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Inseraten-Report

Deutschland | Italien, 1977

  • Originaltitel: Inseraten-Report
  • Regisseur: Michael Eder, Harry Reisch
  • Inhalt:

    St. Pauli, Prostitution per Inserat, Lesbizismus, Auspeitschungen, Satanische Rituale – all das animiert eine kleine Landmagd, sich auf den Weg in die Großstadt zu machen, wo offensichtlich doch mehr los ist als in der Pampa.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Der um 1977 entstandene „Inseraten-Report“ ist ziemlich unglaubliches Stückwerk aus dem Hause Schier. Was ich hier über die Einzelbestandteile des Films schreibe, habe ich dem Interview „Der Schiere Wahnsinn" entnommen, welches auf der Bonusdisc der X-Rated-Veröffentlichung von Juan Logars „Im Rausch der Sinne“ (Fieras sin jaulas, 1971) zu finden ist. Das Interview wurde von Uwe Huber mit Heinz Gerhard Schiers Sohn Uwe Schier geführt.

     

    Mitte der sechziger Jahre bestand eine der Einnahmequellen von Heinz Gerhard Schier im Ankauf von italienischen Filmen, die man mit neugedrehten Sexszenen versetzte, unter anderem für die Produktion von Gunter Otto. Ein wesentlicher, und der einträglichere Teil dieser Arbeit (für Schier selbst) war die Synchronisation dieser Endprodukte. Es gab aber auch Eigenproduktionen, welche nur wenig oder gar keine Veröffentlichung fanden. Und so wird es jetzt etwas kompliziert.

     

    Grundgerüst für den 1977 recht erfolgreich in Kleinkinos gezeigten „Inseraten-Report“ bilden in den ersten zwei Dritteln des Films Szenen aus drei Titeln: die unter dem Pseudonym Harry Reisch (Nachname bitte mal rückwärts lesen) entstandenen „Liebe per Inserat“ (1965) und „Des Teufels nackte Tochter“ (1966) sowie der nie veröffentlichte „Blonde Engel sind nicht billig“ (1969) von Heinz Gerhard Schier. So viel zum Mondo-Teil des „Inseraten-Report“, der dann von einem komödiantischen Segment ergänzt wird. Bei diesem handelt es sich um Material aus „Die Vergnügungsspalte“ (1971), bzw. aus den ergänzten deutschen Szenen, denn auch „Die Vergnügungsspalte“ ist Stückwerk. Schier erstellte diesen unter dem Pseudonym Tony Barinda aus der italienischen Klamotte „Il diario proibito di Fanny“ (1969) von Sergio Pastore. Etwa 50% von „Die Vergnügungsspalte“ bestehen aus Szenen des italienischen Originalfilms mit Dean Reed und Giovanna Lenzi, die andere Hälfte drehte Schier mit Gunter Otto an der Kamera, unter anderem mit den Darstellerinnen Michaela Martin und Ada Tauler.

     

    Für die X-Rated DVD von „Inseraten-Report“ gibt es zusätzlich noch ein komödiantisches Segment im Bonusmaterial, betitelt „Der Heiratsschwindler.“ Und – richtig geraten – auch dieses besteht aus zumindest zwei Quellen, die Erste mit genanntem Heiratsschwindler (ist das Lando Buzzanca?) und der bissigen alten Witwe ebenso italienischen  Ursprungs wie die zweite Hälfte, die nur durch die deutsche Synchro als zusammengehörig erkenntlich gemacht werden. Die Darsteller aus jener zweiten Hälfte sind aber eher nicht dieselben, wie zuvor. Hierbei scheint es sich – wie ich anhand ein paar weniger Bilder, die ich im Internet fand, vermute – ebenfalls um ein längeres Segment aus „Il diario proibito di Fanny“ (1969). Wenn ich raten müsste, hat man 1977 wohl aus rechtlichen Gründen darauf verzichtet, diese noch in den „Inseraten-Report“ einzubauen und sicherheitshalber lieber nur deutsches Material verwendet. Wer weiß. Nach den bereits erwähnten Kinoaufführen erschien der „Inseraten-Report“ mehrfach auf VHS, war dann bis 2010 indiziert, trotz massiver Kürzungen. Auf DVD erschien von X-Rated eine ungekürzte Fassung.

     

    Was ist also meine Meinung von diesem Film? Die ist nicht wirklich gut. Ich dachte schon, Eurociné wären die Könige des Zusammenstückelns von Altmaterial, aber das hier ist wirklich die Krone. Zudem ist allein schon an der unterschiedlichen Qualität des Bildmaterials deutlich erkennbar, dass verschiedene Quellen verwendet wurden, falls einem das Fehlen eines zusammenhängenden Konzepts noch nicht gereicht hat. Über das abrupte Ende hülle ich den Mantel des Schweigens, zudem scheinen sich DVD und alte VHS auch etwas zu unterscheiden, auch über die Kürzungen der VHS hinaus. Für absolute Filmcracks (na gut, ich bin ja irgendwie auch einer) ist eine einmalige Sichtung freilich überaus interessant. Hat man den Film aber bis zum Ende gesehen, bleibt allerdings das Gefühl, man habe eigentlich nichts gesehen. Was ich mir stattdessen gewünscht hätte? Die kompletten Fassungen der Filme, aus denen der „Inseraten-Report“ zusammengebastelt wurde.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

    OFDb
    IMDb

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