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Der Käfig

Italien | Spanien, 1985

Originaltitel:

La gabbia

Alternativtitel:

L'enchaîné (FRA)

La jaula (ESP)

Dead Fright (USA)

Collector's Item

The Trap

Deutsche Erstaufführung:

09. Mai 1986

Inhalt

Wer kennt das nicht: Der geliebter Partner meldet sich nicht mehr und scheint verschwunden. Der Anrufbeantworter terrorisiert den Anrufer, am Arbeitsplatz weiß niemand etwas, und so langsam macht man sich dann schon mal irgendwann Sorgen, ob nicht vielleicht etwas passiert ist. Oder ob man vielleicht Knall auf Fall verlassen wurde …

So geht es Helene, die ihren Lebensgefährten Michael nicht mehr erreichen kann. Heute früh war noch alles in Ordnung, und plötzlich ist der Mann fort. Verschwunden. Wie vom Erdboden verschluckt. Was Helene nicht weiß ist, dass Michael gefesselt im Bett der Vermieterin sitzt, und selber eigentlich ganz gerne wieder nach Hause möchte. Die Vermieterin wiederum, Marie Colbert, hat aber 15 Jahre nach einer Affäre mit Michael endlich die Liebe ihres Lebens wiedergefunden, und denkt überhaupt nicht daran, den einstigen und jetzigen Liebhaber gehen zu lassen. Auf das Klo darf er, OK, aber auch nur mit vorgehaltener Waffe. Die Situation ist bereits unübersichtlich, aber zu allem Überfluss verliebt sich Maries Tochter Jacqueline auch noch in Michael, und ist ebenfalls nicht bereit ihn gehen zu lassen – ihn aber gegenüber ihrer Mutter erbittert zu verteidigen.

 

Und was als amouröses Abenteuer beginnt, als frivoles Spielchen mit zartem Geturtel und einem gehauchten Schwur von Ewigkeit, mit geschmücktem Weihnachtsbaum und aufoktroyiertem Familienleben, das endet dann irgendwie ganz anders als geplant. Michael erwacht nackt in einem Bett, gefesselt, und findet das ja eine Zeitlang noch recht amüsant. Bis er merkt, dass es Marie bitterernst ist damit, dass sie ihn nicht mehr gehen lässt. Dass sie ihn 15 Jahre lang vermisst hat, ihn, die einzig wahre Liebe seit ihrer Jugend, in welcher der routinierte Verführer ihrem jungen Körper die Freuden der Liebe lehrte, und sie ihn nun nie nie nie mehr hergeben wird. Sie wird ihn verwöhnen, mit Gänseleberpastete, rotem Kaviar und viel Sex, aber die Freiheit, die wird sie ihm nicht mehr gönnen.

Autor

Maulwurf

Review

Ein böser und oft bitterer Film über Obsessionen und Abhängigkeit, vor allem aber über das, was Liebe, oder was man auch immer dafür hält, aus Menschen machen kann. In der Beziehung zwischen Michael und Helene ist auch nicht alles ganz in Ordnung, vor allem weil Michael alles andere als treu zu sein scheint. „Er ist halt ein Mann, na und“ tröstet sich Helene, aber glücklich macht so ein Konstrukt auch nicht. Michael ist mehr so der Typ Mann, der sein Sperma möglichst weiträumig verteilen muss. Der geborene Charmeur und Fremdgeher, der hier an seine Nemesis stößt. Er und Marie hatten vor vielen Jahren, als Marie noch ein junges Ding war, diese heftige Affäre, so mit Fesselspielchen in einer Strandhütte und so, und seine plötzliche Abreise hat Marie nie so recht verwunden. Wobei die 15 Jahre, welche die deutsche Synchronisation dem Zeitraum andichtet, im Original immer nur „viele Jahre“ sind, was den bittersüßen Beigeschmack hat, dass Jacqueline unter Umständen auch Michaels Tochter sein könnte. Und die jetzige Romanze zwischen den Beiden so in ein ganz anderes Licht taucht.

 

Man merkt schon, hier gibt es unterschiedliche Betrachtungsmöglichkeiten in Bezug auf Liebe, Treue, Sex und den ganzen Kladderadatsch. Bemerkenswert ist dabei, dass die Schauwerte eher gering sind. Laura Antonelli, die spätestens seit Massimo Dallamanos VENUS IM PELZ eine DER erotischen Darstellerinnen Italiens war, ist in keiner einzigen Szene komplett nackt zu sehen, und Blanca Marsillach als Jacqueline zeigt zwar, genauso wie in Lucio Fulcis ein Jahr später gedrehtem DEVIL’S HONEY, nackte Haut, ist dabei aber ebenfalls recht zurückhaltend. Intensiv ist etwa die Szene, als Marie den gefesselten Michael verführen will, und Jacqueline unbemerkt dabei zuschaut und sich selbst befriedigt. Aber das Ganze ist nicht schmierig und nicht voyeuristisch aufgemacht, stattdessen ist dies die einzige Szene, in der tatsächlich eine intensive Erotik vorherrscht, fast nur durch die Beobachtung der (sehr zurückhaltend dargestellten) onanierenden Jacqueline.

Denn generell ist die Erotik, so sie stattfindet, eher unterkühlt, so wie die ganze Szenerie unterkühlt und streng scheint - Trotz der plüschigen Wohnung hatte ich immer das Gefühl, dass der Film den Geist der New Wave atmet, ohne dass ich das jetzt irgendwo festmachen könnte. Es ist einfach diese distanzierte Grundstimmung, die da vorherrscht, und die sehr viel vom Lebensgefühl der 80er-Jahre atmet - Vergleichbar vielleicht ein wenig mit den Filmen Claude Chabrols aus dem 60ern und 70ern, die sich auch mit dem einen Thema beschäftigten, aber immer aus dieser sicheren Distanz berichteten. Umso brachialer wirken dann die Fluchtversuche Michaels, die, ich darf ein wenig spoilern, eher etwas mit Blut und viel Schmerzen zu tun haben. Das Gebaren aller Beteiligten wird im Lauf des Films immer ruppiger, und irgendwann schwappen die unterdrückten Gefühle halt über.

 

Zu dem Regisseur Giuseppe Patroni Griffi würden irgendwelche schwülen oder exploitativen Sexspielchen auch gar nicht passen. Aus einer aristokratischen Familie stammend, war Griffi Zeit seines Lebens einer der großen Theaterregisseure Italiens, der zwischen 1962 und 2000 sechs Filme und drei Produktionen für das Fernsehen drehte. Aber was für Filme! 1969 drehte er METTI, UNA SERA A CENA mit Tony Musante und Florinda Bolkan, dessen Musik in DER KÄFIG einmal im Hintergrund zu hören. Eine wunderbare Reminiszenz, gerade auch deswegen, weil in beiden Filmen Ennio Morricone einen sehr schön zu hörenden Score komponiert hat. 1976 inszenierte Griffi dann Laura Antonelli als EIN GÖTTLICHES GESCHÖPF in einer sage und schreibe siebenminütigen Nacktszene. Andere Schauspieler bei Griffi waren unter anderem Terence Stamp, Liz Taylor oder Marcello Mastroianni. Man sieht schon, der Mann war nicht fürs Grobe, aber Erotik darstellen, das schien er zu können. Leider muss ich das im Konjunktiv schreiben, da seine Filme in Deutschland bis auf DER KÄFIG und das erwähnte GÖTTLICHE GESCHÖPF alle niemals gelaufen sind …

 

DER KÄFIG ist deutlichst ein Kind seiner Entstehungszeit und zeigt sich als interessante Melange aus Anspruch und Erotik. Wenn man keinen Tittenfilm erwartet sondern eher etwas, was zwischen Thriller und Drama hin und her pendelt, und mit toller Optik und schöner Musik punktet, dann ist der Film sehr wohl lohnend.

Autor

Maulwurf

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