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Body Count - Die Mathematik des Schreckens

Italien | Vereinigte Staaten, 1986

  • Originaltitel: Camping del terrore
  • Alternativtitel:

    Contagem de Cadáveres (BRA)

    Bodycount, recuento de cadáveres (ESP)

    A Floresta Maldita (POR)

    Body Count

  • Regisseur: Ruggero Deodato
  • Kamera: Emilio Loffredo
  • Musik: Claudio Simonetti
  • Drehbuch: Alessandro Capone, Luca D'Alisera, Sheila Goldberg, Tommaso Mottola, Dardano Sacchetti
  • Inhalt:

    Schon seit Robert Ritchie (David Hess) und seine Frau Julia (Mimsy Farmer) über einem alten indianischen Friedhof einen Campingplatz nebst Lodge errichteten, treibt der mordende Geist eines Schamanen in den Wäldern sein Unwesen. Sohn Ben (Nicola Farron) wurde einst Zeuge eines solchen Mordes. 12 Jahre später kehrt Ben von der Armee nach Hause zurück und kommt dort gleichzeitig mit zwei Gruppen von Campern an – und erneut beginnt das Töten. Sheriff Charlie (Charles Napier) dagegen glaubt nicht an Schamanen und hat eher den Lodge-Besitzer Robert in Verdacht. Dessen Schuld käme ihm auch sehr zupass, da er bereits seit Jahren eine Affäre mit dessen Frau hat.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Fangen wir ausnahmsweise mit meiner Meinung zum Film an. „Body Count – Die Mathematik des Schreckens“ ist ein rein an amerikanischen Vorbildern orientierter Slasher von Ruggero Deodato. Einzige Ausnahme ist da der gelungene Score von Claudio Simonetti und vielleicht noch das End-Thema eines sexuell motivierten Traumas als Motiv. Selbst Simonettis Score wird allerdings durch weichgespülte Popmusik ergänzt, die man in jener Zeit sowohl in amerikanischen als auch italienischen Produktionen dieser Art finden konnte. „Body Count“ gelingt es durchaus zu unterhalten, man langweilt sich eigentlich keine Minute trotz der vielen belanglosen Momente, deren man Zeuge wird. Obendrein wird man Zeuge von etwas ganz anderem, nämlich dem Untergang des italienischen Horrorkinos.

     

    Es ist erstaunlich, mit welch anderen Augen man einen Film selbst beim vierten Anschauen noch sehen kann. Warum sind mir zuvor nie die deutlichen Hinweise auf die Identität des Killers aufgefallen, die Deodato schon vom ersten Mord an beharrlich streut. Ich sage nur Teddybär. Symptomatisch ist aber etwas ganz anderes. Wir sehen einen Kampf zwischen zwei Generationen von Schauspielern, den in der Realität die Schwachen gewinnen. Deodato hat mit David Hess, Mimsy Farmer, John Steiner, Charles Napier und Ivan Rassimov eine alte Garde von Genre-Stars aufgefahren und diese neben eine neue Generation von Jungdarstellern platziert. Jene Art von Jungdarstellern, von denen man anfangs sagt, sie seien talentiert, die aber nie über diesen Status hinauswachsen. Nichtsdestotrotz werden die „alten“ Stars neben ihnen zu bloßen Randfiguren degradiert, denn selten hat man die alten Idole so farblos gesehen wie hier.

     

    Und so hat Deodato uns – wenn auch unbeabsichtigt – zu Zeugen von dem gemacht, was in den nächsten Jahren nicht nur mit dem italienischen Horrorkino geschehen würde, sondern mit dem italienischen Genrefilm an sich – dem Untergang. Billige Produktionen mit grenzwertigen Darstellern lösen das professionelle kommerzielle Unterhaltungskino mit bekannten Genregesichtern ab. Nur wenige der neuen Gesichter dagegen sind gekommen, um zu bleiben. Ausnahmen bestätigen die Regel, hier in „Body Count“ trifft man zum Beispiel auf Nancy Brilli, welche bis heute in italienischen Film- und Fernsehproduktionen zu sehen ist. Luisa Maneri ist zwar ebenfalls noch im Geschäft, kaum aber in mehr als Nebenrollen. Elena Pompei und Deodatos damaliger Freundin Valentina Forte waren eher kurze Karrieren beschieden. Über den männlichen Nachwuchs hülle ich den Mantel des Schweigens.

     

    Die Handlung von „Body Count“ ist in Colorado angesiedelt, gedreht wurde aber in den Abruzzen. Einzige Ausnahme sind die Wasserfälle von Monte Gelato im Lauf des Flusses Trejo, welche sich 33 Kilometer nördlich von Rom in der Provinz Viterbo befinden. Gedreht wurde im Oktober 1985, und man sieht auch deutlich, dass den Darstellern in den Abruzzen schweinekalt ist. Wer sich von der Mathematik im deutschen Titel (und von meinen Zeilen) nicht abschrecken lässt, wird einen durchaus unterhaltsamen Slasher vorfinden, der einem auf seltsamen Wegen sogar im Gedächtnis bleibt – auch wenn man kaum zu erklären vermag, warum eigentlich.

     

    Wer „Body Count – Die Mathematik des Schreckens“ uncut sehen will, wird versuchen müssen, ein Exemplar der alten e-m-s DVD zu ergattern. Die alte deutsche VHS ist cut, ebenso die britische DVD von Hollywood DVD.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

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