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Bad Inclination

Italien, 2003

Originaltitel:

Cattive inclinazioni

Inhalt

Es tut mir wirklich leid, aber ein klein wenig muss ich einfach spoilern. BAD INCLINATION hat einiges an Überraschungen in petto, und ein paar davon muss ich leider im Voraus aufdecken, um dem Film halbwegs beschreiben zu können. Oder anders ausgedrückt, wenn ich nur schriebe Toller Film mit vielen Wendungen, selber überzeugen! - Würde mir das jemand glauben? Eben, sowas muss ein wenig unterfüttert werden. Zum Beispiel mit Spoilern …

 

Die Lehrerin Grazia Scanetti wird in ihrer Wohnung ermordet aufgefunden. Die Tatwaffe ist ein Lineal, ein stählernes Dreieck. Die Polizei tappt vollkommen im Dunkeln, doch im selben Haus wohnt Mirta Valenti, und die nutzt die Gelegenheit, um sich ihrer verhassten Haushälterin zu entledigen. Valenti gaukelt der früheren Schülerin Donatella vor, sie sei todkrank und bitte um Sterbehilfe. Und zwar in Form eines Mordes im Stil wie bei der Scanetti. Nur dass im Bett nicht die Valenti liegt, sondern eben die Haushälterin, was Donatella leider erst eine ganze Zeit später merkt …

Ebenfalls im selben Haus wohnt der frühere Gesangsstar Nicole Cardente, welche ein Liebesverhältnis mit ihrer Managerin Otilia hat. Als Otilia mit dem neu eingezogenen und gutaussehenden Premio rummacht platzt Nicole fast vor Eifersucht: Sie ermordet Otilia, lässt es aussehen wie bei der Scanetti, und schiebt die Schuld auf Premio. Die Polizei schießt sich schwer auf den jungen Mann ein, Nicole bekommt durch die Aufmerksamkeit der Presse eine zweite Karriere, und der Staatsanwalt fühlt sich ob seines Ermittlungserfolgs wie ein Halbgott. Nur die junge Polizistin Rita hat so ihre Zweifel. Denn selbst wenn wir (anders als die Polizei) den zweiten und den dritten Mörder kennen, ist immer noch die Frage: Wer hat nun eigentlich Grazia Scanetti ermordet?

Autor

Maulwurf

Review

Beginnen wir, weil der Film sowieso ein wenig anders ist als andere Kinder, doch mal relativ weit hinten, nämlich mit dem dritten Mörder. Dieser, die Sängerin Nicole, ist ein wahrhaft durchtriebenes Ding, und entsprechend viel Screentime bekommt sie. Nicole ist böse und hat trotz einer leichten Nervenschwäche einen ausgesprochenen Hang zu schlechten Angewohnheiten (übersetzt eben Cattive inclinazioni). Es macht dem Zuschauer Spaß, ihr bei ihren abgefeimten Intrigen und Ränken zuzuschauen, das ist wie bei Alfred Hitchcocks FRENZY, wo wir dem Mörder gefühlte Ewigkeiten zuschauen, wie er versucht eine Leiche zu verstecken, und uns dabei unweigerlich mit ihm identifizieren. Hitchcock macht uns zu Komplizen des Mörders, und Pierfrancesco Campanella macht das hier nicht anders. Wir begleiten Nicole bei den Vorbereitungen zum Mord, bei der Durchführung, und beim Legen der Spuren zu Premio, dem Liebhaber Otilias, und können kaum anders, als ihr beim Ausleben ihrer schlechten Angewohnheiten beizustehen.

 

Doch, einen Unterschied gibt es: Nicole ist nicht sympathisch. (Anmerkung: Barry Foster in FRENZY eigentlich auch nicht …) Diese Eigenschaft hat Donatella abbekommen, Ex-Knacki und frühere Drogenabhängige, die sich jetzt mit Prostitution über Wasser hält, und von Mirta Valenti ein Angebot bekommt das sie nicht ablehnen kann. Die Idee mit der Krankheit und der Sterbehilfe in Form eines Mordes ist wirklich gut ausgedacht, denn dieser Mord würde dem großen Unbekannten angelastet werden, und Donatella wäre fein raus. In Wirklichkeit ermordet Donatella aber eben die Haushälterin Laura, und danach wird sie von Valenti fallengelassen wie eine heiße Kartoffel. Denn auch Valenti, eine Künstlerin mit Hang zu Bildern des Todes, hat schlechte Angewohnheiten. Donatella wird mit ihrer Schuld und ihrer Angst nun völlig allein gelassen, aber ich darf dem geneigten Leser verraten, dass sie in ihrer hilflosen Verzweiflung etwas ideenreicher ist als man denkt.

 

Und noch jemand hat schlechte Angewohnheiten: Der Staatsanwalt Visconti, der sich seine Meinung aufgrund unzureichender Indizien bildet, die Ahnungen Ritas vollkommen ignoriert bzw. niedermacht (schließlich ist sie eine Frau und jung, und er ist männlich sowie hochgradig ambitioniert und möchte Karriere machen), mit seiner(!) harten Arbeit im Fernsehen angibt, obwohl tatsächlich Rita für ihn schuftet, und wenn am Ende ein Täter gefunden wird, sich lächelnd und selbstbewusst dem Fernsehpublikum präsentiert als großer Mann. Jawoll …

 

Überhaupt, die Medien. Campanella wollte mit BAD INCLINATION etwas zu den Medien erzählen, die jeden Mord und jede Gewalttat als Happening und Event verkaufen, ohne Rücksicht auf Moral oder Anstand, und ohne darauf zu achten, dass so eine Tat ja auch Nachahmer auf den Plan rufen kann. Im Berlusconi-Italien des Jahres 2003 ist das nicht anders als heute irgendwo anders in der westlichen(?) Welt: Eine gut gestylte Moderatorin die uns den Mord des Tages als Breaking News präsentiert, und immer hautnah bei den Neuigkeiten dabei sein will. Gianna Paola Scaffidi ist gleichzeitig charmant und aalglatt und könnte jederzeit auf einem der gängigen Fernsehsender á la Fox News-Pro7-wasauchimmer auftauchen, ohne dass jemand merken würde dass sie eine Schauspielerin ist. Die Verhaftung des Monsters? Wir sind dabei. Die Entlarvung des Täters? Hier ist der großartige Staatsanwalt der dies ermöglicht hat …

 

Wir haben also eine alles andere als durchgängige Story, einen regelmäßigen Wechsel von Hauptfigur und Perspektive, und viel viel Abwechslung. Dazu einiges an nackter weiblicher Haut, den ein oder anderen blutigen Mord, und überhaupt ist die Kunst, kleine, feine und boshafte Krimis zu erschaffen, in Italien offensichtlich nicht verschwunden, sie versteckt sich nur ziemlich gut. Aber all das, was den italienischen Genrefilm in seinen großen Zeiten ausgemacht hat, ist hier gleichfalls vorhanden: Schöne Frauen die sich gerne mal ausziehen, abgefeimte Schurken, eine verwirrende und packende Geschichte mit vielen Toten, ein gehöriges Maß Kritik an den aktuellen Zuständen, und schöne und oft stylische Bilder.

Autor

Maulwurf

Veröffentlichungen

Erschienen ist diese kleine Perle in den USA als DVD bei Shriek Show. Der Regionalcode ist für Europa passend, das Bild ist recht gut, und der Ton liegt, anders als auf dem Backcover vermerkt, nur in englisch und ohne Untertitel vor. Wobei die Synchro sich sehr tapfer schlägt und den Film nicht versaut.

Als Extras liegen Interviews mit dem Regisseur sowie den Darstellerinnen Elisabetta Rocchetti (Donatella) und Elisabetta Cavalotti (Otilia) bei. Der Trailer und eine Bildergalerie sind ebenfalls an Bord.

Autor

Maulwurf

Links

OFDb
IMDb

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