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Kreuzfahrt des Grauens

Deutschland | Italien, 1971

Originaltitel

Ore di terrore

Alternativtitel

Die Todesyacht

Regisseur

Guido Leoni

Inhalt

Ein Ausflug unter Geschäftsleuten sollte es werden. Doch kaum ist man mit der schnittigen Jacht in See in See gestochen, findet man eine riesige, verschlossene, dahinschwimmende Kühlbox, aus der seltsame Klopfzeichen kommen. Da man kein Unmensch ist, wird diese natürlich umgehend geöffnet und ihr entsteigen drei ausgemergelte Personen, die es sich dankbar an Bord gemütlich machen.

 

Doch wie das Radio nur wenige Minuten später verlauten lässt, handelt es sich hier um drei wahnsinnige Straftäter, die einer Schiffskatastrophe entkommen sind und nun mit Waffengewalt die schmucke Jolle unter ihre Kontrolle bringen, wobei bereits ein Mitglied der Reisegesellschaft durch einen Axthieb sein Leben lässt.

 

Von nun an herrscht Professor Martin (Herbert Fux) mit seinen beiden Kumpanen über die dekadente Spaßgesellschaft aus Politikern, Industriellen (darunter Rainer Basedow) und deren Gespielinnen (u. a. Karin Schubert und Ann Smyrner).

 

Während die Reichen bald mit den kriminellen Wahnsinnigen um ihr Leben feilschen, spielt der nicht ganz verrückte Akademiker Martin ein perverses Spiel der Demütigung mit seinen Opfern.

Review

Bei einem auf einer Jacht spielenden Thriller kann man wohl nur schwerlich von einer klassischen home invasion sprechen, wenn auch das formvollendete Segelschiff während der Reise natürlich das Heim der Anwesenden darstellt.

 

Viel klassischere Beispiele für dieses (in den letzten Jahren wieder stark in Mode gekommene) Subgenre währen im Hinblick auf das italienische Genrekino Streifen wie Ruggero Deodatos grimmiger „Der Schlitzer“, Franco Prosperis „Junge Mädchen zur Liebe gezwungen“ oder Vincenzo Rigos unbequemer „Killer sind unsere Gäste“.

 

Trotzdem bieten sich diese Filme gut als Vergleichsmöglichkeiten für die Besprechung des hier zu besprechenden „Kreuzfahrt des Grauens“ an, treffen doch in allen diesen Werken zwei oder drei gewalttätige Psycho- bzw. Soziopathen auf eine Gruppe Menschen aus der besseren Gesellschaft bzw. auf deren Abkömmlinge.

 

Angeführt und in Zaum gehalten werden diese Unholde in der Regel von einem charismatischen Anführer, dem meist außerdem die Aufgabe zufällt, den Film zu mindestens fünfzig Prozent auf seinen eigenen, bedrohlichen Schultern tragen zu müssen.

 

„Der Schlitzer“ punktet dabei mit der Präsenz des einzigartigen David Hess, der dank seiner vorangegangenen Darbietung als bestialischer Krug Stillo in Wes Cravens legendären „Das letzte Haus links“ auf sich aufmerksam machte und zeigte, wie man glaubwürdig einen jenseits aller Vernunft lebenden Psychopathen auf die Leinwand bringt.

 

Guido Leonis „Kreuzfahrt des Grauens“ hingegen setzt an gleicher Spielposition auf den natürlich ebenfalls nicht unbekannten Herbert Fux, der bereits 1965 in der österreichischen Produktion „Die Geißel des Fleisches“ einen Frauenmörder gab und 1969 in einer erinnerungswürdigen Nebenrolle im Witchploitationklassiker „Hexen bis aufs gequält“ an den Seiten von Herbert Lom, Udo Kier und Reggie Nalder spielen durfte. Fux (* 1927; † 2007) bemüht sich auch redlich einen ebenso jovialen wie gefährlichen Intellektuellen abzuliefern, doch will man ihm den ebenso gemeingefährlichen wie intelligenten Killer hier nie so richtig abnehmen.

 

In einer weiteren Rolle ist Rainer Basedow (* 1938) als selbstgefälliger, feister Industrieller zu sehen, dessen Mauschelei mit den anderen Anwesenden Herren durch die Eindringlinge empfindlich gestört wird. Basedow ist einer dieser ewigen Nebendarsteller, die man seit den 60ern in unzähligen Nebenrollen gesehen hat, deren Namen einem aber immer irgendwie nicht einfallen wollen. So gelangte Basedow durch seine Rolle als Polizist im Kultfilm „Zur Sache, Schätzchen“ bereits früh zu Popularität in der Bundesrepublik, war aber (wie viele seiner Kollegen) ab den 80er Jahren neben seinen Tätigkeiten als Theaterschauspieler und Kabarettist vor allem in zahlreichen (Krimi-)Fernsehserien zu sehen.

 

Ganz wo anders konnte man in den 80ern auch das Hamburger Deern Karin Schubert (* 1944) sehen, die sich nach nur geringen Umwegen über das italienische Sexploitationgenre (Rollen in „Black Emanuelle“ und „Emanuela – Alle Lüste der Welt“) im Alter von mehr als vierzig Jahren in Hardcoreproduktionen wiederfand.

 

So kann man zu „Kreuzfahrt des Grauens“ zusammenfassend sagen, dass hier wohl mehr oder minder die zweite Garde vor und hinter der Kamera stand. Dies wird noch offensichtlicher, wenn man weiß, dass derselbe Film scheinbar für ein griechisches Publikum mit leicht verändertem Cast von einem gewissen Christos Kefalas unter dem schönen Titel „Krouaziera tou tromou“ erneut gedreht wurde.

 

Glaubt man den Einträgen IMDb und OFDb so hielt man Fux, Basedow, Schubert und zwei weitere Darsteller bei, besetzte weitere Rollen mit griechischen Landsleuten, veränderte zum Teil die Rollennamen, schrieb jedoch das Drehbuch dem Regisseur Christos Kefalas zu, der hier auch als Schauspieler vor der Kamera tätig war.

 

Sonderbarerweise gibt die OFDb als Erscheinungsjahr 1966 an, während die IMDb wie im Falle des hier besprochenen „Ore di terrore“ 1971 angibt. Googelt man den griechischen Filmtitel, trifft man auf mehrere Seiten, die wiederum 1978 als Produktionsjahr nennen. Um die Sache dann noch absurder werden zu lassen, so findet man auf YouTube unter dem griechischen Titel den Vorspann des italienischen Films, jedoch wiederum mit der Jahreszahl 1978. Ich gehe eher stark davon aus, dass beide Filme praktisch back-to-back gedreht wurden, jedoch die griechische Version sieben Jahre auf dem Regal lag, bevor ein Verleiher sie aufs Publikum losließ.

 

Wem also nach einem eher zahmen Terrorfilm auf wogender See ist, der darf hier ruhig einen Blick riskieren, wobei noch fraglich ist, ob die alte deutsche Videoveröffentlichung, unter dem Titel „Die Todesyacht“, nicht auch noch bei den wenigen Gewaltszenen offenkundig Federn lassen musste.

 

So hinterließ diese „Kreuzfahrt des Grauens“ gleich in mehrfacher Hinsicht ein Fragezeichen in meinem Gesicht, was nun auch schon wieder fast eine Kunst ist …

Links

OFDb

IMDb

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