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Der Tod küsst Dich um Mitternacht

Italien | Spanien, 1971

  • Originaltitel: La morte cammina con i tacchi alti
  • Alternativtitel:

    A Morte Caminha de Salto Alto (BRA)

    La muerte camina con tacón alto (ESP)

    Nuits d'amour et d'épouvante (FRA)

    Death Stalks on High Heels

    Death Walks on High Heels

  • Regisseur: Luciano Ercoli
  • Kamera: Fernando Arribas
  • Musik: Stelvio Cipriani
  • Drehbuch: Ernesto Gastaldi, Mahnahén Velasco, Dino Verde
  • Inhalt:

    Nach einem Juwelenraub wird der Safeknacker Rochard in einem Zug Richtung Spanien ermordet. Doch der Täter muss feststellen, dass Rochard die Beute nicht bei sich trägt. Dessen Tochter, die Pariser Tänzerin Nicole (Nieves Navarro), gerät nun in Gefahr, denn der Mörder scheint sich sicher, dass der Dieb die Juwelen bei ihr versteckt hat. Nach einem Überfall auf sie verlässt Nicole kurzentschlossen ihren Pleite-Freund Michel (Simón Andreu) – den sie obendrein verdächtigt, der maskierte Angreifer gewesen zu sein – und reist mit ihrem Verehrer Dr. Robert Matthews (Frank Wolff) nach England. In einem kleinen Landhaus an der Küste verlieben sich die Beiden ineinander, doch Matthews ist verheiratet. Als eine Unbekannte versucht Matthews zu erschießen und in derselben Nacht Nicole spurlos verschwindet, schaltet sich Inspektor Baxter (Carlo Gentili) in den Fall ein – und stößt auf Nicoles Freund Michel, der in der Kneipe des Fischerdorfs Unruhe stiftet. Und dann schlägt zwei weitere Male ein maskierter Mörder zu.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „Der Tod küsst Dich um Mitternacht“ ist Luciano Ercolis zweiter Giallo nach „Frauen bis zum Wahnsinn gequält“ (Le foto proibite di una signora per bene, 1970). Wieder in spanisch-italienischer Coproduktion inszeniert, geht die von Ernesto Gastaldi verfasste Geschichte einige originelle Wege. Zunächst ein motiviertes Verbrechen an einem Juwelendieb, dann geht es in Richtung maskierter Killer terrorisiert junge Frau. Im weiteren Verlauf dann eine Liebesgeschichte in einsamem Haus wie in einem frühen Umberto Lenzi-Giallo, und dann die endgültige Überraschung: mit Auftauchen des Inspektors – gespielt von Carlo Gentili – schlägt der Film eine durchaus komödiantische Richtung ein, während wir Zuschauer noch Zeuge eines besonders blutigen Mordes werden. Diese Richtungswechsel erfüllen auch den Zweck, den Zuschauer in Bezug auf Täter, Motiv und sogar in dem Punkt, wer denn nun eigentlich Hauptprotagonist des Films ist, zu verwirren.

     

    Das Drehbuch stammte – wie bereits erwähnt – von Ernest Gastaldi, von dem Regisseur Luciano Ercoli meint, dass er viele gute Einfälle habe, oft aber den Fortlauf seiner Geschichten nicht optimal nutzt. Hier ist es wohl auch eher Regisseur Ercoli zu verdanken, dass der Film trotz seiner Richtungs- und Personenwechsel stimmig bleibt. Als zweiter Drehbuchautor ist der Spanier Manahén Velasco (als „May Velasco) genannt. Lustige Geschichte: um staatliche Finanzierungen für coproduzierte Filme zu erhalten, waren ausgewogene Stabsangaben gefragt und so schaffte es Kaffeeholer Velasco zu einigen Credits als Drehbuchautor oder Regieassistent.

     

    Aber auch Luciano Ercoli hat seine Filmkarriere einst als Kaffee- und Pizzabesorger begonnen, zumeist an Sets von Großproduktionen von Dino de Laurentiis und Carlo Ponti. Es dauerte einige Zeit – bis Mitte der Fünfziger – bevor er offiziell als Regieassistent mitwirkte und erste wirkliche Filmerfahrungen sammelte. Anfang der Sechziger tat er sich mit seinem guten Freund Alberto Pugliese zusammen und gründete mit ihm die Produktionsfirma Cinecompany. Hier sei erwähnt, dass Ercoli und Pugliese wohl als erste die Möglichkeit entdeckten, zusammen mit Spanien zu produzieren, dabei half auch die Freundschaft zu Alfonso Balcázar, welcher 1951 zusammen mit seinem Bruder Franzisco die „Balcázar Producciones Cinematográficas“ gründete, mit eigenen Studios in Barcelona.

     

    Nieves Navarro – die 1972 Luciano Ercolis Ehefrau wurde – spielt in „Der Tod küsst Dich um Mitternacht“ vorgeblich die Hauptrolle, und das macht sie mit viel Spaß an der Sache. Ihr zur Seite stehen die zwei begnadeten männlichen Parts von Simon Andreu und Frank Wolff, aber noch zwei weitere Darsteller hinterlassen bleibenden Eindruck. Carlo Gentili ist mit seinem trockenen Humor hervorragend in der Rolle des Inspektor Baxter, und Luciano Rossi ist sein übliches verstörendes Selbst als Hausverwalter von Dr. Matthews Landhaus. Abgerundet wird der gute Gesamteindruck durch die schönen Bilder von Fernando Arribas und einem Score von Stelvio Cipriani (mit Nora Orlandi), der so schön ist, dass er vermutlich gar bekannter ist als der Film selbst. Die Dreharbeiten erstreckten sich über immerhin vier Länder: England, Frankreich, Italien und Spanien.  Aber wer dachte, Dr. Matthews schönes englisches Landhaus befände sich tatsächlich irgendwo an der britannischen Küste, liegt falsch: das befand sich an der Costa Brava.

     

    Sehr sehenswerter Who-Dunnit-Thriller.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Veröffentlichungen:

    Unter dem Titel „Death Walks on High Heels“ erschien Luciano Ercolis „La morte cammina con i tacchi alti“ im März 2017 in Großbritannien von Arrow auf Blu-ray. Der Film ist sowohl mit italienischem als auch englischem Bildmaster enthalten, die Lauflänge liegt bei knapp 108 Minuten. Ein Audiokommentar mit Tim Lucas kann ebenfalls genossen werden.

     

    Im Bonusmaterial finden sich neben einer kurzen Einführung mit Ernesto Gastaldi die Features „From Spain with Love“ (ca. 24 Minuten) mit Luciano Ercoli und Nieves Navarro, aufgenommen kurz bevor Ercolis Tod; ferner „Master of Giallo“ (ca. 32 Minuten), ein Interview mit Drehbuchautor Ernesto Gastald; darüber hinaus das Feature „Death Walks to the Beat“ (ca. 26 Minuten) mit Komponist Stelvio Cipriani. Diese Extras sind in Italienisch mit engl. Untertiteln.

     

    Den Abschluss bilden der englische und italienische Trailer.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

    OFDb
    IMDb

     

     

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