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The Hot Nights of Linda

Frankreich | Italien, 1975

  • Originaltitel: Les nuits brûlantes de Linda
  • Alternativtitel:

    Mais qui donc a violé Linda? (FRA)

    La felicità nel peccato (ITA)

    Come Close, Blond Emmanuelle (EUR)

    Erotic Dreams (EUR)

    But Who Raped Linda?

  • Regisseur: Jesús Franco
  • Kamera: Gérard Brisseau
  • Musik: Daniel White
  • Drehbuch: Jesús Franco, Nicole Guettard
  • Inhalt:

    Die Haushälterin Marie-France (Alice Arno) braucht dringend einen Job, und so lässt sie sich von ihrem Arbeitsvermittler (Richard Bigotini) zu einem schwierigen Auftrag außerhalb von Paris überreden. Sie trifft dort auf Paul Radeck (Paul Muller), der im Verdacht steht, seine Frau Lorna (Monica Swinn) ermordet zu haben. Er lebt zusammen mit seiner gelähmten und stummen Tochter Linda (Verónica Llimerá), seiner gestörten Nichte Olivia (Lina Romay) und dem debilen Diener Abdul (Pierre Taylou). Doch ohne es zu wissen, ist Marie-France das Werkzeug eines Polizeiinspektors und einer Erotik-Fotografin geworden, die sich von ihrer Anwesenheit im Haus der Radecks ausreichend Unruhe versprechen, dass es zur Aufklärung des Mordes an Radecks Frau kommt. Dabei ist Marie-France sowohl den Begierden Olivias als auch ihrer Eigenen ausgesetzt.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „Isn’t it marvellous to live without a sense of time?“ 

     

    Noch bis vor wenigen Jahren gehörte „Les nuits brûlantes de Linda“ zu den am schwersten erhältlichen Franco-Filmen. Nur ein wirklich schlechter italienischsprachiger VHS-Rip unter dem Titel  „La felicità nel peccato“ machte die Runde und es Foren Gerüchte über eine legendäre „Bananenszene.“ Was ist diese Bananenszene? Eigentlich nichts übermäßig Spektakuläres, dass man nicht schon in irgendwelchen Hardcore-Pornos gesehen hätte. Eine Frau (Lina Romay) penetriert nach etwas vorangegangener Zungenarbeit ihre gelähmte Cousine mit einer Banane. Interessant ist diese Szene aber vor allem deshalb, weil man in den Folgejahren an ihrem Vorhandensein oder Nichtvorhandensein oder ihrer jeweiligen Länge festmachen konnte, welche Fassung dieses Films man in Händen hält. Lt. Jesús Franco gibt es nämlich ganze 10 Fassungen, allerdings neigte er zu Lebzeiten desöfteren zu Übertreibungen. Ich kenne vier, von zwei weiteren ist die Existenz verifiziert aber trotzdem sind diese nicht auffindbar.

     

    In „Les nuits brûlantes de Linda“ geht es um eine Pflegerin, die zu einer nicht wenig gestörten Familie geschickt wird, und das ist das Hauptthema. Gedreht etwa zwischen November 1973 und Januar 1974 in Spanien, an drei Filmen zugleich: „Perverse Emanuelle“ (Tendre et perverse Emanuelle, 1973), "Kiss me Killer" (Embrasse-moi, 1973, 1977 veröffentlicht) und „Les nuits brûlantes de Linda.“ Für alle drei Filme wurden später Nachdrehs notwendig. Gelder kamen von Eurociné und der italienischen Firma Parva Cinematografica. Abweichende Angaben zu Produktion und Geldgebern beziehen sich auf spätere Fassungen. Wie sieht es also angesichts des Wusts an Versionen mit einer Urfassung aus? Ursprünglich kreiste Francos Film ausschließlich um die Ereignisse im Haus dieser Familie. Und es gab eine einzelne Hardcore-Szene: die Bananenszene. Diese Urfassung sollte aber niemals irgendwo gezeigt werden.

     

    Eurociné war der Film zu düster, und die Pornoszene konnten sie nicht in reguläre Kinos bringen. So gab es im Januar 1974 Nachdrehs. Die Geschichte wurde insoweit geändert, dass sich schließlich alles als Traum der Haushälterin (Alice Arno) entpuppt. Es wurde ein komödiantischer Subplot mit einem Polizeinspektor (Bigotini) und einer Fotografin (Catherine Lafferière) eingefügt, der nur wenig zur Story beiträgt und zu Inkonsistenzen führt. Denn plötzlich spielt Bigotini zwei Charaktere im Film, was erst durch die Aufklärung – eben dass alles nur ein Traum war – eine Erklärung findet. Die Creditszsene mit Alice Arno, die durch Paris und am Ufer der Seine entlangspaziert, ist ebenfalls ein Nachdreh. Die Musik von Daniel White – die hauptsächlich um eine griechisch anmutendes Hauptthema kreist – wurde um ein neues Creditstück von Ian Wira und Charles Goudanne erweitert. Unterschiedliche Fassungen benennen mal diese, mal Daniel White als Komponisten des Films. Auch die Regieangaben weichen ab, mal wird Franco als „J.P. Johnson“ gecredited, in anderen Prints als „Rick Deconinck“, eigentlich das Pseudonym von Bigotini. Die Bananenszene wurde entfernt und tauchte erst wieder in den zwei späteren Pornofassungen auf, jeweils in unterschiedlicher Länge.

     

    Erklärungsbedarf gibt es auch bei den diversen Creditangaben und den daraus resultierenden Filmdatenbankangaben. Die Darsteller sind wie folgt: Alice Arno als Mari-France, Lina Romay als Olivia, Verónica Llimerá als Linda, Paul Muller als Paul Radeck, Monica Swinn als Lorna, Giuseppe Mattei als Lornas Liebhaber (irritierenderweise im englischen Dubbing auch „Abdul“ genannt), Pierre Taylou als Hausdiener Abdul (eben nicht Lornas Liebhaber), Bigotini als Arbeitsvermittler und Polizeiinspektor, Catherine Lafferière als dessen Assistentin/Erotikfotografin (lt. englischem Dubbing). In einigen – aber nicht allen – Fassungen hat Jess Franco ein Cameo als Dr. Roberts. Nicht dabei: Angelo Bassi (gecredited als Arbeitsvermittler, der wird aber von Bigotini gespielt, Raymond Hardy (auch gecredited als Arbeitsvermittler, der aber eben von Bigotini gespielt wird). Ebenfalls in manchen Credits zu finden ist ein gewisser „Joseph Mattei“ und „James Harris“, in beiden Fällen handelt es sich um Giuseppe Mattei. Als Regieassistenten sind manchmal Gianni Martucci oder Pierre Catesson genannt, beides ist Quatsch. Als Kameramann ist wahlweise Max Lechevallier oder Gérard Brisseau gelistet, einer von Beiden könnte möglicherweise tatsächlich bei den Nachdrehs dabei gewesen sein.

     

    Verkackt wurden im anschließenden Dubbing die Handlungsorte. Erst heißt es, der Job für Alice Arno sei in „Übersee“, dann wieder „außerhalb von Paris.“ Alice Arno befindet sich in Paris. Franco wählte als Location für die Außenaufnahmen des Hauses der Radecks bewusst ein in Spanien befindliches Hotel in griechischem Stil, welches ebenfalls in „Perverse Emanuelle“ (1973) zu sehen ist, und auch die Musik von Daniel White legt nahe, dass der Film in Griechenland spielen soll. Bei der Auspeitschung des Dieners Abdul sieht man dieselbe Mosaikwand wie in „Female Vampire“, die sich lt. Alain Petit in einem Haus in Paris befindet.

     

    Wie ist also der Film selbst? Es ist einer der emotional stärkeren Filme Francos, der hier voll in seinem Element Düsteres-Sexualisiertes-Melodram ist. Eher einmalig in Francos Karriere ist wohl die Auspeitschung eines Mannes durch einen anderen Mann (Abdul und Radeck). Lina Romay gibt hier eine sehr starke, erotische Performance, und sie ist hier auch noch sehr jung und sehr schlank. Alice Arno agiert unsicher, was aber auch ihrem lt. Franco sehr bescheidenen Wesen entsprach. Sie war mit ihren Leistungen als Schauspielerin wohl stets unzufrieden. Paul Muller wirkt zugleich diabolisch und entrückt, und nennen wir es beim Namen: mit Ausnahme von Arnos Charakter haben alle Bewohner des Hauses Radeck eine heftige Klatsche. Neben Paul Müller war die Darstellerin der Linda, Verónica Llimerá, die einzige gelernte Schauspielerin am Set. Nichtsdestotrotz muss man ihre Art der Darstellung als unauffällig bezeichnen. Ob ich den Film Nicht-Franco-Fans empfehlen möchte, da habe ich aber so meine Zweifel.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Veröffentlichungen:

    Die Materiallage zu diesem Film ist sehr schwierig und so bleibt als Beste – und bisher einzige – Veröffentlichung die Blu-ray von Severin Films. Die ist codefree, hat aber durchaus ihre Problematiken. Die Bildqualität des Hauptfilms ist okay, leider gibt es als Ton aber ausschließlich das recht fürchterliche englische Dubbing. Als Bonus-DVD ist in limitierter Auflage auch eine der beiden Hardcore-Fassungen dabei, in grenzwertiger VHS-Qualität aber immerhin in Französisch mit englischen Untertiteln. Aber solange es nichts besseres gibt – und wahrscheinlich wird es das aufgrund der Materiallage nie geben – kann man diese Veröffentlichung aber durchaus empfehlen.

     

    Im Bonusmaterial finden sich ein paar kürzere Interviews mit Jess Franco selbst, eins mit Lina Romay und Jess franco gemeinsam, sowie mit Buchautor Stephen Thrower. Desweiteren ein paar Outtakes.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

    OFDb
    IMDb

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