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Lady in Black

Deutschland | Italien, 1990

Originaltitel:

Appuntamento in nero

Alternativtitel:

Blue night (ITA)

Scandal in Black (GBR)

Naked Rage (USA)

Appointment in Black

Blind Date - Skandal in Schwarz

Musik:

Mark Ross

Drehbuch:

Daniele Stroppa

Inhalt

Angela betritt ein Kino (es läuft übrigens Borowczyks EMMANUELLE 5), geht auf die Toilette, und nur kurz darauf dringen Hilfeschreie nach außen – Sie wurde offensichtlich mit einer zerbrochenen Flasche verletzt und brutal vergewaltigt. Angela selber scheint das mit einiger Contenance wegzustecken, auffällig ist aber, dass das ihren Mann, den erfolgreichen Diplomanten John (im Original Gianni) relativ wenig kratzt, ist doch das Verhältnis zwischen den beiden längst abgekühlt und einer Beziehung zwischen John und Angelas heißer Freundin Eva gewichen. Zudem darf das Vorkommnis nicht an die Öffentlichkeit dringen – der Karriere John wegen! Bei einer Gartenparty allerdings munkeln sich die Gäste so einiges zu. „ … bei der Herkunft“ heißt es dann. Angela war halt nicht immer vom Erfolg verwöhnt, denn als 15-jähriges Mädchen wurde sie schon einmal vergewaltigt. Ihr Vater tötete den Mörder und kam dafür ins Gefängnis, wo er sich umbrachte. Wiederholt sich jetzt die Geschichte von damals, nur unter andern Vorzeichen?
Nicht wirklich, denn der Filmvorführer des Kinos hat beobachtet, was auf der Toilette wirklich passiert ist: Angela hat sich die Verletzungen nämlich selber beigebracht und die Geschichte erfunden.

Und so steht das Leben mehrerer Menschen hart auf der Kippe: Der Filmvorführer erpresst Angela, wogegen sie sich wehrt. Vehement wehrt. Und Angela ihrerseits steht dem Glück von John und Eva im Weg, weswegen die beiden einen irren Mörder erfinden, der Angela beiseite räumen soll.

Autor

Maulwurf

Review

Ursprünglich bin ich an den Film rangegangen mit der Erwartungshaltung, einen belanglosen Tittenfilm mit aufgesetzter Krimihandlung zu sehen. Geliefert wurde stattdessen ein trickreicher Krimi mit wahllos eingestreuten Softsexszenen, der trotz einer gewissen Vorhersehbarkeit durch Spannung und viel Atmosphäre wirklich Eindruck gemacht hat. Auch wenn der Beginn recht klischeelastig ist, sowohl was das Verhalten von gutaussehenden Damen in einem Mercedes betrifft wie auch in Bezug auf die Stereotypie von Spät-Gialli, so kriegt Regisseur Antonio Bonifacio in seinem Regieerstling doch recht schnell die Kurve, haut dem Bontempi-Experten was auf die Finger damit die Musik nicht gar zu dümmlich klingt, und zieht an der narrativen Reißleine um ein faszinierendes Vexierspiel um nackte Brüste und tödliches Verlangen zu inszenieren.

 

Eine Frau, die schwer vermutet dass ihr eigener Mann sie umbringen möchte. Ein gängiges Thrillersujet, und in den allermeisten Fällen kommt die Spannung aus der Ungewissheit, ob er nun, oder ob er nun nicht. Zweifel werden gesät, Verdächtigungen gestreut, rote Heringe ausgelegt, und der Zuschauer kann sich partout nicht entscheiden ob der Hauptverdächtige nun wirklich ein Spitzbube ist, oder ob das arme Unschuldslamm sich das nicht einfach alles nur einbildet.

 

LADY IN BLACK macht es sich nicht ganz so einfach, denn die Tatsache, dass Gianni den Tod seiner Frau will wird schon recht früh in Wort und Bild festgehalten (weswegen ich das in der Inhaltsangabe auch spoilern durfte). Das (sehr gutaussehende) Motiv wird erklärt, und der Zuschauer harrt des kommenden Mordanschlags. Pustekuchen, denn irgendwann wird er gleichzeitig der Tatsache gewahr, dass Angela mitnichten so unschuldig ist wie sie bislang eingeführt wurde, und ihr eigenes Süppchen am Kochen hat. Welches durchaus auch mit den gängigen Zutaten wie Terror oder Mord gewürzt sein könnte.

 

Dazu kommen männliche Sinistergestalten, deren Rolle teilweise erst spät im Film geklärt wird, und schöne Frauen, deren Motiv auch nicht immer ganz klar ist. Die Haushälterin Rosie zum Beispiel, die immer dann auftaucht wenn sie keiner bemerkt, und die viel mehr sieht und weiß als alle denken. Oder die gutaussehende Polizeiinspektorin, die erheblich misstrauischer ist als man vermutet, und die so gerne Columbo wäre …

 

LADY IN BLACK mag vielleicht nicht so elegant oder raffiniert sein wie die klassischen Gialli der frühen 70er-Jahre, aber er unterhält hervorragend, viel besser als gedacht, und ordnet die bekannten Zutaten wie viel nackte Haut, seltsame Vorgänge und noch viel mysteriösere Charaktere zu einem gut durchdachten Ganzen, dem man durchaus einen Blick gönnen sollte.

Autor

Maulwurf

Veröffentlichungen

Im deutschsprachigen Raum gibt es den Film als DVD von Donau Film unter dem Titel Blind Date, und zwar mit einer stolzen Freigabe ab 18 Jahre. Das Bild ist relativ griselig, und die deutsche Synchro, die sich als Video-Synchro aus den 90ern entpuppt, ist furchtbar. Euphemistisch ausgedrückt. Aber angenehmerweise bietet die DVD italienischen Originalton und deutsche Untertitel, und auch wenn dies die einzigen „Extras“ auf der DVD sind, so sind es doch diejenigen, die den Film anschaubar machen.

Autor

Maulwurf

Links

OFDb
IMDb

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