkompositionen durchaus geschickt über das minimale Filmbudget hinwegtäuschen. Man achte auf die Schwertkämpfe, die fortwährend in den Kameraeinstellungen Halbnah, Amerikanisch, Nah und Groß dargestellt werden. Auf diese Weise lässt sich der bescheidene Hintergrund übertünchen, da die Blicke des Zuschauers ausschließlich auf die kämpfenden Personen gelenkt werden. Eine Vorgehensweise, die man häufig innerhalb von italienischen Sandalen-Vehikel finden kann - sofern man sich die Filme genauer anschaut!

     

    „Trau ihm nicht, Nero! Er ist ein Christ.“ (Menekrotus)

     

    Wie „Quo Vadis“ zentralisiert auch „Die letzten Tage des sündigen Rom“ die Christenverfolgung und sensibilisiert die Lage mit einer Liebesbeziehung (das übliche Vorbild für ein besseres Miteinander) zwischen Marcus Valerius und der überzeugten Christin Giulia. Einhergehend schlägt die in Roms Katakomben propagierte Christianisierung bei Marcus Valerius in Rekordzeit an. Das christliche Credo bewegt den gefeierten Feldherrn sogar dazu, die Befehle Neros zu missachten und Marcus manövriert – oh weh – selbst seine tapferen Gefährten in Richtung Prätorianers Todesklinge. Und deren Schwerter „brennen“ vor Tatendrang, denn der Neroistisch geprägte Hass auf Andersgläubige waltet mit unerschütterlicher Dominanz. Eskortiert von permanenten Hetzparolen, welche die Prätorianer von jeglicher Humanität befreien, um sie nach erfolgreicher Radikalisierung innert eines misanthropischen Kesseltreibens wüten zu lassen. Gnadenlose römische Scharen, die nach dem Tod des Peplum-Genres eine Transformation durchliefen und in den 1970ern „als schwarz uniformierte SS-Leute des Zweiten Weltkrieges“[1] zurückkehrten.

     

    „Vorwärts, wir marschieren zurück.“
    (Hans-Ulrich Rudel, während eines Spaziergangs mit dem Enthüllungsjournalisten, Jürgen Pomorin, durch das sommerliche Kufstein)

     

    Fazit: „Die letzten Tage des sündigen Rom“ lässt weder Sünde noch Laster registrieren, denn Guido Malatesta mied die Sexmaschinerie und stöberte viel lieber in der 1950er Monumentalfilmschatulle. Von Mervyn LeRoy´s „Wohin gehst du?“ inspiriert, knüpfte Malatesta einen der allerletzten Kränze, die man einem  bereits tief verbuddelten Filmgenre zuwarf.

     

    Und obwohl das Requiem deutliche Kompositionsdefizite aufweist, zeigt sich die Leichenschmaustafel vorzüglich organisiert, denn wenn der Gute (Neuchrist Marcus Valerius) den Bösen (Centurio Menekrotus) tötet, Rom zum x-ten Male von einem Tyrannen befreit wird und die finalisierende Einstellung den Messias mit weisender Hand in Richtung Sonnenaufgang präsentiert, dann vermag man den Aufbruch in eine neue Zeit lesen. Vergessen sei das, was hinter uns liegt. Der Weg kann nur erhobenem Hauptes voran gehen, einer – wider den Naturgesetzen – im Westen erstrahlenden Sonne entgegen…

     

    [1] „Es sind an die Stelle der römischen Legionäre in ihren kurzen Tuniken nun die schwarz uniformierten SS-Leute des Zweiten Weltkrieges getreten.“ (Katholischer Filmdienst, 1977)

  • Autor: Frank Faltin
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